20/03/2015

THEO JAMES UND SHAILENE WOODLEY IM INTERVIEW ZU DIE BESTIMMUNG

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Theo James, Regisseur Robert Schwentke und Shailene Woodley

HOLLYWOOD ALS EINE BESTIMMUNG?
Im Gespräch mit Shailene TRIS Woodley

 

Shailene Woodley wurde 1991 in Kalifornien geboren und arbeitete bereits in ganz jungen Jahren für das amerikanische Fernsehen als Schauspielerin. Als sie mit zwanzig an der Seite von George Clooney in THE DESCENDANTS spielt, ist ihr Weg zu Hollywood-Starruhm bereits geebnet.
Im Zuge populärer Buchverfilmungen mit femininen Protagonisten wird sie die Titelheldin in der Leinwandadaption von Veronica Roths Bestseller-Trilogie DIVERGENT. Sie mimt die Rebellin Tris, die gegen eine diktatorische Staatsform aufbegehrt und die Menschen, welche je nach Wesensart in verschiedene Bezirke aufgeteilt sind, zusammenführen möchte. Shailene Woodley gelingt dabei der Spagat zwischen einer modernen Actionheroin und einer von Selbstzweifeln geplagten Persönlichkeit, welcher ihr auch bei den Kritikern entsprechende Wertschätzung gebracht hat. Nicht ohne Grund wird sie Oliver Stone für seine mutmaßlich anspruchsvolle SNOWDEN-Verfilmung auserwählt haben.
In INSURGENT, dem zweiten Teil der Trilogie, muss sich Tris noch intensiver mit ihrem Schicksal als zum Teil tragische Einzelkämpferin befassen und ihre Kräfte und Ressourcen für Teil drei bündeln …

 

DEADLINE: Im Film spielst du eine Rebellin. Wann war das letzte Mal, dass du gegen etwas rebelliert hast?

 

Shailene Woodley: Ich denke, dass jeder es anders definiert, ein Rebell zu sein. Meine Definition von Rebellion ist, dass man etwas so sehr mit Nachdruck bekämpfen möchte, da man ganz sicher ist, dass es falsch ist. Deswegen werden Teenager auch oft als Rebellen gesehen. Ich rebelliere nie gegen etwas aus Rache oder Ähnlichem.

 

DEADLINE: In INSURGENT vereint Tris verschiedene Fähigkeiten und Charakterzüge in sich. Welche deiner Eigenschaften sind am besten ausgeprägt?

 

Shailene Woodley: Ich denke, da müsstest du meine Freunde fragen. Nun, ich denke, dass ich sehr empathisch bin. Ich kann mich gut in andere Menschen hineinversetzen, was wohl auch daraus resultiert, dass meine Eltern Psychologen sind. Das würde ich als eine meiner Stärken bezeichnen.

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DEADLINE: Deine Figur im Film hat viele Albträume und versucht, mutig zu sein, und kommt so auch in ihrem Umfeld an, dabei fühlt sie sich selber alles andere als stark und ist sehr unsicher. Sie versucht, einen Prozess durchzumachen und mehr Selbstbewusstsein zu erlangen. Siehst du da eine Parallele zu der charakterlichen Entwicklung von jungen Menschen?

 

Shailene Woodley: Ich denke, man kann Selbstsicherheit nie perfektionieren, sondern arbeitet das ganze Leben daran. Wenn man jünger ist, macht man sich vielleicht mehr Sorgen um seinen Körper, was mit dem Älterwerden nach und nach zurückgeht. Man muss aber auch mal unsicher sein, um an sich zu arbeiten und zu schätzen, wenn es einem gelingt, sich selbstsicherer zu präsentieren.

 

DEADLINE: Wann fühlst du dich am wohlsten?

 

Shailene Woodley: Wenn ich mich körperlich betätige, beim Training. Dann ist es mir total egal, wie ich aussehe, ob ich schwitze, mein Körper eigenartig positioniert ist oder so.

 

DEADLINE: Wie bereitest du dich auf die physisch anspruchsvollen Szenen beim Dreh vor?

 

Shailene Woodley: Beim ersten Film wurden wir noch mehr angeleitet und bekamen einen festen Trainingsplan, diesmal waren wir mehr auf uns gestellt. Es gibt nicht viele Kampfszenen in INSURGENT, aber viele Szenen, in denen ich zum Beispiel an Drähten hänge und verschiedenste Bewegungen vollführen muss.

 

DEADLINE: Was für Pläne hast du abseits von der Schauspielerei für die Zukunft?

 

Shailene Woodley: Ich bin sehr fasziniert vom menschlichen Körper. Die anatomische Struktur und wie wir auf der Zellebene funktionieren. Und ich würde gerne Asien mehr bereisen. Ich war bereits in Indonesien und war sehr fasziniert von der Religion der Hindus.

 

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DEADLINE: Was für Bücher oder Filme haben dich während deiner Kindheit besonders beeinflusst?

 

Shailene Woodley: HENRY AND JUNE von Anaïs Nin hatte einen großen Einfluss auf mich. Ich habe den Film nie gesehen, da ich das Buch zu sehr liebe. Als ich es gelesen habe, hatte ich das erste Mal das Gefühl, es mit einem echten Zeugnis wirklich femininer Gefühle zu tun zu haben. Das ist sehr selten in Amerika. Entweder wird es zu sexualisiert dargestellt oder totgeschwiegen. Und auf einmal hatte ich in dem Buch einen Bezugspunkt für mich. Die Welt, in der sie lebte, und das Leben, das sie geführt hat, haben mich sehr berührt.

 

DEADLINE: Wie war die Arbeit mit dem Regisseur Robert Schwentke?

 

Shailene Woodley: Er ist sehr intelligent und ungewöhnlich intellektuell. Er hat eine genaue Vorstellung von dem Film, was jedoch nichts mit seinem Ego zu tun hat, sondern damit, dass er das Bestmögliche aus dem Film herausholen will. Er ist aber auch sehr offen für neue Vorschläge, was nicht immer der Fall bei anderen Regisseuren ist.

 

DEADLINE: Liegt es an seinem Stil oder an der Buchvorlage, dass der zweite Teil, INSURGENT, düsterer als der Vorgänger DIVERGENT geraten ist?

 

Shailene Woodley: Das zweite Buch ist auf jeden Fall tiefgründiger. In DIVERGENT gab es sehr viel Exposition, um die ganze Welt, in der die Geschichte spielt, zu erklären. Wir mussten die einzelnen Fraktionen und ihre Mitglieder dem Zuschauer näherbringen. INSURGENT kann jetzt tiefer in die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander hineingehen und ist dahingehend intensiver.

 

DEADLINE: Sind dir Besitztümer wichtig?

 

Shailene Woodley: Nein. Es stresst mich nicht so sehr, wenn ich mir über weniger Dinge Gedanken machen muss.

 

DEADLINE: Wie war die Stimmung am Set?

 

Shailene Woodley: Wir haben viel gelacht, wir sind eine sehr offenherzige Gruppe gewesen.

 

DEADLINE: Wie war die Zusammenarbeit mit Kate Winslet?

 

Shailene Woodley: Kate ist unglaublich. Sie ist eine der aufrichtigsten Personen, die ich kenne. Manchmal schaut man in die Augen von jemandem und weiß, dass er freundlich ist, aber er verstellt sich vor dir. Das ist bei Kate nie so. Sie gibt dir alles von sich, egal wer du bist und wo du sie triffst. Das ist gerade für eine junge Schauspielerin sehr wichtig, zu sehen, wie man in dieser chaotischen Welt und Industrie gerade auf diese Art und Weise bestehen kann.

 

DEADLINE: Du hattest in George Clooney einen großen Mentor. Was hat er dir mitgegeben?

 

Shailene Woodley: Man lernt schon von ihm, wenn man ihn beobachtet. Er führt ein tolles, sehr luxuriöses Leben, was er sich hart erarbeitet hat. Aber ihm ist klar, dass er jederzeit alles verlieren kann. Und wäre das der Fall, so würde es ihm trotzdem immer noch gut gehen, da er so gefestigt ist als Person. Das ist sehr wichtig. Er wäre immer der gleiche Mensch mit dem gleichen Herz, auch ohne seine Filme, sein Haus, den Glamour.

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DEADLINE: War es schwierig, Tris ein zweites Mal zu spielen?

 

Shailene Woodley: Es war nicht schwierig, sondern interessant, ihre Figur aus dem ersten Teil wieder aufzugreifen. Die neue Tris ist auch nicht die gleiche Tris wie aus der Buchvorlage. Ich musste mich entscheiden und aus der Tris von DIVERGENT, der Tris aus dem Buch INSURGENT und der Tris im aktuellen Film einen neuen Charakter erschaffen.

 

DEADLINE: Im Film hast du Angst vor Feuer. Wovor hast du im echten Leben Angst?

 

Shailene Woodley: Ich denke, alle Ängste beziehen sich auf den Tod. Und es gibt keine Möglichkeit, vor nichts Angst zu haben.

 

DEADLINE: Du drehst gerade mit Oliver Stone in München. Was kannst du darüber erzählen?

 

Shailene Woodley: Ja, wir sind gerade mitten im Dreh. Es ist das erste Mal, dass ich längere Zeit in Deutschland verbringe, und alle sagen mir, dass Bayern und besonders München sich sehr vom Rest Deutschlands unterscheiden. Es gefällt mir, es ist alles so sauber dort.

 

DEADLINE: Vielen Dank für das Interview.

 




WEITER

„FÜR DIE LIEBE WÜRDE ICH BIS ZU MCDONALD’S GEHEN …“
Im Gespräch mit Theo FOUR James

 

Den überaus sympathischen Briten – so gerade wieder im Interview erlebt – hatten wir bereits zum ersten Teil der DIVERGENT-Trilogie im Magazin, und auch zum Sequel INSURGENT hat er sich wieder mit uns getroffen.
Mit Blick auf seinen Jahrgang – 1984 – steht er an einem ganz wichtigen Punkt seiner schauspielerischen Karriere, die jedoch in jeder Hinsicht in die richtigen Bahnen gelenkt scheint. Nach einer kleinen Rolle unter Woody Allen und einer größeren an Kate Beckinsales Seite in einem der UNDERWORLD-Sequels gelingt ihm gerade mit der DIVERGENT-Reihe der Sprung auf die nächste Sprosse der Hollywood-Leiter.

 

DEADLINE: Deinen Traum von der Schauspielerei hast du bereits verwirklicht. Welche Wünsche möchtest du dir sonst noch erfüllen?

 

Theo James: Ich tauche sehr gern. Ich würde gerne in der Truk Lagoon tauchen. Das ist so eine Art pazifisches Pearl Harbor mit unzähligen Wracks.

 

DEADLINE: Du bist gerade dabei, ein anerkannter Actiondarsteller zu werden. Wer waren die Helden deiner Kindheit?

 

Theo James: Ich liebte James Bond. Connerys Bond. DR. NO, GOLDFINGER. Connery hatte eine besondere Kühle. Außerdem war INDIANA JONES großartig, als ich ein Kind war. Ich mochte Paul Newman.

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DEADLINE: Typen wie Schwarzenegger, Stallone und Van Damme haben dich nicht so sehr interessiert?

 

Theo James: Oh doch, ich habe viele Filme mit ihnen gesehen. Für mich als Schauspieler sind sie jedoch nicht ganz so interessant.

 

DEADLINE: Gibt es einen Schlüsselmoment in deinem Leben, der dich dazu gebracht hat, Schauspieler zu werden?

 

Theo James: Es ist schwer, es an einem bestimmten Punkt festzumachen, und meiner klingt ein bisschen erfunden, aber tatsächlich ist es wahr: Als ich 13 war, haben wir im Englischunterricht Tennessee Williams’ STREETCAR gelesen, und natürlich hat es mich als Jugendlicher gelangweilt. Dann haben wir den Film in Schwarz-Weiß, mit Marlon Brando, geschaut, und das hat alles verändert. Brando hatte so eine starke, naturalistische Wirkung auf die Schauspielerei. Ich habe nicht direkt das Gefühl, dass er meine Karriere als Schauspieler beeinflusst, aber es war damals einfach etwas Neues für mich.

 

DEADLINE: Wie war die Arbeit mit Shailene Woodley?

 

Theo James: Sie ist sehr gut in der Lage, sich in bestimmte emotionale Zustände für eine Szene zu versetzen. Wenn man nur einen Film zusammen macht, ist die Beziehung zwischen den Schauspielern auch meist eher oberflächlich. Aber bei einem Franchise wie diesem verbringt man viel Zeit zusammen, man lernt die Familie kennen, geht gemeinsam auf Promotion und so weiter. Daraus kann dann eine tiefere Freundschaft werden. Wichtig ist, dass man ein natürliches Verständnis füreinander entwickelt. Angesichts der vielen Action- und Greenscreen-Szenen verliert man manchmal das Gefühl für die Szene, und wenn man sich nah ist, kann man sich dieses Gefühl gegenseitig zurückgeben.

 

DEADLINE: Das Thema des Films, die Revolution, ist sehr modern in diesen Tagen. Wie siehst du das?

 

Theo James: Ich denke, der Film ist relevant. Aber es ist schwer zu sagen. Einerseits schreibe ich ihm diese Bedeutung zu, andererseits kann und will er natürlich nicht die Komplexität unserer Welt abbilden. Im Film erlangen staatliche Strukturen Macht über die Bevölkerung, die in verschiedene Fraktionen gegliedert ist, das ist schon ein relevantes Thema. Auch das Thema Medien wird sehr zentral in INSURGENT behandelt, welche Informationen man an die Bevölkerung weitergibt. Doch im Kern geht es um die persönliche Identität. Du bist dein eigener Herr und musst dich in keine demografische Gruppierung hineinzwängen lassen.

 

DEADLINE: Bist du auch im wahren Leben ein Rebell?

 

Theo James: Ich hoffe. (lacht) Ich habe etwas Probleme mit Autoritäten, was mir im Leben sowohl geholfen als auch geschadet hat.

 

DEADLINE: Deine Rolle in INSURGENT ist sehr physisch, du hast viele Actionszenen. Wie wichtig ist der physische Part der Schauspielerei für dich? Es gibt Schauspieler, welche sich mehr auf die Rezitation, und andere, die sich mehr auf den physischen Aspekt konzentrieren, während du eine Kombination aus beidem zu sein scheinst.

 

Theo James: Der physische Part ist sehr wichtig. Besonders wenn man eine Szene mit anderen Schauspielern zusammen hat, ist es wichtig, dass man körperlich fit ist und nicht nur mit Doubles arbeitet, die man vorher vielleicht noch nie gesehen hat. Der Schlüssel zu einem guten Film ist eine durchdachte Story und eine intensive Auseinandersetzung mit ihren Charakteren. Und da ist es manchmal auch entlastend, wenn man sich in körperlich anspruchsvollen Szenen austoben kann.

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DEADLINE: Was liest du gerade?

 

Theo James: THE DUBLINERS, die Kurzgeschichten von James Joyce. Davor habe ich ein Buch mit dem Titel THE HISTORY OF LONELINESS als Vorbereitung auf einen Film gelesen. Darin geht es um einen irischen Priester. Und ich lese viele Gedichte.

 

DEADLINE: Wie würdest du deinen Charakter im Film beschreiben?

 

Theo James: Ich weiß, dass er sehr selbstbewusst wirkt, aber ich denke, tatsächlich ist er eher schüchtern, er redet auch nicht sehr viel. Im ursprünglichen Skript gab es einige Szenen, in denen er längere Monologe hält, aber in Abstimmung mit den Regisseuren, Neil beim ersten Teil und Robert beim zweiten, haben wir diese Szenen herausgenommen. Er ist ein natürlicher Anführer, aber auf eine zurückhaltende Art und Weise. Ich denke, man muss nicht immer laut sein, um Autorität auszustrahlen. Manchmal ist es besser und eindrucksvoller, still zu sein und zuzuhören.
Michael Caine, ein ganz Großer, hat mal gesagt: Wenn du wirkliche Macht ausstrahlen willst, schaue deinem Gegenüber ohne eine weitere Reaktion in die Augen. Das ist interessant. Aber man muss sich entscheiden, was für einen selbst am besten funktioniert.

 

DEADLINE: Sowohl in UNDERWORLD als auch in DIVERGENT und INSURGENT spielst du an der Seite von weiblichen Protagonisten. Wie fühlst du dich dabei?

 

Theo James: Shailene und ich reden viel über dieses Thema, und erfreulicherweise gibt es einen positiven Trend zu beobachten, aber es ist immer noch zu wenig.

 

DEADLINE: Allein die Tatsache, dass ich dir diese Frage stelle, zeigt ja, dass noch ein langer Weg zu gehen ist.

 

Theo James: Ganz genau! Shailene hat aber ganz richtig gesagt, dass das Schöne bei diesem Film ist, dass die weiblichen und männlichen Parts sehr ausbalanciert sind, ohne dass einer künstlich in den Vordergrund gedrängt wird. Auch lenkt die charakterliche und physische Stärke ihrer Figur nicht von der Tatsache ab, dass sie eine Frau ist. Man hat nicht das Gefühl, dass hier versucht wird, etwas zu kompensieren.

 

DEADLINE: Wie weit würdest du im wahren Leben für die Liebe gehen?

 

Theo James: Bis zu McDonald’s. (lacht) Nein, ich hoffe, dass ich alles dafür tun würde, sonst wäre wohl meine Freundin auch ziemlich sauer auf mich …

 

DEADLINE: Vielen Dank für das Interview.

 

Theo James: Sehr gerne!

Interviews von Leonhard Elias Lemke im März 2015 in Berlin geführt.

 

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