22/08/2015

“THE WORLD OF TIM BURTON” – Ausstellung im Max Ernst Museum Brühl

“Ich bin kein großer Künstler”

Auszüge einer Pressekonferenz mit Tim Burton

 

 

Wer hätte nicht gerne Vincent Price getroffen oder Christopher Lee davon überzeugt, die eigene Telefon-Mailbox zu besprechen? Timothy Walter Burton hat es getan. Der Mann mit den surrealsten Filmideen, den skurrilsten Außenseitern und den schönsten Filmsets stellt seit August 2015 sein künstlerisches Werk im Max Ernst Museum Brühl aus. Zuvor waren die mehr als 500 Zeichnungen, Gemälde, Filmpuppen, Storyboards und persönlichen Dokumente in Osaka, Prag und Tokio zu sehen.

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Wer Burtons Filmhits von BEETLEJUICE über EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN bis hin zu PLANET DER AFFEN kennt, kann in der Ausstellung auch frühe Filme aus seiner Schul- und Studienzeit sowie zeichnerische Entwürfe von nicht verwirklichten Projekten entdecken. Schon früh spielten monströse und außerirdische Wesen eine große Rolle: Mit 18 Jahren entwarf Burton das von Disney abgelehnte Kinderbuch „The Giant Zlig“ (1976). Liebende Monster mit Hochhäusern auf dem Rücken und Aliens in landenden Untertassen gehörten damals ebenso zu seinen Bildthemen wie das Haarwickler tragende Mutter-Monster „Mothera“ (1980-1988).

 

In den frühen 1980er Jahren erarbeitete Burton bei Disney zudem Entwürfe für verschiedene Projekte, wie TRICK OR TREAT (1980), LITTLE DEAD RIDING HOOD (1981) und ALIENS (1983), die nicht realisiert wurden. Die farbenfrohen Halloween-Zeichnungen von TRICK OR TREAT wirken dabei wie eine virtuose Vorahnung von TIM BURTON’S THE NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS.

Brühl: Max Ernst Museum: Tim Burton Ausstellung

 

Auch auf der Pressekonferenz bleibt das Multitalent seinen Themen treu und trägt ein dunkelblaues Hemd mit Monster-Muster. Die folgenden Antworten gewähren einen kleinen Einblick in die burtonsche Lebenswelt:

 

Wie fühlt es sich an Ihre Kunst im Museum zu sehen?

Tim Burton: „Ich komme aus Burbank und bin nie ins Museum gegangen. Dass das passiert, war eine surreale Erfahrung. Ich bin kein großer Künstler. Das ist alles privates Zeug. Das ist etwas, dass ich nie richtig geplant hatte. Die besten Dinge sind Überraschungen. Dinge, die man nicht erwartet. Es war eine wunderschöne Überraschung. Man ist ständig überrascht als Kind. Wenn man älter wird, dann werden die Überraschungen seltener. Das war eine neue Erfahrung.”

Brühl: Max Ernst Museum: Tim Burton Ausstellung

Welchen normalen Job könnten Sie sich für sich vorstellen?

Tim Burton: „Ich bin glücklich, dass ich die Möglichkeit habe, zu zeichnen oder Filme zu machen, sonst würde ich vermutlich im Gefängnis sitzen. Ich könnte nie einen normalen Job haben.“

 

Was würden Sie Nachwuchs-Künstlern raten?

Tim Burton: „Sei einfach unverfälscht dir selber gegenüber. Es muss aus deiner Seele und deinem Herz kommen. Tu einfach was du fühlst und hoffe auf das Beste.“

 

 




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Warum sind Ihnen Monster wichtig?

Tim Burton: „Als ich aufwuchs, schaute ich mir Monsterfilme an. Für mich waren die Monster immer die emotionalsten Kreaturen. Daher identifiziere ich mich mit diesen Dingen.“

 

Welche Bedeutung haben Christopher Lee und Vincent Price für Sie?

Tim Burton: „Ich wuchs mit Leuten wie Vincent Price und Christopher Lee auf. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich sie alle treffen und mich mit ihnen anfreunden konnte. Wenn du den Film liebst und mit diesen Leuten sprichst, dann ist das wie ein Traum. Sie inspirieren dich.“

 

Arbeiten Sie lieber mit Schauspielern oder Puppen?

Tim Burton: „Ich liebe beides. Am Stop-Motion-Set sieht man die Puppen-Animateure, wie sie Bild für Bild Bewegung schaffen. Das ist wie Energie. Es ist wie Pinocchio oder Frankenstein. Es ist, als würde etwas zum Leben erweckt. Darin liegt etwas wirklich wirklich energetisierendes und schönes. Aber ich liebe die meisten Schauspieler. Ein paar.“

 

Empfinden Sie Erfolgsdruck?

Tim Burton: „Ich mache Filme, und manche sind erfolgreich und andere nicht. Was man in einer bestimmten Lebensphase macht, ist Teil dessen, was man ist und das im Guten wie im Schlechten. Das ist einfach was du bist.“ 

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Wer Burtons unbekannte Filmwelten entdecken möchte, kann online seinen Studienabschluss-Film STALK OF THE CELERY MONSTER (1977-1979) und die mit Freunden gedrehten Spielfilme DOCTOR OF DOOM (1980) und LUAU (1982) finden. In Brühl gibt es zudem die Musikvideos BONES (2006) und HERE WITH ME (2012) von „The Killers“ zu sehen.

 

DOCTOR OF DOOM, Spielfilm, 1980:

https://www.youtube.com/watch?v=dEPB4wflmZo

 

BONES, Musikvideo, 2006:

https://www.youtube.com/watch?v=FufL80hJsP8

 

 

 

Ausstellung „The World of Tim Burton“

Max Ernst Museum Brühl des LVR

16.08.2015 – 03.01.2016

Eintritt: 9,50 Euro für Erwachsene (5,50 Euro ermäßigt)

Ausstellungskatalog: 24,80 Euro

www.maxernstmuseum.lvr.de

 

 

(Nicole Traut)

 

 

(c) der abgebildeten Fotos:

Fotos mit Tim Burton: Max Ernst Museum Brühl des LVR / Julia Reschucha, LVR-ZMB

Fotos der Ausstellungsobjekte: Nicole Traut