29/09/2014

THE EQUALIZER-INTERVIEW MIT DENZEL WASHINGTON UND ANTOINE FUQUA

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HÖR MAL, WER DA HÄMMERT!

IM INTERVIEW MIT ANTOINE FUQUA

 

Nachdem er einige Musikvideos für Toni Braxton, Usher und andere akustische Fremdschämattacken inszenierte, machte Regisseur Fuqua seinen ersten Spielfilm, den durchaus brauchbaren THE REPLACEMENT KILLERS – DIE ERSATZKILLER. Spätestens mit dem packenden und zu Recht hochgelobten Thriller TRAINING DAY ist jedoch klar, dass mit Antoine Fuqua zu rechnen ist, wenn es um solides Actionkino geht. Wir trafen den Regisseur, um mit ihm über seinen neuen Film THE EQUALIZER zu sprechen.

 

 

Antoine Fuqua:

Wie geht’s?

 

DEADLINE:

Ich bin etwas verstört, nachdem ich THE EQUALIZER gerade zum Frühstück gesehen habe …

 

Antoine Fuqua:

 Oh, wie nett. (lacht) Das ist nicht fair …

 

DEADLINE:

Mit TRAINING DAY hattest du Denzel Washington ja viel Gutes getan, er bekam seinen zweiten Oscar und wurde gleichzeitig auch als Actionstar akzeptiert. Was hat dich dazu gebracht, aus der Fernsehserie DER EQUALIZER einen Film zu machen?

 

Antoine Fuqua:

Der Produzent Todd Black hat die Sache ins Rollen gebracht, aber eigentlich hat Denzel mich angerufen und gesagt, dass er Robert McCall (die Hauptfigur in des Films, Anm.) spielen würde. Ich kannte die Serie vom Namen, hatte sie aber nie gesehen, ich hab mehr so Zeug wie MIAMI VICE geschaut, THE EQUALIZER haben sich eher meine Mutter und meine Oma angesehen. (lacht) Aber als ich hörte, dass Denzel die Rolle spielt, wurde es für mich interessant. Als ich zugesagt hatte, war das also hauptsächlich seinetwegen.

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DEADLINE:

Ich hatte die Serie auch nicht mehr in Erinnerung, aber es gefiel mir sofort, dass Denzel die Rolle sehr ruhig und geduldig angelegt hatte, fast ein makelloser Mann, außer wenn er tötet, natürlich. Was steckt im Kern dieser Figur?

 

Antoine Fuqua:

Der Kern der Figur? Interessant … Nun, eigentlich hatte er viele Makel, aber er verdeckt sie mit seiner Ruhe. Er ist eine eher introvertierte Figur, während Alonso, Denzels Figur in TRAINING DAY, definitiv extrovertiert war, er redete viel, war sehr lebhaft. Robert McCall sucht mehr seinen Frieden, er ist an einem Punkt in seinem Leben, wo er so viel gesehen hat, dass er innere Ruhe sucht, seinen Platz im Leben. Er lebt in einer Halbwelt, wo er nachts nicht schlafen kann, weil ihn sein wahres Ich nicht ruhen lässt. Er ist ein Mann, der sich im Chaos wohlfühlt, während die meisten von uns sich im Frieden wohlfühlen. Frieden ist für ihn sehr schwierig, also braucht er Ordnung, seine Zwangsstörung beginnt zu tragen, und alles muss perfekt sein, er lebt fast wie ein Mönch. Er lebt tagsüber ein engagiertes Leben, aber wie wir alle hat auch er eine geschäftliche und eine private Seite. An dieser sieht man, wie er wirklich ist: Er lebt alleine, er ist ausgeschlossen, er isst alleine und macht alles mit Blick auf die Zeit. Die Idee dahinter war, dass er ein Mensch ist, der Ordnung braucht, weil etwas anderes in ihm steckt, vor dem er Angst hat.

 

DEADLINE:

Wie habt ihr die großartigen Kampfszenen gedreht?

 

Antoine Fuqua:

Für mich lag die Herausforderung darin, Kampfszenen zu drehen, ohne dabei die Erzählung zu vernachlässigen. Actionszenen kann man auf viele Arten drehen und schneiden, um sie spannend zu machen. Aber mit einem tollen Darsteller wie Denzel wollte ich nicht sein „Spiel“ durch die Action verlieren. Manchmal haben wir das so gemacht, dass die Kamera wie eine weitere Figur der Szene ist, sodass man wirklich nahe dran ist. Man wackelt dann auch nicht mit der Kamera rum, sondern nutzt einen eher klassischen Stil des Filmemachens, wie bei einem Western: Da siehst du einen Typen, das Gesicht, den Revolver oder wie hier einen Korkenzieher. (lacht) Man lässt sich also Zeit, ihm ohne Eile zuzusehen. Auch das sagt etwas über seinen Charakter aus. Um deine Frage zu beantworten: Die Actionszenen waren für mich sehr schwer zu drehen, weil ich sie informativ machen wollte und nicht nur actionreich. Und so bewegt sich die Figur von ruhig und penibel hin zu nur brutal und kalt.

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DEADLINE:

Ich würde Robert McGill jetzt nicht als brutal bezeichnen, eher als effektiv.

 

Antoine Fuqua:

Er benutzt den geringsten Energieaufwand, so, als ob seine Gegner nicht mehr Mühe wert sind. Menschen, die in „seiner“ Branche arbeiten, sind mal mehr, mal weniger brutal, aber ihr Ziel ist es, die menschliche Anatomie zu lernen. Sie wissen, wie zerbrechlich wir sind, sie kennen die Nerven. Sie schütteln dir die Hand, drücken auf einen bestimmten Nerv, und du gehst in die Knie. Solche Individuen sind sehr effizient, wenn man so will.

 

DEADLINE:

Apropos knien: Du meintest, Robert McGill hätte etwas Mönchartiges. Ist das auch Grund, warum er keine Feuerwaffen benutzt?

 

Antoine Fuqua:

Nein, tut er nicht, das war eine bewusste Entscheidung von mir, Denzel und den Produzenten. Feuerwaffen sind „einfach“, du drückst ab, fertig. Noch dazu gibt es eine große Kontroverse über den Schusswaffenbesitz, und außerdem langweilen sie mich. Da steckt kein Spaß dahinter. Robert McGill versucht auch, mit einem Batzen Geld bei seinen Gegnern sein Ziel zu erreichen, er geht also nicht hin mit dem Ziel zu töten, nicht wie bei Selbstjustiz. Er bietet Geld und möchte ein Geschäft machen, und erst dann entsteht die Gewalt. Die Idee dahinter war: Was ist, wenn unser Held Feuerwaffen nicht mag? Er hat so viel Erfahrung mit diesen Dingern, dass er lieber darauf verzichtet. Und er ist mehr als talentiert darin, mit seinen bloßen Händen zu töten oder etwa auch mit einem Buch. Auch für uns als Filmemacher war das eine Herausforderung: Was gibt es da noch für „interessante“ Methoden?

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DEADLINE:

War es lustig, die Kampfszenen mit solchen selbst auferlegten Einschränkungen zu drehen?

 

Antoine Fuqua:

Klar, es macht immer auch Spaß. Ich bin mit Western und Horrorfilmen aufgewachsen, man fühlt sich beim Drehen solcher Szenen wie ein Kind im Sandkasten, das mit Spielzeugsoldaten spielt. Das Vergnügen daran war nicht das blutige Töten selbst, sondern dass es informativ bleibt und etwas über McCall aussagt. Was sagt es über eine Person aus, wenn sie das Kinn ihres Gegners hochhält und ihm in die Augen blickt, während dieser stirbt? Was für ein Mensch tut so etwas? Ich kenne niemanden, für den das normal wäre. McCall schläft dadurch sogar besser. Also sagt das viel über seine Figur aus. Das Konzept dahinter war: Wäre es eine reine Dialog- und keine Actionszene, was sagte sie aus über diesen Mann? Das zu machen war der Spaß dahinter. Und es ist natürlich auch immer lustig für mich, Denzel zuzusehen, wie er sauer wird (lacht), das mach ich einfach gerne.

 

DEADLINE:

Wie kam es zu der Idee, dass der Held in einem Baumarkt arbeitet, THE EQUALIZER sieht ein bisschen aus wie HÖR MAL, WER DA HÄMMERT ab 18?

 

Antoine Fuqua:

(lacht) In so einem Laden gibt es eine Menge „Waffen“, es stand zwar im Drehbuch, aber nicht detailliert. Ich bin mit einigen Typen von einer Spezialeinheit durch den Laden gegangen und hab gefragt: „Was würdet ihr tun?“ Und der Laden war wie ein Bonbongeschäft für sie. Denn auch wenn man nicht dran denkt, fast alles dort hat scharfe Klingen oder Kanten. Heckenschneider, Bohrer, alles Waffen, man kann Bomben basteln mit dem Zeug dort. Es ist unglaublich, was man damit machen kann, und es ist alles in deinem nächsten Baumarkt. (lacht) Ich hab die Spezialeinheit also gefragt, was sie tun würden, wie sie improvisieren. Sie sagten: „Du kannst ein Hundehalsband benutzen, um deinen Gegner von oben zu fassen und zu erhängen.“ Und ich dachte mir nur: Wer denkt schon an so was? (lacht) Aber sie tun’s. Es war erstaunlich zu sehen, wie sie denken, weil es etwas ist, was diese Männer und Frauen jeden Tag tun. Es ist wirklich interessant, man kann mit einem Geschirrspülmittel eine Bombe basteln, natürlich braucht man dann noch weitere Sachen …

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DEADLINE:

Wenn man im Chemieunterricht bloß aufgepasst hätte …

 

Antoine Fuqua:

Aber so etwas machen diese Leute. Wenn man darüber nachdenkt, ist es schon beängstigend. Und Robert McCall ist ein Mann, der sein ganzes Leben so gelebt hat.

 

DEADLINE:

Ich dachte auch, als er den Honig gekocht hat, das wird sicher wieder eine Bombe, aber er benutzt ihn nur, um Wunden zu versorgen.

 

Antoine Fuqua:

Wer wusste das schon, aber es ist ein spezieller Honig, ein sehr bitterer, kein süßer. Siehst du, er ist also sehr speziell.

 

DEADLINE:

Der Ort, wo die „bösen“ Russen sich aufhalten, hat mich an die Ausstattung von TÖDLICHE VERSPRECHEN erinnert, mit diesem Faible für alles Goldene.

 

Antoine Fuqua:

Wir haben den Raum extra gebaut, das Konzept dahinter war, dass er wie eine Kirche aussehen sollte. Du erinnerst dich da vielleicht an dieses religiöse Bild der Jungfrau Maria? Das lag daran, dass es für mich wie eine Kirche ist. Ein Ort, den sie erobert haben, der fast ein gotisches Flair hat. Die wirkliche Inspiration für diese Szene war der Maler Caravaggio mit seiner Art, Farben einzusetzen.

 

DEADLINE:

Danke für das Gespräch!

 

Antoine Fuqua:

Gerne! Und sorry wegen des harten Frühstücks. (lacht)

 

 

Interview geführt von Patrick Winkler

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WEITER

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ICH BIN SO WAS VON ANALOG

IM INTERVIEW MIT DENZEL WASHINGTON

 

Einen Schauspieler wie Denzel Washington braucht man eigentlich nicht vorzustellen. Es gibt vermutlich nichts, was der vielfach preisgekrönte Schauspieler nicht schon gespielt hat. Umso erfreulicher für unsereins, dass er mit THE EQUALIZER einen erstaunlich brutalen Actionfilm gemacht hat. Und auch, dass sich der Star beim Plausch im Berliner Luxustempel Adlon über ebendiesen Genrefilm und über das Internet und weitere moderne Techniken als erstaunlich bodenständiger und humorvoller Zeitgenosse erwies.

 

Denzel Washington:

(sieht, dass mein Aufnahmegerät und das Mikro etwas weit weg sind) Wollen wir das nicht etwas näher tun?

 

DEADLINE:

Bringst du’s jetzt in eine neue Anordnung?

 

Denzel Washington:

Wie in der EQUALIZER? (lacht)

 

DEADLINE:

Mal im Ernst: Hast du seine Macken übernommen und heute schon überall das Besteck geordnet?

 

Denzel Washington:

Kein einziges Mal, das war nur die Rolle. Als ich das Drehbuch las, mochte ich es sofort, aber ich merkte, ich muss tiefer graben, um mich in den Charakter einzuarbeiten. Es gab nämlich im Drehbuch ziemlich wenige Hinweise, bis auf den, dass er dauernd auf die Uhr sieht, und ich fragte mich, warum er das tut. Also hab ich über zwanghafte Handlungen gelesen, was zu vielem geführt hat, was du nun im Film sehen kannst. Warum arbeitet er in einem Baumarkt, warum geht er jede Nacht in dieses Restaurant, warum sieht er dauernd auf die Uhr? Also hab ich darüber nachgelesen, und es geht nicht immer nur darum, sich zwanghaft die Hände zu waschen oder so. Immer, wenn man etwas gezwungen macht, kann eine Zwangsstörung dahinter stecken. Ob es nun ein Sich-übers-Gesicht-Wischen ist oder Zählen oder ob es bestimmte Schrittfolgen beim Gehen sind. Ich entschied mich dazu, dass es das Trauma oder der Schmerz ist, den er erlebt hat, von dem wir nie erfahren, was genau vorgefallen ist. Was mir im Übrigen sehr gefällt. Es ist besser, wenn es eine dramatische Exposition gibt à la „Als er neun war, da …“ (lacht) Er hilft Menschen, und wie sagt er so schön: „Du musst du selbst sein in dieser Welt.“ Dabei sollte er sich selbst mal im Spiegel ansehen, wenn er das sagt, denn er sollte eigentlich sein, wer er ist. Er unterdrückt, was er wirklich ist und was er getan hat. Ich habe mir dazu viel für die Figur überlegt, er ist nicht nur der Schlägertyp, er ist auch jemand, der Probleme hat, wie wir alle. Wir haben alle unser „öffentliches“ Gesicht, und wir haben den Menschen, den wir zu Hause im Spiegel sehen. Und manchmal, und da bin ich nicht anders, mögen wir ihn, und manchmal oder meistens nicht so sehr. (lacht)

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DEADLINE:

Nun, ich hab zumindest mehr Möbel daheim …

 

Denzel Washington:

Vermutlich, aber möglicherweise bist du konsumsüchtig, und es sieht so auch aus bei dir. (lacht)

 

DEADLINE:

Wie hast du dich auf die aufwendigen Kampfszenen vorbereitet?

 

Denzel Washington:

Wir hatten einen tollen Stunt-Koordinator, der ein Navy SEAL war, und sein Kollege und er waren nicht nur Kampfsportler, sondern auch Nahkämpfer. Wir haben bestimmt fünf bis sechs Monate vor dem Dreh langsam mit einfachen Übungen begonnen. Ich boxe seit 20 Jahren, aber ich musste es „entlernen“. Beim Boxen wehrst du einen kommenden Schlag defensiv ab, er hat mir aber beigebracht, offensiv zu kontern. Wir haben das mehrmals die Woche geübt, bis es selbstverständlich wurde. Und haben das auch in den Drehpausen vor den Szenen fortgeführt, damit ich das wie im Schlaf konnte, fast wie ein Tanz. Und ich hab ja das Drehbuch gelesen, also wusste ich, welchen Kampf ich gewinnen würde. (lacht) Abgesehen davon war es: üben, üben, üben.

 

DEADLINE:

Dann vermute ich, dass jemand wie du, der seit 20 Jahren boxt, nicht Priester werden wollte, wie es Gerüchten zufolge hieß?

 

Denzel Washington:

Das ist tatsächlich Blödsinn aus dem Internet, ich hab nie gesagt, dass ich Priester werden möchte.

 

DEADLINE:

THE EQUALIZER ist sehr brutal im Vergleich zu deinen anderen Filmen. Hat dich das gestört?

 

Denzel Washington:

Das ist interessant, weil es in vielen der „gewalttätigen“ Szenen eigentlich gar keine Gewalt gibt, aber da ist der Film handwerklich sehr geschickt gemacht. Es gibt da eine Szene, bei der meine Frau, die den Film auch schon gesehen hat, sofort die Augen geschlossen hat, aber eigentlich sieht man darin nichts Brutales. Man hört es, und wenn die Kamera nach unten schwenkt, sieht man das Resultat. Oder wenn ich einmal den Hammer im Baumarkt zurück ins Regal hänge, da sieht man eigentlich nichts, aber deine Vorstellung sagt dir: Oh mein Gott, was hat er damit bloß getan? (lacht) So funktioniert Suspense, so ist Hitchcock, das ist es, wenn du glaubst, Gewalt gesehen zu haben, obwohl du in Wahrheit nichts gesehen hast, was brutal ist.

 

DEADLINE:

Ich fand gerade diese Momente spannend …

 

Denzel Washington:

… das glaube ich dir gerne.

 

DEADLINE:

Zumal ich den Film zum Frühstück um 8:30 Uhr gesehen habe …

 

Denzel Washington:

Oh, oh, das ist nicht gut …

 

DEADLINE:

Der Moment, wo Robert McGill zum ersten Mal zuschlägt, da …

 

Denzel Washington: 

… sieht man es kommen!

 

DEADLINE:

Warum ist genau das so großartig, dass man ahnt: Jetzt geht’s gleich zur Sache?

 

Denzel Washington: 

Ich denke, genau das ist exzellentes Filmemachen. Antoine (Fuqua, der Regisseur von THE EQUALIZER, Anm.) hat das fantastisch hinbekommen, ich hab ihm da vertraut. Als wir etwa die erste Actionszene drehten, filmte er nur meine Augen und sagte mir, ich soll da und dort hinschauen. Ich wusste nicht, was er da drehte, wenn er dann als Nächstes meinen Blickwinkel auf die Szene drehte, denn ich war nicht da. Wenn er auf den Gegner zoomt oder auf ein Messer, ich war da nicht dabei. Und obwohl es im Drehbuch beschrieben wurde, hatte ich keine Ahnung, wie es im Film aussieht, aber als ich ihn sah, dachte ich nur: Wow, das ist cool! Eine andere tolle Szene, in der ich nicht mal drin bin, ist die, wo Teddy (Marton Csokas, Anm.) ein Mädchen in ihrem Haus besucht und man sofort weiß: Jetzt gibt’s Ärger!

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DEADLINE:

In einer Szene gehst du ziemlich entspannt von ein paar explodierenden Gascontainern weg, vielleicht etwas zu entspannt. Wo war da die Grenze zwischen echten und digitalen Effekten?

 

Denzel Washington: 

Die waren einfach sehr weit weg! Aber es war eine Kombination aus beiden Effekten.

 

DEADLINE:

Aber wäre es nicht cool zu wissen, dass das wirklich du bist, der da in Zeitlupe von den Explosionen weggeht?

 

Denzel Washington:

Es ist cool, sicher zu sein, es ist uncool, blöd zu sein in so einem Zusammenhang. Wenn ich an der Dachkante eines 80-stöckigen Gebäudes hänge, dann ist das wohl mal besser vor einem Greenscreen. Früher, in der guten alten Zeit, ist man wirklich an der Dachkante eines 80-stöckigen Hauses gehangen.

 

DEADLINE:

Antoine Fuqua hat mir im Interview erzählt, dass du ihn darauf angesprochen hast, THE EQUALIZER zu machen. Ein Schauspieler, der einen Regisseur fragt, ob er einen Film machen möchte, ist eher ungewöhnlich, oder?

 

Denzel Washington:

Manchmal sucht der Regisseur den Schauspieler aus und manchmal der Schauspieler den Regisseur, es gibt dafür keine Regel, wie das geht. Nächstes Jahr machen Antoine und ich einen Western. Da hat er mich angerufen, als er das Drehbuch hatte. In meiner Position kommt’s drauf an, wer das Drehbuch zuerst hat. Manchmal entwickelt es der Regisseur für den Schauspieler, und bei THE EQUALIZER hatte der Produzent das Drehbuch und sagte: „Ich würde das für dich produzieren“, und ich meinte nur „O.k.“ (lacht) Manchmal fängt es auch beim Produzenten an, der sagt, er möchte zuerst den Regisseur anstellen und sehen, wen der gerne besetzen würde; manchmal kommen sie zuerst zum Schauspieler und sehen, wen er oder sie im Regiestuhl haben möchte.

 

DEADLINE:

Der Western, den du angesprochen hast, ist vermutlich das Remake von DIE GLORREICHEN SIEBEN. Kannst du uns davon schon mehr erzählen?

 

Denzel Washington:

(nachdem er Aufnahmegerät und Mikro noch mal neu angeordnet hat) Ups, jetzt geht das schon wieder los. (lacht) Einer der Filme, die Antoine dazu gebracht haben, Regisseur zu werden, war DIE SIEBEN SAMURAI, auf dem DIE GLORREICHEN SIEBEN basiert, wobei ich das Wort Remake auch vorsichtig verwenden möchte, THE EQUALIZER ist auch kein Remake der Fernsehserie im eigentlichen Sinne. Ich habe DIE SIEBEN SAMURAI noch nicht gesehen und werde es zur Vorbereitung auch nicht tun, genauso, wie ich die Serie THE EQUALIZER nicht zur Vorbereitung auf diesen Film gesehen habe, weil ich gerne meine eigene Idee davon haben möchte.

 

DEADLINE:

Du meintest, dass der Regisseur manchmal den Schauspieler aussucht. Was wäre, wenn Sylvester Stallone dich anrufen würde und dich fragte, ob du im nächsten EXPANDABLES-Film dabei sein möchtest?

 

Denzel Washington:

„If it’s not on the page it’s not on the stage“ (sinngemäß: „Wenn es nicht auf dem Papier ist, kommt es nicht auch die Bühne“, Anm.), für mich ist am allerwichtigsten das Drehbuch, nicht wer anruft und fragt, als Erstes kommt immer das Drehbuch, immer! Mir wurden gerade zehn verschiedene Filme im Stil von THE EQUALIZER angeboten, und ich hab sie alle abgelehnt. Daran bin ich nicht interessiert. Es gibt für mich nichts Interessanteres als das Ausgangsmaterial, egal wer sagt, ich sollte dies oder das spielen: Schickt mir zuerst das Buch. Wenn ich es glaubhaft finde, bin ich dabei, wenn nicht, dann nicht.

 

DEADLINE:

Hat der Twitter-Hashtag „Denzel als JAMES BOND“ schon funktioniert und du wurdest angerufen, um die Rolle zu übernehmen?

 

Denzel Washington: 

Und erneut: das Internet! (lacht) Ich hab einer Journalistin übers Telefon ein Interview gegeben, und sie schrieb natürlich mit, was ich sagte. Eine der Fragen war: „Wärst du daran interessiert, James Bond zu spielen?“ Und ich antwortete humorvoll: „Ja, sicher, lasst uns eine Kampagne machen.“ Und sie schrieb das genau so nieder. „Ja, sicher! Lasst uns eine Kampagne machen!“ Man konnte die Art, wie ich es sagte, nicht lesen, es war in der Übersetzung verloren gegangen. Ich habe nie daran gedacht, James Bond zu werden, jemand hat mich gefragt, ob ich es sein möchte.

 

DEADLINE:

Vielleicht könntest du James Bond als Priester spielen?

 

Denzel Washington: 

Mit Zwangsneurosen! (lacht)

 

DEADLINE:

Was ist mit dem Gerücht, dass du Interesse hättest, in einer Verfilmung des BLACK PANTHER-Comics die Hauptrolle zu spielen?

 

Denzel Washington:

Das war auch nur eine weitere Frage dieses Interviews, ich meinte: „Sicher, warum nicht“, ich bin für neue Ideen offen, aber wie schon gesagt: Zuerst kommt das Drehbuch.

 

DEADLINE:

Was war das eigentlich für ein Interview, bei dem man dich alles fragen konnte? Wusstest du darüber Bescheid?

 

Denzel Washington: 

Nein! (lacht)

 

DEADLINE:

Also wie kam es dazu? Du wurdest also angerufen und …

 

Denzel Washington:

Ich wurde angerufen. Die Interviewerin stellte mir Fragen, die andere … Wie sagt man? Ich bin so was von analog …

 

DEADLINE:

Die andere getippt hatten?

 

Denzel Washington:

Genau … und dann … (denkt nach)

 

DEADLINE:

… gesendet haben?

 

Denzel Washington:

Richtig, gesendet, oder eher geschossen oder getwittert hatten …

 

DEADLINE:

Oder gewhatsappt?

 

Denzel Washington: 

Ge-was?

 

DEADLINE:

Whatsapp ist so eine SMS-App.

 

Denzel Washington: 

Ich bin so analog, es ist verrückt. Jedenfalls haben sie das getan, und der Subtext ging in der Übersetzung verloren. Ich meinte so: „Klar, warum nicht“, und daraus wird dann „Denzel bettelt darum, Denzel möchte unbedingt, Denzel träumt davon“. Ich hatte davor nicht mal drüber nachgedacht.

 

DEADLINE:

Es verbreitet sich wie ein Virus! Vielleicht würdest du ja lieber den Gegenspieler von James Bond mal spielen?

 

Denzel Washington: 

Fang du jetzt nicht auch noch so was an! „Denzel will unbedingt den Schurken bei Bond spielen.“ (lacht)

 

DEADLINE:

Man kann Sachen im Netz aber auch richtigstellen.

 

Denzel Washington:

Wirklich? Ich glaube, dafür ist es nun zu spät.

 

DEADLINE:

Mal im Ernst: Du kannst dir vermutlich aussuchen, was du als Nächstes drehst. Wie gehst du da vor?

 

Denzel Washington: 

Wichtig ist, dass es etwas anderes ist als das, was ich zuletzt gemacht habe, und es ist jedes Mal eine andere Entscheidung. Zum Beispiel: Martin Scorsese ruft mich morgen an … (überlegt kurz) Oh, nun kommen die Gerüchte wieder: „Denzel bettelt darum, mit Martin Scorsese zu drehen.“ (lacht) Im Ernst: Ich würde darum betteln, mit Martin Scorsese zu drehen. (lacht erneut) Wie dem auch sei, es geht für mich mit dem Regisseur los, zum Beispiel bei FLIGHT. Ich hatte das Drehbuch vor Robert Zemeckis, soweit ich weiß. Als mich mein Agent anrief und meinte, dass Bob Zemeckis daran Interesse hat, war das wiederum interessant für mich. Wie ich sagte, es ist jedes Mal anders, man weiß es nie.

 

DEADLINE:

Du hattest das Drehbuch zu FLIGHT vor ihm?

 

Denzel Washington: 

Vielleicht hatte er es auch zur selben Zeit, aber ich hatte mich bereits dafür eingesetzt, es gab mehrere Regisseure, die infrage kamen, aber als er sein Interesse bekundete, wusste ich: Das wird ein Film!

 

DEADLINE:

Wusstest du, dass es in einem Song eine Zeile darüber gibt, dass du im Hotel Adlon in Berlin interviewt wirst? (wo dieses Interview wirklich stattfand, Anm.)

 

Denzel Washington:

Nein, das wusste ich nicht! Wie heißt er?

 

DEADLINE:

„Brandenburg“.

 

Denzel Washington: 

Gibt es den auf YouTube? Muss ich mir mal anhören. (lacht)

 

 

Interview geführt von Patrick Winkler