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23/10/2019

TERMINATOR: DARK FATE

Regie: Tim Miller / USA 2019 / 129 Min.

Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Natalie Reyes, Mackenzie Davis, Gabriel Luna

Produktion: James Cameron, Dana Goldberg, Tim Miller

Freigabe: FSK 16

Verleih: 20th Century Fox

Start: 24.10.2019

 

Seit TERMINATOR 2: TAG DER ABRECHNUNG hat das TERMINATOR-Franchise wahrlich ein dunkles Schicksal erfahren. Nichts hat geholfen, weder ein weiblicher Terminator (Kristanna Lokken), Christian Bale als John Connor noch Arnies Rückkehr in GENESYS konnten Fans einhellig zufrieden stimmen und der Reihe Leben einhauchen. Der letzte Ausweg: zurück zu den Wurzeln, alles nach Teil 2 ignorieren und daran anknüpfen. Nun liegen die Rechte wieder bei James Cameron, und dieser setzt Tim Miller (DEADPOOL) auf den Regiestuhl und somit ins Cockpit seines Millionen-Vehikels. Linda Hamilton (DIE Sarah Connor) und Arnold Schwarzenegger sind ebenfalls zurück und sorgen für authentisches TERMINATOR-Feeling. Gleichzeitig muss aber auch die Cyborg-Fackel weitergereicht werden, und dafür wird die Geschichte der jungen Dani Ramos (Natalia Reyes) erzählt. Plötzlich befindet sie sich in einem Kampf um Leben und Tod, denn ein neuer Terminator aus der Zukunft, das Modell Rev-9 (Gabriel Luna), soll sie auslöschen, um den menschlichen Widerstand zu verhindern. Unterstützung erhält Dani von Sarah Connor sowie der kybernetisch weiterentwickelten Grace (Mackenzie Davis). Und diese Hilfe ist auch bitter nötig, da das Modell Rev-9 so gut wie unzerstörbar ist.

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DARK FATE besinnt sich auf alte Stärken, ohne die Vorgänger eins zu eins zu kopieren, und geht gleichzeitig neue Wege. Das ist ein schmaler Grat, der darauf abzielt, alte Fans abzuholen und neue zu gewinnen. Das gelingt überraschend homogen, und der Film tut nicht so weh, wie es durch die vorherigen Teile zu befürchten sein konnte. Die Geschichte wieder auf eine simple Prämisse zu reduzieren entpuppt sich als die richtige Wahl. Es werden zudem interessante Fragen aufgeworfen, wie etwa „Kann ein Terminator ein Gedächtnis entwickeln?“ oder „Wie sicher ist es, ein Smartphone in einer Chipstüte aufzubewahren?“. Durch die Wahl hauptsächlich weiblicher Figuren hätte man einen FEMALE TERMINATOR: TAG DER EMANZIPATION erwarten können. Die Frauen-Power ist glücklicherweise präsent, bleibt aber bis auf ein, zwei Kleinigkeiten erfreulich unplärrig.

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Linda Hamilton ist unfassbar badass und trägt den Film in weiten Teilen auf ihren Schultern. Zugegeben: An manchen Stellen hätten es ein paar kernige und gewollt coole Sprüche weniger sein können, dafür setzt DARK FATE besonders gegen Ende auf Ernsthaftigkeit und knallende Action.

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In wenigen Szenen gibt sich der Streifen etwas zu selbstreferenziell, und der Metahumor wirkt etwas aufgesetzt. Es ist offensichtlich dem Trend geschuldet, in jedem Film Sarkasmus unterzubringen. In diesem nun offiziellen dritten Teil des TERMINATOR-Franchises haben sich die Macher das für ein paar Szenen aufgehoben und kehren dann zügig zum Ernst der Sache zurück. Daher wirken diese Szenen allerdings wie ein Fremdkörper, der etwas plump den Zweck verfolgt, unbedingt Selbstironie unterbringen zu müssen. Letztlich bleibt es eine Geschmacksfrage, ob man das in einem TERMINATOR-Film möchte. Es zerstört den Filmgenuss jedoch nicht. TERMINATOR: DARK FATE fühlt sich die meiste Zeit wie ein TERMINATOR-Film an, die CGI-Effekte schwanken zwischen beeindruckend und unterwältigend.

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Für die Reise der Protagonisten von A nach B nach C und weiter nimmt sich das Drehbuch zu viel Zeit, die Teile der Exposition hätten sich auf andere Sequenzen verstreut besser gemacht. Da hat man Potenzial verschenkt, zumal in den Momenten kaum Charakterentwicklung untergebracht ist. Die übergeordneten Themen sind erneut dem Zeitgeist angepasst und befassen sich demnach wieder mit dem unaufhaltsamen Fortschritt der Technik, dem man nicht entkommen kann. Und wie viel Macht darf/kann/sollte man eigentlich künstlichen Intelligenzen zukommen lassen? Kontrollieren die Maschinen uns bald, oder sind wir bereits jetzt die gläsernen Menschen, die sich durch ein Labyrinth aus Einsen und Nullen wurschteln? Aber keine Angst, zu verkopft oder gar philosophisch geht es im neuesten – und wahrscheinlich nicht letzten – Teil der TERMINATOR-Reihe nicht zu. Diese Themen werden maximal oberflächlich benannt und angeschnitten, und es dominieren spektakuläre Kämpfe, explosive Action und ein R-Rating, das man sich aber hauptsächlich durch die Sprache (im Originalton „shit“, „fuck“ etc.) verdient hat.

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Nach allem, was zu befürchten war, liegt nun endlich wieder ein solider Vertreter des Franchises vor, der sich zwar weiterhin hinter den ersten beiden Teilen anstellen muss, aber wieder mehr ist als nur ein Guilty Pleasure. TERMINATOR: DARK FATE ist ein Kompromiss, der es über weite Strecken schafft, alte mit neuen Sehgewohnheiten zu verbinden. Auch wenn das an gewissen Stellen ein wenig holprig und unausgereift wirkt, kommt wieder TERMINATOR-Feeling auf. Mehr kann und sollte man wohl auch nicht erwarten. (Manuel Magno)

Der beste TERMINATOR-Film seit T2: TAG DER ABRECHNUNG