Germany_EmpireState_Teaser_1_Sht
09/10/2014

TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES

Regie: Jonathan Liebesman / USA 2014 / 101 Min.
Darsteller: Megan Fox, Will Arnett, Tohoru Masamune, Whoopi Goldberg, Wiliam Fichtner
Produktion: Michael Bay, Andrew Form, Brad Fuller, Ian Bryce, Scott Mednick, Galen Walker
Freigabe: FSK 12
Verleih: Paramount Pictures
Start: 16.10.2014

 

 

Vor satten 30 Jahren erblickten die TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES um Leonardo, Donatello, Michelangelo und Raphael erstmals das Licht der Welt. Zunächst waren die Zeichnungen von Kevin Eastman und Peter Laird lediglich als einmalige Parodie auf damals besonders beliebte Comicserien wie DAREDEVIL und X-MEN geplant. Doch weil ihre düsteren Kurzgeschichten mit dem schrägen Humor überraschend gut aufgenommen wurden, entwickelte sich aus einem einzelnen TURTLES-Comic ein ganzes Universum, welches bis heute Bestand hat und neben diversen Comicreihen und Fernsehserien nun den mittlerweile fünften Kinofilm (4 Realfilme und ein Animationsfilm aus dem Jahr 2007) hervorbringt. Doch bis die TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES am 3. August 2014 in Los Angeles ihre Weltpremiere feiern konnten, war es ein schwerer Weg: Im Oktober 2009 erwarb Nickelodeon die Rechte an den berühmten Schildkröten und kündigte sogleich an, nach über 15 Jahren einen neuen Kinofilm auf die große Leinwand bringen zu wollen. Geplanter Start: 2012. Zügig wurden Michael Bay und seine Produktionsfirma als Partner gewonnen, doch plötzlich kam das Projekt ins Stocken, unter anderem, weil die Drehbücher zu mies waren und Bay sich mit der Idee unbeliebt machte, Leonardo und Co. anstatt mutierte Schildkröten lieber Außerirdische sein zu lassen. Zum Glück war der daraus resultierende Shitstorm so gewaltig, dass die Idee schnell wieder verworfen wurde und sich letztlich eine Story durchsetzte, die den TURTLES-Fans bekannt vorkommen dürfte:

048

Bereits seit einigen Wochen wird New York von einer mysteriösen Terrorbande namens Foot Clan in Angst und Schrecken versetzt. Wer hinter dieser Truppe steckt und was sie will, weiß niemand. Diesen Umstand zu ändern hat sich die ambitionierte Reporterin April O’Neil (Megan Fox) zum Ziel gesetzt. Die junge Frau hat zwar die Journalistenschule mit Auszeichnung abgeschlossen, darf seitdem für Channel 6 aber trotzdem nur harmlose Beiträge über neue Fitness-Trends drehen, weshalb sie in diesem Fall denn auch auf eigene Faust ermitteln muss. Lediglich Kameramann Vern Fenwick (Will Arnett) steht ihr ab und an zur Seite. Als die Reporterin an den Docks den Foot Clan entdeckt, wird sie zugleich Zeugin, wie die Gangster von vermummten Vigilanten in den Fluss geworfen werden. April glaubt nun endlich die ganz große Story zu haben, doch als sie diese am nächsten Tag ihrer Chefin (Whoopi Goldberg) präsentiert, wird die Reporterin nur ausgelacht und nicht eine Sekunde ernst genommen. Trotz allem lässt sich April nicht entmutigen und bleibt weiter am Ball. Schließlich spürt sie in der Kanalisation New Yorks die sprechenden mutierten und mehrere Meter großen Schildkröten Leonardo, Raphael, Michelangelo und Donatello auf, die von ihrem Ziehvater, einer Ratte namens Meister Splinter, in diversen Kampftechniken wie Martial Arts ausgebildet wurden. Schnell beschließt das ungleiche Team, gemeinsam in den Kampf gegen den Foot Clan zu ziehen und New York wieder zu einer sicheren Stadt zu machen.

019

WEITER


dd

Was lange währt, wird doch noch gut? Im Großen und Ganzen trifft dies auf den neuen TURTLES-Film zu. Dabei schien die Gefahr eigentlich ziemlich groß, dass die Neuinterpretation der Comics in einem qualitativen und boxofficetechnischen Desaster endet. Und dies nicht nur wegen diverser Produktionsverzögerungen. Denn die Nachricht, dass sich Jonathan Liebesman, der für Schrott wie die schon vergessenen ZORN DER TITANEN und WORLD INVASION: BATTLE LOS ANGELES verantwortlich zeichnet, mit Unterstützung von TRANSFORMERS-Regisseur Michael Bay an dem beliebten Comic- und Zeichentrickklassiker vergreift, sorgte im Vorfeld ebenfalls für nicht sonderlich aufgehellte Gemüter bei Fans und Kritikern. Schließlich zeichneten sich die beiden in ihren bisherigen Regiearbeiten nicht gerade als Meister einigermaßen gehaltvoller, spannender Unterhaltung, liebevoll schräger Gags, Charaktere und Charme aus. Aber irgendwie haben es Bay und Liebesman – aller Skepsis zum Trotz – dennoch geschafft, einen Film zu zaubern, der durchweg unterhält und auch TURTLES-Anhänger vergangener Zeiten erfreuen dürfte.

01

Der Schlüssel dazu lag ganz offensichtlich darin, dass das Duo es offenbar begriffen hat, dass es die Vorlage nicht bierernst nehmen darf, sondern mit einem saftigen Augenzwinkern inszenieren muss. So legen die beiden die TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES zwar ziemlich düster an, platzieren aber immer wieder gekonnt Gags, welche die spannende, aber legendär unsinnige und vor Logiklöchern zu platzen drohende Story gelungen auflockern. Zudem wurden Leonardo und seine Brüder angemessen modernisiert: Während die Schildkröten früher beispielsweise typische Surfer Dudes waren, die den damaligen Zeitgeist widerspiegelten, sind die mutierten Jungs heute vielmehr Jugendliche, die sich wie Möchtegerngangster und HipHop-Fans benehmen und alles in ihrer Umwelt aufsaugen, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Sahen die Turtles in den Trailern zudem mit ihren detailliert geformten Nasen und Ohren noch extrem ungewohnt und wohl deshalb auch eher dämlich aus, überzeugen sie im fertigen Film durch feinste Motion-Capture-Technik, welche sich vor dem neuen PLANET DER AFFEN-Streifen gewiss nicht verstecken muss. Das eigentliche technische Highlight von TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES sind jedoch die bombastischen Actionsequenzen (in FSK-12-Variante), bei denen man in nahezu jeder Einstellung erkennt, dass Michael Bay da seine Finger mit im Spiel hatte. So auch bei einer besonders ausufernden Verfolgungsjagd auf einem schneebedeckten Abhang, bei der man sich so lange in einem lupenreinen TRANSFORMERS-Werk (samt ohrenbetäubendem Sound) wähnt, bis der erste Turtle vor die Kamera springt.

035

Den einzigen weiteren, wirklich markanten Makel in TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES neben dem legendär grotesken Plot findet man leider ausgerechnet im Haupt-Bösewicht des Films: Shredder. In seiner Montur sieht er zwar ein wenig aus wie ein Transformer, allerdings ist der Verbrecher nicht mal halb so Furcht einflößend und gefährlich wie die metallenen Helden, sodass in der Comicadaption von Liebesman aufgrund der aufwendig inszenierten Action zwar durchaus für Spannung gesorgt ist, man sich um die Stadt bzw. die mutierten Schildkröten jedoch nie wirklich Sorgen macht. Glücklicherweise gibt es darüber hinaus aber genug sehenswerte Dinge, sodass die TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES jedem Anhänger von Leonardo und Co. ohne Gefahr als unterhaltsamer Popcorn-Spaß zu empfehlen sind.

(Heiko Thiele)

 

Überraschend gut