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02/04/2019

SYMPOSIUM „SPACE TRAVEL & SCIENCE FICTION“ IM FILMMUSEUM DÜSSELDORF AM 30. MÄRZ 2019

Cover

 

Das, was man nicht filmen kann, muss man erzeugen.“

(Prof. Michael Coldewey, Hochschule für Fernsehen und Film München und Geschäftsführer von Trixter)

 

Michael Coldewey
Prof. Michael Coldewey

 

Selbst wenn sie für den Außenstehenden hart klingen mag, so ist und bleibt die deutsche Sprache in ihrer Wandelbarkeit eine der wohl schönsten Sprachen. Besonders faszinierend ist nicht nur, wie sie beispielsweise englische Begriffe problemlos für sich einnimmt (downloaden – er/sie downloadet – gedownloadet), sondern auch ihre Bandbreite an Kompositionen, die wiederum an die literarischen Ursprünge unserer Kultur erinnern. In vielen Fällen werden Komposita wie der „Kindergarten“ oder das „Wunderkind“ in andere Sprache übertragen, vielleicht nicht wegen ihrer Einfachheit, sondern gerade wegen der Metaphern, die sich hinter diesen Begriffen verstecken. Doch eines der wohl schönsten Worte ist und bleibt das Wort „Weltraum“.

 

Beachtet man die einzelnen Teile des Wortes, so kann man nicht anders, als die Fülle dieses Sprachbildes zu bewundern, welches einen Raum mit nicht nur einer, sondern gar einer ganzen Reihe von Welten beschreibt. Dass dies nicht bloß ein linguistisches Spiel ist, sieht man an der Vorstellung, die mit dem Begriff einhergeht. Seit Beginn der Erforschung des Alls stellen wir uns eine Fülle dieser Welten vor, die uns fremd sind, die uns ähneln oder gar feindlich gesinnt sind. Dazu muss man noch nicht einmal in die Welt der Science-Fiction gehen, die zahlreichen Expeditionen des Raumschiffs Enterprise oder die fremden Galaxien im STAR WARS-Universum betrachten, sondern es genügt ein Blick auf die Kultur eines Landes. Nicht umsonst gilt die Erforschung des Weltraums als hohes Ziel der Wissenschaft, entfachte einen Wettbewerb zwischen zwei Nationen und brachte amerikanische Forscher und Politiker dazu, vom All als „final frontier“ zu sprechen.

 

Das Erschaffen dieser Welten, die Realität, welche ihnen zugrunde liegt, und die Technik, die deren Kreation möglich macht, standen im Zentrum des Symposiums „Space Travel & Science Fiction“ des Filmmuseums Düsseldorf Ende März 2019. Neben interessanten Gästen aus der Welt der digitalen Effekte waren auch Filmwissenschaftler geladen. Zudem konnten Professoren wie Metin Tolan, Professor für experimentelle Physik der TU Dortmund, einen Einblick geben in das Maß an Wirklichkeit, welches den Effekten im Film zugrunde liegt. Gerade die Technik der Enterprise, wie Professor Michael Coldewey bemerkte, wirkt aus heutiger Sicht gar nicht mehr so futuristisch, bedenkt man, dass sogar das berühmte Beamen in Forschungseinrichtungen wie dem CERN auf seine Machbarkeit hin erforscht wird. Daneben werden Technologien wie Videotelefonie, Mobiltelefone oder Phasing wohl kaum für großes Staunen mehr sorgen, haben diese doch bereits zu einem gewissen Teil Einzug in unseren Alltag erhalten.

 

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edoch sind dies nur Teilaspekte eines weiten Feldes des Mediums Film, welches immer wichtiger wird. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist Dan Curry, der in seinem Vortrag anekdotenreich von seiner Tätigkeit als VFX Supervisor und Producer vieler STAR TREK-Serien berichtete. Neben den visuellen Effekten, die hinter der Erschaffung eines Raumschiffes der Borg stehen, ist Currys besonderes Verdienst die Erfindung der Waffen und Kampftechniken der Klingonen, deren Ursprung er ausführlich erklärte.

 

Dan Curry
Dan Curry

 

Anna Matacz, Vertreterin der Filmakademie Baden-Württemberg, sowie Michael Coldewey, dessen Firma Tixter hinter den Effekten vieler Marvel-Produktionen steckt, stehen in diesem Zusammenhang für einen weiteren, wichtigen Punkt dieses Nachmittags, nämlich die Zukunft der Effekte. Während die Branche eifrig nach neuen Talenten in den Bereichen Animation, VFX und SFX sucht, ermöglichten beide Redner einen Blick auf die kommerziellen Aspekte des Berufs. Müssen deutsche Produktionen noch auf ihr Budget achten, können sich Konzerne wie Disney die digitale Nachbereitung ganzer Sequenzen leisten, was bisweilen in die Millionen geht. Coldewey demonstrierte dies an aktuellen Beispielen aus Produktionen wie CAPTAIN MARVEL sowie THOR: RAGNAROK und zeigte, wie digitale Effekte längst nicht mehr nur Hintergründe erschaffen, sondern in vielen Fällen gar die Akteure oder deren Stimmen. All dies ist der Preis der Perfektion bei der Erschaffung ebenjener Welten, die wir gemütlich daheim oder im Kino vor uns sehen, eine Künstlichkeit, die Redner wie Dr. Rolf Giesen in einem engagierten Vortrag kritisierten.

 

Abseits der verschiedenen Vorträge luden die Kuratoren des Museums, Bernd Desinger und Matthias Knop, zum Entdecken der erfolgreichen Sonderausstellung „Fantastische Welten – Perfekte Illusionen“ ein. Viele Exponate aus Produktionen wie ALIEN, AVATAR oder DIE KLAPPERSCHLANGE waren nicht nur einen Blick wert, sondern demonstrierten Effekte wie Rückprojektion oder Green-Screen, teils sogar unter Einbeziehung des Besuchers. Besondere Erwähnung verdient hierbei das VR-Projekt ASPERITY von Lena-Carolin Lohfink und Sebastian Ingenfeld, das den Besucher auf eine Reise zu einer Raumstation mitnahm, auf der man selbst das Shuttle bedienen durfte.

 

Abgerundet durch einen Softdrink und einen „Spaceburger“ sowie eine Vorführung des Staffelfinales von STAR TREK – NEXT GENERATION, endet ein interessanter, wundervoller Tag, der einem nicht nur Effekte und deren Wirkung nähergebracht hat. Verlässt man dann das Museum in Richtung Rheinpromenade, kommt man nicht umhin, wieder einen Blick in den Himmel zu werfen, in dieses Fenster zum „Weltraum“. Auch wenn es noch Jahrzehnte dauern dürfte, bis Flüge zum Mars nicht mehr länger Teil einer Simulation sind, so begleiten uns die Vorstellungen Dan Currys und Michael Coldeweys, die einen Teil dieser Fantasie Wirklichkeit werden lassen. (Rouven Linnarz)