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18/12/2019

STAR WARS – EPISODE 9: DER AUFSTIEG SKYWALKERS

Regie: J.J. Abrams / USA 2019 / 142 Min.

Darsteller: Daisy Ridley, Adam Driver, Oscar Isaac, John Boyega, Anthony Daniels, Billy Dee Williams

Produktion: J.J. Abrams, Kathleen Kennedy, Tommy Gormley

Verleih: Walt Disney Germany

FSK: FSK 12

Start: 18.12.2019

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Es war einmal vor langer, langer Zeit in nicht weit entfernten Kinosälen, als sich ein unglaublich mächtiges Franchise erhob, das ein tonnenschweres Vermächtnis hinterlassen sollte. Schon die Ursprungs-Trilogie (inzwischen Episode 4-6) hat die Lager gespalten – etwa zwischen Pro- und Anti-Ewok-Parteien. Seit es nun drei Trilogien gibt, polarisiert STAR WARS mehr denn je. Allgemein gilt die zweite Lucas-Trilogie (Episode 1-3) als schwach und herzlos (zu viel CGI, Midichlorianer etc.) im Vergleich zu den zuvor erschienen Teilen. EPISODE 7: DAS ERWACHEN DER MACHT sollte Fans dann wieder versöhnlich stimmen und einen „echten STAR WARS“ bieten, war einigen jedoch zu nah an EPISODE 4: EINE NEUE HOFFNUNG. Indes trieb EPISODE 8: DIE LETZTEN JEDI erneut einen Keil zwischen einzelne Parteien der KRIEG DER STERNE-Supporter: Für die einen hat der Film von Ryan Johnson das Franchise beschmutzt, verraten und sogar zu Grabe getragen. Andere loben den Mut und den Einfallsreichtum. So stehen sich einzelne Fangruppen gegenüber wie die helle und die dunkle Seite der Macht. Und so wird es nach EPISODE 9: DER AUFSTIEG SKYWALKERS ebenfalls sein. Die Lösung liegt – wahrscheinlich auch hier – wieder in der Mitte, in einem Gleichgewicht, wie Thanos aus dem Marvel Cinematic Universe es anstrebte.    

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Wir sollen/dürfen wenig bis nichts zur Handlung schreiben, hat der Verleih erbeten, und Spoiler verraten wir an dieser Stelle eh nicht. Was sollen wir schreiben, über einen Film, den sowieso so gut wie jeder Kinogänger sehen wird, und zu dessen Franchise jeder seine/ihre ganz eigene Erfahrung, Meinung und Erwartung hat? Wir versuchen uns dennoch an einer Einordnung: Da die vorangegangene Episode vieles über den Haufen geworfen hat, was J.J. Abrams in DAS ERWACHEN DER MACHT aufgebaut hat, darf der Regisseur nun – wohl in erster Linie im eigenen Interesse – etwas „aufräumen“. Einige Figuren und deren Verhalten werden zurückgefahren, andere werden rehabilitiert. Der Saga-Abschluss atmet durch jede Pore (das bekannte und ebenso beliebte) STAR WARS.

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Dabei kommen allerdings manche Erklärungen und Hintergründe (etwa zu Leia) etwas zu kurz und wirken übers Knie gebrochen. Auch macht es sich das Drehbuch ziemlich leicht und lässt Figuren immer da auftauchen, wo sie gerade sein müssen, um beispielsweise einen MacGuffin zu bekommen. Das ist nicht sonderlich einfallsreich, bietet aber den Großteil der Laufzeit Spaß und Unterhaltung. Der Humor ist auf ein wesentlich erträglicheres Level gesunken – auch wenn es noch zahlreiche Witzbolde unter den Helden gibt, die gerne die vorwiegend düstere Atmosphäre mit lockeren Sprüchen aufzubrechen.

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Insgesamt wirkt die finale SW-Trilogie durch die unterschiedliche Tonalität und Entwicklungen/Entkräftungen einiger Ereignisse erheblich ungelenk. Hätte man doch zu Beginn einen genaueren Plan verfolgt. Die finale Episode besticht aber vor allem durch seine Aussage, die eben nicht nur aus „Leben zu erhalten ist wertvoller und größer als Leben zu beenden“ besteht. Die wesentliche Botschaft ist, dass das „Schicksal“ des Einzelnen nicht durch die Vorfahren festgeschrieben ist. Jeder verfügt auch über eine Eigenverantwortung und hat somit Einfluss auf seinen Werdegang sowie sein Umfeld. Zudem ist Blutsverwandtschaft nicht unbedingt mehr wert als wahre Liebe zu anderen Personen, die einem nahestehen. Mit anderen Worten: Familie wird nicht ausschließlich durch Blutsverwandtschaft definiert.    

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Man kann und darf dem Abschluss der Skywalker-Saga vorwerfen, dass Abrams zu sehr versucht hat, Episode 8 zu revidieren und sich ganz eng am bekannten STAR WARS-Universum abzuarbeiten. Das kann man als Anbiedern an die „alte Garde“ verstehen oder eben als Teil des Universums (pun intended). Dem Autor dieser Zeilen gefällt das gut, und vor allem wesentlich besser als die Tonalität und die Ideen aus dem Vorgänger. Episode 9 bedient sich an dem Besten aus Episode 7 und 8, vernachlässigt zum Großteil die Fehler der Vorgänger. J.J. Abrams ist wieder auf Versöhnung aus, vergisst über das Aufräumen aber Neues (detailliert und nachvollziehbar) zu erzählen. Viel Bekanntes tischt uns der Regisseur auf, das aber größtenteils zu überzeugen weiß.

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Visuell eine Bombe mit Weltraum-Schlachten, die stellenweise an die Kämpfe in HERR DER RINGE erinnern. Gänsehautmomente und Aussagen, die über Gut ist besser als Böse hinausgehen, stimmen wieder positiv. Einen Kreativpreis wird der Abschluss der Skywalker-Saga nicht verliehen bekommen, aber dafür gehen wir beim neunten Teil (exklusive Spinoffs) dieses umfangreiches Universums auch nicht wirklich mehr ins Kino, oder?!  Für uns ist STAR WARS nach EPISODE 9: DER AUFSTIEG SKYWALKERS …

(Manuel Magno)

… endlich im Gleichgewicht, wie es sein sollte