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22/05/2018

SOLO – A STAR WARS STORY

Regie: Ron Howard / USA 2018 / 135 Min.

Darsteller: Alden Ehrenreich, Donald Glover, Woody Harrelson, Emilia Clarke, Joonas Suotamo, Thandie Newton, Phoebe Waller-Bridge, Paul Bettany

Produktion: Kathleen Kennedy, Allison Shearmur, Simon Emanuel

Freigabe: FSK 12

Verleih: Disney

Start: 24.5.2018

 

Der letzte „reguläre“ STAR WARS-Film EPISODE VIII – DIE LETZTEN JEDI wurde ja, gelinde gesagt, „kontrovers“ aufgenommen. Als jemand, der den Film mochte und ihn in einer homogenen Linie mit dem sehr gelungenen Vorgänger EPISODE VII – DAS ERWACHEN DER MACHT sieht, fühle ich mich fast bemüßigt, SOLO – A STAR WARS STORY verteidigen zu müssen. Zugegeben, die Übernahme von Lucasfilm durch Disney kann man kritisch sehen, Disney ist das Nestle der Unterhaltungsindustrie, die fast schon Putin-artig fremdes Terrain annektieren, wie DIE SCHÖNE UND DAS BIEST oder DAS DSCHUNGELBUCH (für die Kleinen unter euch: die beiden Geschichten stammen nämlich gar nicht von Onkel Walt).

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Aber man muss Disney zugestehen, dass sie bei ihren STAR WARS-Filmen, vieles richtigmachen. Zunächst mal lassen sie talentierte, hungrige Filmemacher (J.J. Abrams, Gareth Edwards, und ja, ich meine auch Rian Johnson) ran, die aus der Fangeneration der Filme stammen, anstatt den müden George Lucas zu bemühen und lassen auch die alten Recken nicht unbedacht, wie Drehbuchautor Lawrence Kasdan oder Spielbergs Stammproduzentin Kathleen Kennedy.

 

Jetzt kann man, wie Hannah Pilarczyk in ihrer Kritik auf Spiegel online durchaus der Meinung sein, eine Figur wie Han Solo braucht keine auserzählte Vorgeschichte, weil die vielen Unklarheiten, wie der Wickel zwischen Solo und Lando, der Fantasie der Zuschauer überlassen sein sollten anstatt sie auszuerzählen, während dies bei einer zerrissenen Figur wie Darth Vader durchaus Sinn mache.

 

Aber auch bei Vader war das große Unbekannte der Reiz der Figur und die mühsame und lieblose Ausformulierung von dessen Vorgeschichte, gekrönt von der Fehlbesetzung Hayden Christensen in der Hauptrolle, muss man sich beim Binge-Watching der gesamten Filme-Reihe immer noch schönsaufen.

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Und sind wir sich mal ehrlich: Wäre ein Jar Jar Binks Spin-Off gewinnversprechend, Disney würde dem schneller grünes Licht geben, als Yoda „Viel zu lernen du noch hast“ sagen kann. Es ist also unvermeidlich dass Disney melken wird diese Kuh, da wir haben erwischt es bisher recht gut. (O-Ton Yoda)

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Aber zurück zu SOLO, der nichts anbrennen lässt und sofort zur Sache kommt: Der junge Han (Alden Ehrenreich) lebt ein sklavenartiges Dasein auf dem Schrottplaneten Corellia und muss dort für die böse Lady Proxima stehlen. Als er von ihr eine kleine Menge des wertvollen Treibstoffs Coaxium entwendet, versucht er mit seiner Jugendliebe Qi’ra (Emilia Clarke) zu fliehen. Doch sie werden getrennt und nur Han kann entkommen. Er verspricht ihr, Pilot zu werden und zurückzukommen, um sie zu holen. Dafür meldet er sich als Soldat beim Imperium, wird aber wegen seiner aufmüpfigen Art direkt an die Kriegsfront eines weiteren Planeten geschickt, den das Imperium erobern möchte. Dort trifft er die beiden Gauner Beckett (Woody Harrelson) und Val (Thandie Newton), die sich als Soldaten ausgeben um dem Imperium einen Frachter zu stehlen um damit einen großen Coup durchzuziehen. Han sieht darin seine Chance, dem Imperium zu entkommen und schneller an sein eigenes Schiff zu kommen und Qi’ra befreien zu können.

Bis dahin hat SOLO – A STAR WARS STORY gerade mal zwanzig Minuten gedauert und später im Abenteuer schließen sich auch noch Chewbacca (Joonas Suotamo) und Lando Calrissian (Donald Glover) den beiden an, doch mehr soll hier nicht vorweggenommen werden.

 

Tatsächlich legt sich der Film mit einer hohen Schlagzahl an unterschiedlichen Actionszenen gleich zu Beginn das Tempo sehr hoch. Interessant Fußnote dabei: Während das Finale des letzten Spin-Offs ROGUE ONE mit seinen Kampfszenen unter Palmen an den Dschungelkrieg in Vietnam erinnerte, sind es diesmal die Schützengräben des ersten Weltkriegs, die zum Vorbild für die Kriegserfahrungen Solos werden.

 

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Im Laufe der Handlung ist es jedoch auffallend, dass der Film episodenhaft erzählt ist, während der große Handlungsbogen nicht wirklich im Fokus steht. Das liegt zum einen daran, dass die Jedi-Geschichte bei diesem zwischen EPISODE III und IV angesiedelten Abenteuer keine Rolle spielt. Und zum anderen, kann es ein zufälliges Zugeständnis an das Kurzzeitgedächtnis jüngerer Seherschichten sein. In jedem Fall wird großer Wert darauf gelegt, viele Geschichten aus dem Vorleben Han Solos zu erzählen, wie wir sie aus den bisherigen Filmen kennen. Das Zusammentreffen mit Chewbacca, in dem der Wookie als armseliges Wesen wie ein Tier vom Imperium gefangen gehalten wird. Der Auftritt von Lando, der für Han später abwechselnd Freund und Verräter sein wird und der „Beef“ zwischen den beiden um den Besitz des Millennium-Falken. Dazu die Geschichte, wie Solo den „Kessel-Flug in weniger als 12 Parsecs“ flog und noch weitere mehr, auch wenn man einiges für zwei mögliche Fortsetzungen zurückgehalten hat.

 

Dazwischen wird STAR WARS zum zweiten Mal (nach den Szenen im Casino der Mächtigen in DIE LETZTEN JEDI, die ihren Reichtum mit Waffenhandel sowohl für das Imperium als auch die Rebellen verdienen) ungewohnt politisch. Nämlich als Landos Co-Pilotin, der feministische Roboter L3-37 (Phoebe Waller-Bridge), sich gegen die Unterdrückung ihrer Art durch die Menschen stark macht und dabei eine kleine Rebellion auslöst.

 

Was aber besonders überrascht ist, dass der Regie-Wechsel während der Dreharbeiten im fertigen Film nicht wirklich erkennbar ist. Welche Szene nun vom Regie Duo Phil Lord und  Christopher Miller (21 + 22 JUMP STREET) stammen, die drei Wochen vor Drehschluss, wegen der berühmten kreativen Differenzen (die beiden wollten eine humorvollere Auslegung der Geschichte durch viel Improvisation beim Dreh erreichen) von Regie-Routinier Ron Howard (APOLLO 13) ersetzt wurden, lässt sich nicht erkennen.

 

Dafür macht Alden Ehrenreich, der bisher eher in Arthouse-Gefilden schwamm (HAIL, CAESAR!, BLUE JASMINE) seinen Job wirklich gut. Zur Erinnerung: Fords Han Solo ist Teil der Popkultur, die Lockerheit mit der der mittlerweile 75jährige den tollkühnen Piloten spielte, sein leichter Humor, der seine Furcht in brenzligen Situationen verstecken sollte, all das ist 1000-mal gesehen. In diese Fußstapfen zu treten ist defacto unmöglich, doch Ehrenreich setzt immer an der richtigen Stelle kleine Mimiken und Gesten ein, die an Ford erinnern ohne dass es aufdringlich wirkt.

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Am Ende von SOLO stellt sich diese STAR WAR – Gefühl ein, das man sich überlegt, den Film nochmal im Kino anzusehen oder ob man warten kann, bis er im Heimkino erhältlich ist. Wer das bei den letzten drei Filmen so empfunden hat, wird das auch diesmal tun. (Patrick Winkler)

 

Gelungenes Solo der STAR WARS-Ikone!