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14/02/2020

SHIVERS SPECIAL – Filme statt Fasnet #2

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SHIVERS Special: Filme statt Fasnet #2
20. Februar 2020

 

Fasnet, so heißt das also da unten am Bodensee.
In Konstanz, wo das jährlich stattfindende SHIVERS FILM FESTIVAL immer öfter seine Arme ausbreitet und den Freunden des besonderen, anderen Films weitere SHIVERS-Specials auch abseits des Mutterfestivals bietet. Wie zum Beispiel diese Fetter-Donnerstag-Gegenveranstaltung, bei der die SHIVERS-Crew für alle diejenigen, die’s nicht so mit Hütchen, Tröten und verordnetem Humor haben, ein ansehnliches Programm zusammengetragen haben. Das mit nichts Geringerem endet als der Deutschlandpremiere des mit Spannung erwarteten COLOR OUT OF SPACE.

 

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Los geht’s am Donnerstag, dem 20. Februar, um halb drei am Nachmittag. Mit einer beeindruckenden deutschen Genre-Produktion: DER LETZTE MIETER von Gregor Erler schafft die schwierige Gratwanderung zwischen Psyhotrill und Gesellschaftskritik und präsentiert ein Stück Indie-Kino, das das Thema Gentrifizierung auf äußerst spannende Weise anprangert und dabei den Zeigefinger unten behält. Sowas sieht man gern. Wobei gern nicht ganz das passende Wort ist: Tobias’ Leben ist von Unzufriedenheit, Frust und Hektik geprägt. Als der Klempner und Hausmeister, der eigentlich zu etwas ganz anderem ausgebildet wurde, seinem Vater die im Auto vergessenen Herztabletten vorbeibringen will, findet er in der heruntergekommenen Wohnung nicht nur den Vater, sondern auch einen der Makler vor. Und das am Tag der Räumung. Etwas stimmt nicht. Die Schupo ist schon vor Ort, um die Räumung zu begleiten, der letzte noch im Gebäude verbliebene Altmieter wehrhaft, und ehe sich Tobias versieht, steckt er in einem Strudel von Ereignissen, die in Schutt und Asche enden. Oder etwas ganz anderen. „Ein Geheimtipp“, liest man oft über den LETZTEN MIETER. Ja, stimmt.

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Danach macht das SHIVERS-Special der Bezeichnung Kontrastprogramm alle Ehre und liefert mit VHYES etwas derart Schräges auf die Leinwand, das einen fast 72 Minuten lang ungläubig und gleichzeitig verdammt erheitert den Kopf schüttelt lässt. Dass die besondere Ästhetik der 1980er-Jahre eine Rolle spielt, liegt auf der Hand. Was VHYES aber zu dem innovativen Film macht, der er ist, ist die Präsentation als schrulliges Mix-Tape: Der Camcorder der Eltern hat es Ralph angetan und es gibt ja so unendlich viel, was es wert ist, aufgezeichnet zu werden! Vom Wetter bis hin zu Clips, sehr seltsamem Teleshopping, den Familienstreitigkeiten und anderem zwischen banal, skurril und sonstwas hin und her springenden, ähm, Kleinigkeiten. Dass dabei das Hochzeitsvideo der Eltern überspielt wird, nun, das weiß der kleine Ralph erstmal nicht … VHYES ist genau das: ein dickes YES. Parodie, herrlicher Quatsch und sehr viel Liebe. Und zudem die Deutschlandpremiere.

 

 

 

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Und dann … MONOS. Südamerika. Hochplateaus. Nebel. Maschinengewehre. Paramiliz. Acht Jugendliche, die die „Monos“ sind. Soldaten. Irgendwo zwischen Drill, Langeweile, aufkommender Sexualität, Hierarchien und Gewalt gefangen. MONOS ist ein Film, in den man eintauchen muss. Brachialer Sound, breite Bildkomposition. Laiendarsteller, deren intensives und körperliches Spiel dem Film einen ganz eigenartigen Sog verleiht. Ebenso eigenartig wie die Handlung: Das neue Crewmitglied, das der kleinwüchsige Kommandant dem Teenager-Squad anvertraut, nachdem er die Rekruten bis an die Grenzen ihrer Kondition bringt, ist eine Kuh. Wolf, der Leader, zieht die Konsequenz, als Casualty zu vermelden ist. Die Gruppe wird neu geordnet, soll die geheimnisvolle „Doctora“ irgendwohin bringen und löst sich schließlich von der „Organisation“, nur um dann von innen heraus selbst zu zerbrechen. Ein wenig HERR DER FLIEGEN, ein wenig APOKALYPSE NOW. Es passiert nicht wirklich viel in MONOS, von einem Actionspektakel im Kriegsgewand ist die kolumbianische Produktion weit entfernt. Dennoch verbleibt dieser Sundance-Kandidat im Leib des Zuschauers wie ein Steckschuss aus einem MG – wenn man ihn lässt …

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Das große Finale des Abends wird lila. COLOR OUT OF SPACE! Deutschlandpremiere! Legende Richard Stanley auf dem Regiestuhl, Nicolas Cage vor der Kamera. Lovecraft-Fans, die ebenso sehnsüchtig auf diese Verfilmung einer der bekanntesten Geschichten des Meisters warteten wie all die MANDY-Jünger, die hofften, Cage nochmal so entfesselt sehen zu dürfen: Da isser. Der Brocken im Garten. Der nicht nur die Farbe aus dem All, sondern auch – wie es sich für eine Story aus der Feder des guten, alten H.P. gehört – einen ordentlichen Schuss Wahnsinn mitbringt und die liebliche Idylle der Alpakas züchtenden Familie Gardner mit Schmackes zerstört. Denn nicht nur Menschen beginnen, sich zu verändern … COLOR OUT OF SPACE ist zum einen die Rückkehr von Richard Stanley, der der Filmwelt M.A.R.K. 13 und DUST DEVIL bescherte, und zum anderen (und vor allem) eine keinesfalls bierernste Adaption, die optisch und atmosphärisch knallt. Mit handgemachten Effekten, abgefuckten Ideen und eben Nic Cage. Mehr braucht man eigentlich nicht.

(Germaine Paulus)

 

SHIVERS Special: Filme statt Fasnet #2

Donnerstag, 20. Februar 2020

 

DER LETZTE MIETER
14:30 Uhr

VHYES (engl. OV)
17:00 Uhr

MONOS (OmdU)
19:00 Uhr

COLOR OUT OF SPACE (OmdU)
21:15 Uhr

Zebra Kino
Konstanz

 

Noch mehr Infos und Trailer findet ihr hier.