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31/12/2019

KNIVES OUT – MORD IST FAMILIENSACHE

Regie: Rian Johnson / USA 2019 / 130 Min.

Darsteller: Daniel Craig, Jamie Lee Curtis, Michael Shannon, Chris Evans, Toni Collette, Don Johnson, Christopher Plummer, Ana de Armas

Produktion: Rian Johnson, Ram Bergman

Freigabe: FSK 12

Verleih: Universum Film

Start: 02.01.2020

 

Neuengland: Das herrschaftliche gotische Anwesen der Familie Thrombey wird bis ins Mark erschüttert, als der 85-jährige Herr des Hauses just an seinem Geburtstag das Zeitliche segnet. Doch ein bis anhin erfolgreicher Krimiautor stirbt nicht einfach eines natürlichen Todes oder nimmt sich selbst bewusst aus dem Spiel. Nein, Harlan Thrombey – stellt der moderne Poirot-Verschnitt von einem Privatdetektiv, Benoit Blanc, mit nur einem Münzwurf fest – wurde eiskalt ermordet. Damit steht die ganze geldgierige Sippe nun im Verdacht, dem Alten die Kehle aufgeschlitzt zu haben. Also zitiert Blanc alle zum Verhör zu sich und geht der Sache gemeinsam mit der jungen Pflegerin Marta, die sich offenbar als Einzige mit dem Ermordeten gut gestellt hatte, auf den Grund.

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Es scheint einfach sein Ding zu sein. Schon in seinem noirigen Low-Budget-Debüt BRICK und später in seinem Zeitreise-Abenteuer LOOPER unterlief der Autor und Regisseur Rian Johnson munter-mutig Genrekonventionen, um aus Althergebrachtem etwas völlig Neues zu erschaffen. Dabei zollt er gerade mit dieser Mischung aus nostalgischer Liebe und spielerischem Anspruch dem Vergangenen Tribut.

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Auch in seiner exzellenten Whodunit-Hommage an Agatha Christie, einer bitterbösen Gesellschaftssatire frei nach dem Anna-Karenina-Prinzip der dysfunktionalen Familie, sammelt er auf dem Weg zur Auflösung ausschließlich Pluspunkte. Durch die wahnwitzige Achterbahnfahrt einer clever konstruierten Story, die einen aufgrund der Vielzahl abstruser Ideen und Wendungen im Dauerschwindelzustand mit kreisenden Fragezeichen belässt. Durch die locker-flockige Erzählweise, die in keiner Minute bemüht wirkt und getragen wird von großartigen Dialogen sowie staubtrockenem Humor, der einem das Wasser ein ums andere Mal in die Augen treibt.

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Durch das famose, weil herrlich übertrieben agierende Cast, das in dieser Geballtheit an schauspielerischem Talent vermutlich tatsächlich das letzte Mal in einer Christie-Neuverfilmung (MORD IM ORIENT EXPRESS) zu sehen war. Man kann sich zudem fast nicht sattsehen an der fantastischen Ausstattung und dem detailreichen Set-Design. Und selbstverständlich muss man den Film mindestens noch ein zweites Mal sehen, um alle Hinweise schon möglichst früh zu erkennen. Die alte Dame Christie hätte ihr helle Freude an diesem Meisterstück gehabt! (Sarah Stutte)

 

Mord auf Thrombey Manor