05/11/2015

Sympathy for the Devil in Ms. Blair, Jörg Buttgereits “BESESSEN”

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Jörg Buttgereit bei der Premiere von BESESSEN am Theater in Dortmund (Foto: c. by Kay Pinno).

Liebe Videofreunde, willkommen zum Videoprogramm Ihrer Wahl! Nach NOSFERATU LEBT! serviert Jörg Buttgereit mit BESESSEN den ultimativen medialen Rundumschlag für Horrorfans auf der Theaterbühne in Dortmund. Autobiografisch arbeitet der Berliner Todesking die Obsession am Genrefilm mit all ihren Folgen auf Grundlage seiner eigenen Besessenheit mit William Friedkins Klassiker DER EXORZIST ab. Dabei zeichnet er ein nostalgisches wie komisches (!) Bild der Video-Ära, die der “Alles auf Fingerdruck verfügbar”-Generation Y(ouTube) allein schon wie ein Horrorszenario vorkommen dürfte: Kinofilme waren tatsächlich nur im Kino zu sehen! Keine TV-Ausstrahlungen, kein Pay-TV, keine Streaming-Portale, KEIN INTERNET!

Das Heimvideosystem VHS war zu Beginn der 80er-Jahre wie eine Erlösung für alle Filmfans. Davor konnten Filme nur in Form von Wiederaufführungen im Kino oder extremen Kurzfassungen auf 8-mm-Kopien noch mal erlebt werden.

Genau dieses Phänomen, zusammen mit dem verführerischen Reiz des Verbotenen, dem Tabubruch, dem pubertären Härtetest des Ekligen bei Horrorfilmen, sieht Buttgereit als Kernschmelze für die originale Generation V(ideo): Dieser höllische Engpass schuf eine unfassbare Filmwertschätzung, die zur ultimativen Symbiose zwischen Fan und Film wurde. Als Brandbeschleuniger half der hysterische Jugendschutz, dessen Verbote und Zensur nur das zuvor abgeschüttelt geglaubte Verfügbarkeitsproblem wiederherstellten. So steigerte sich die Obsession für den verbotenen Horrorfilm bei Jugendlichen in geradezu religiöse Dimensionen – der Horrorfilm wurde in Deutschland zum unsterblichen Märtyrer!

So gerät der lässige Videoabend anno 1986 in BESESSEN für Horror- und EXORZIST-Überfan Gerd (Ekkehard Freye) und seinen Kumpel Marian (Björn Gabriel) zu einer Wallfahrt in die herrlichen Abgründe des frühen Video-Fandoms, bei der die beiden Videofreaks als BILL & TED wie DIE EINSTEIGER im Fahrstuhl zur Hölle gegen den EXORZISTen, ROSEMARY’S BABY und DIE WIEGE DES BÖSEN antreten.

 

BESESSEN
Foto: c. by Birgit Hupfeld / Theater Dortmund

 

Grandios hangelt sich Buttgereit bei dieser blutig obszönen wie aberwitzigen (!!!) Achterbahnfahrt des Grauens zwischen urkomischer wie detailverliebter Fan-Huldigung und deutlich ambivalenter Medien- wie Glaubenskritik hindurch. Wie Ash in TANZ DER TEUFEL II darf das Publikum hysterisch besessen lachen, bis das Gelächter nur noch ein entsetzter Schmerzensschrei ist. Für den richtigen Terror im Parkett sorgt dabei Sarah Sandeh, die als Linda Blair die Bühne, die wie ein überdimensionaler Fernseher umrahmt ist, besteigt. In einem unfassbaren Dauerkraftakt zwischen besessen spritziger Teufelsdirne, desillusionierter Hollywood-Aktrice und kindlicher Unschuld wechselnd, schürt sie dämonisch erfolgreich hysterische Furcht und Schrecken, die selbst bei ihren Schauspielkollegen kaum mehr gespielt zu sein scheinen. Auch Buttgereit-Veteran Uwe Rohbeck (KANNIBALE & LIEBE, NOSFERATU LEBT!) erscheint diesmal als perfekt in Szene gesetztes, dämonisches Filmzitat, bei dem Robert de Niro teuflische Tränen vergießen dürfte.

 

Extrem dicht gepackt mit Motiven und Details weidet Buttgereits BESESSEN alle Nuancen des Horrorfandoms und der Faszination am realen wie fiktiven Grauen aus: Voyeurismus, Glaubensverirrung, Gewalt und seine Darstellung, Jugendschutz-Hysterie (MAMA, PAPA, ZOMBIE), Zensur, Horrorfilm-Hexenjagd, Kontakt zum und Faszination am realen Horror in allen Formen sowie obszöner Genre-Sexismus werden abgefeiert, aber auch wie das Kruzifix auf den Kopf gestellt! Schließlich wird selbst das Publikum Teil des besessenen Treibens in Form eines brillanten Kniefalls vor HENRY – PORTRAIT OF A SERIAL KILLER. Jörg Buttgereits BESESSEN ist gleichzeitig die Heiligsprechung und Schlachtung der Horrorfilm-Kuh zum teuflischen Vergnügen der Zuschauer – was für ein ferpektes Verbrechen!

 

Nachdem die ersten Aufführungen von BESESSEN wieder so rasch ausverkauft waren, sind jetzt zusätzliche Dezember-Vorstellungen angesetzt. Weitere Termine sind wie immer in Planung. Karten und weitere Infos gibt es unter www.theaterdo.de.

(Kay Pinno)

 

BESESSEN
Foto: c. by Birgit Hupfeld / Theater Dortmund

 

Der Teufel im Detail – Jörg Buttgereit IM Interview zu BESESSEN

 

DEADLINE: Hallo Jörg. Danke, dass du dir Zeit für uns genommen hast. In deinem neuen Stück hast du dir DER EXORZIST als Thema ausgewählt. Wieso das?

 

JÖRG BUTTGEREIT: In der Vorschau steht ja, dass es von DER EXORZIST inspiriert ist. Tatsächlich ist es auch ein bisschen autobiografisch, weil ich DER EXORZIST als Kind unbedingt sehen wollte. Selbst in der Grundschule, 1973, da war ich so knapp zehn Jahre alt, wollte ich diesen Film unbedingt sehen. Aber ich hatte lediglich darüber gehört. Der Film lief ja da noch nicht mal. Ich hatte irgendwie aus dem Fernsehen, aus den Nachrichten vernommen, dass es in Amerika einen Film gibt, in dem die Leute Fehlgeburten im Kino kriegen und schreiend rausrennen, und dass Exorzismen bei Leuten durchgeführt werden müssen, die aus dem Film kommen. Ich hatte natürlich keine Ahnung, was ein Exorzismus ist, mit zehn Jahren. Und ich habe mir immer vorgestellt, dass der Exorzist dann was Böses ist, aber der ist ja der Gute eigentlich. So fing das irgendwie an. Meine Lehrerin hat schon damals immer gesagt: „Was soll das denn mit diesem Film? Warum willst du denn diesen Mist sehen? Außerdem bist du dafür viel zu jung.“ Und dem war ja auch so. Ich hab den Film dann erst sehr viel später gesehen.

In dem Stück geht es dann um einen jungen Mann, der in den 80ern zu Hause sitzt und einen Videoabend macht mit seinem Freund, der eigentlich Angst vor Horrorfilmen hat und der sich jetzt mit ihm DER EXORZIST ansehen soll.

Der Videoabend wird halt jetzt mit vom Publikum besucht, und eine Zuschauerin wird von dem Geist von Linda Blair, die damals ja erst zwölf Jahre alt war, heimgesucht. Der Videonerd ist natürlich hocherfreut, dass er endlich mal Linda Blair trifft. Sein Kumpel ist aber schockiert, weil der auch etwas religiös verkorkst aufgewachsen ist und auch mal einen echten Exorzismus erlebt hat und wirklich Angst davor hat.

Es geht auch um Nerdtum und meine Besessenheit und die Besessenheit von Friedkin, der so mein Alter Ego ist, eben zu diesem Film.

 

 

DEADLINE: Nach NOSFERATU LEBT! schlägst du jetzt eine weitere Brücke in Richtung Filmhistorie: Nach der Wiege des Genrekinos in Deutschland kommt jetzt die Entwicklung des Horrorkinos im Heimkino?

 

JB: Oh ja. Da sieht man auch Reliquien auf der Bühne. Also wirklich die alte 120-Meter-Fassung auf 8 mm von DER EXORZIST. Da erzählt der Nerd dann eben leidenschaftlich, dass er den Film erstmals in dieser Kurzfassung gesehen hat und ihn dann auch noch mit einer längeren Fassung fusioniert hat und er dann ganz froh war, ihn dann auch in 52 Minuten gesehen zu haben. Das ist ja auch ein Versuch zu zeigen, wie schwer es früher war, an Filme ranzukommen. Diese Verfügbarkeit im digitalen Zeitalter ist ja auch so ein Reizüberfluss. Dass heißt, diese Besessenheit, dieses Fantum, was unsere Generation noch kennt, weil es sich einfach so aufgebaut hat, weil einfach so ein Fetisch dadurch entstanden ist, das wird eine Generation von heute gar nicht mehr nachvollziehen können, weil für die immer alles verfügbar ist, und damit hat es natürlich überhaupt nicht so einen Wert. Und so eine Besessenheit kann gar nicht entstehen, wenn alles verfügbar ist. Es ist einfach weniger wert dann.

 




WEITER

DEADLINE: Jenseits der eigenen Vergangenheitsbewältigung, glaubst du, dass das Stück auch etwas für die junge YouTube-Generation ist?

 

JB: Du meinst, falls die ins Theater gehen? Was ja schon relativ unwahrscheinlich ist …

 

DEADLINE: Das ist wahr, aber vielleicht kommen die ja über das Internet drauf.

 

JB: Es gibt sogar von Kay Voges (Anm.: Intendant des Dortmunder Schauspielhauses) die Idee, das Stück eventuell mal zu streamen. Live, wenn es läuft! Weil er weiß, dass ich auch viele Fans im Ausland habe, würde er das auch gerne live untertiteln lassen. Vom Kay habe ich das noch nicht direkt gehört, aber der für Video zuständige Mensch am Theater hat mich darauf angesprochen …

Und wenn ich mich für das Stück nicht schämen muss (lacht), dann halte ich das für eine sehr gute Idee.

 

DEADLINE: Wie schizophren ist das eigentlich für dich, in einer Zeit zu leben, in der Film überall verfügbar ist, während du selbst aus einer Zeit stammst, in der das absolut nicht der Fall war? Ist die heutige Generation da zu verwöhnt?

 

JB: Natürlich sind die verwöhnt und dadurch natürlich auch etwas respektlos. Die neueren Generationen sehen es als selbstverständlich an, dass sie sich alles umsonst aus dem Netz saugen können, und wertschätzen es damit nicht richtig. Aber natürlich ist das auch ein Segen. Damals hat man ja unheimlich viel Zeit darauf verwendet, irgendeinen obskuren Film zu bekommen, und hat dann irgendwie, wenn man Glück hatte, eine Drittkopie auf VHS bekommen und hat den Film dann eigentlich auch nicht richtig sehen können. (lacht) Und jetzt kann man Filme von damals sehen, die heute besser aussehen, als sie damals im Kino ausgesehen haben. Und bei DER EXORZIST ist es ja auch so, dass der sich verändert hat. Unser Stück spielt ja Mitte der 80er, also noch vor dem Director’s Cut. Wenn sich Leute heutzutage DER EXORZIST angucken, dann machen die sich gar keine Gedanken darüber, was das für eine Fassung ist womöglich, oder gucken einfach die längere. Aber diese längere Fassung ist in meinen Augen wahrscheinlich eher die schlechtere Fassung. Man kann das rückblickend immer schwer sagen, weil man ja mit der alten Fassung aufgewachsen ist. Aber die neuen Szenen, die Friedkin oder Warner Brothers hinzugefügt haben, schaden dem Film in meiner Sicht ein bisschen.

 

DEADLINE: Inwieweit spielen denn Religion und das Gut/Böse-Thema bei dir eine Rolle?

 

JB: Ich habe mich im Vorfeld mit der Schauspielerin Sarah Sandeh, die die Besessene spielt, getroffen, und mit ihr bin ich übereingekommen, dass es natürlich um das Böse geht, aber dass wir dies ein bisschen aufheben. Sie hat mich danach gefragt, nachdem sie im Stück gelesen hat, dass es ein Happy End gibt.

Ihr und mir ist es wichtig, dass es eine Art Happy End gibt. Es ist natürlich kein Happy End, dass sich alles in Wohlgefallen auflöst. Es ist ein Happy End, das ein bisschen in Richtung Cronenberg geht, so ein bisschen VIDEODROME. VIDEODROME ist ja aus heutiger Sicht so eine Art Testament des Videozeitalters.

 

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Foto: c. by Birgit Hupfeld / Theater Dortmund

 

DEADLINE: Was hat denn DER EXORZIST damals für dich ausgemacht, und wie siehst du das heute?

 

JB: Damals war das für mich ein Film, der angeblich so hart war, dass das reale Leben von Menschen drunter gelitten hat. Das fand ich extrem faszinierend. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich gehe davon aus, dass ich den Film damals dann in irgendeinem Programmkino gesehen hab, wo er dann lief. Früher gab’s ja noch so was wie Repertoire in Programmkinos. Und da werde ich ihn gesehen haben. Ob ich tatsächlich gewartet hab, bis ich 18 war, wage ich zu bezweifeln. (lacht) Wie das immer so ist, wenn man einen Film sieht, auf den man Jahre wartet, dann ist man erst mal – ja nicht enttäuscht, aber ernüchtert? Weil ich natürlich bis zu diesem Zeitpunkt alle Magazine und sonst was gesehen hatte, und man ist dann so gut vorbereitet, dass man das dann eigentlich nur noch abhakt.

Aber rückblickend, wenn man sich den Film jetzt heute ansieht und die Zeit bedenkt, in der er gelaufen ist, oder selbst für heutige Standards ist das ein Film, den man nicht mehr herstellen könnte in seiner Radikalität. Schon weil sich das Publikum oder die Medien darüber echauffieren würden, dass ein zwölfjähriges Mädchen in so einem Film mitspielt. Die Beschäftigung mit dem Thema hat ja auch dazu geführt, dass ich mich entschlossen hab, in GERMAN ANGST mit einem sehr jungen Mädchen zusammenzuarbeiten. Das hatte ich sozusagen im Hinterkopf. GERMAN ANGST hat ja so lange gedauert, dass es sowohl NOSERATU LEBT! als auch dieses Stück jetzt beeinflusst hat. Also die Beschäftigung mit deutscher Horrorfilmgeschichte und die Beschäftigung mit der Tatsache, dass junge Menschen, die diese Filme nicht mehr sehen dürfen, in diesen Filmen aber mitspielen.

 

DEADLINE: Inwieweit spielen denn für dich der kirchliche Aspekt in Gestalt der Teufelsaustreibung und das Phänomen, Horrorfilmfan – damals wie heute – zu sein, eine Rolle bei BESESSEN?

 

JB: Wir erleben ja heute wieder, dass Religion für viel realen Horror in der Welt verantwortlich ist. Und das sind auch Sachen, die ich da leicht subtil eingeführt habe. Der Dämon im Stück sagt durch die Frau Blasphemien, die natürlich auch eins zu eins aus dem Film sind, und betont aber auch nachher, dass das alles o.k. ist, weil hier ja Religionsfreiheit und Redefreiheit herrschen. Ja, im Grunde ist das alles o.k. (lacht) Das ist einfach so eine Reflexion, so eine Beobachtung, die heute vielleicht noch relevanter als damals ist. Damals konnte man das Böse noch bannen, aber heute, habe ich das Gefühl, ist das Böse, das mit der Religion auch kommt, überhaupt nicht mehr zu bannen. Die Leute scheinen ja heute die obskursten Vorstellungen zu haben, mit welchen Untaten sie ins Paradies kommen. Und so verkorkst war das in den 70ern noch nicht. Das Buch und auch Friedkin über seinen Film sprechen sich ja pro Religiosität aus. In DER EXORZIST geht es ja auch viel um Schuld. Gerade bei diesem Pater, der seiner Mutter nicht so einen schönen Lebensabend machen kann, wie er möchte. Der nimmt ja dann den Dämon in sich auf und bringt sich auch um, um halt noch was Gutes zu tun. Es hat viel mit Schuld und Glauben im positiven Sinne zu tun – das Buch, und der Film eigentlich auch. Im Film gibt es aber natürlich so viele plakative Sachen, was die Wahrnehmung der Leute in diesen Dingen überschattet.

 

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Foto: c. by Birgit Hupfeld / Theater Dortmund

 

DEADLINE: Gerade Horrorfans haben sich ja immer schuldig gemacht, sich mit “verbotenen, perversen” Dingen vermeintlich auch lustvoll zu beschäftigen, und waren besonders früher mit einem Stigma versehen, was sich ja inzwischen radikal gewandelt hat …

 

JB: Also diese Videonerd-Figur, die hat auch alle Klischees an sich. Mit diesen Klischees spiele ich natürlich auch, weil das ja auch lustvoll ist. Der sieht wirklich so aus, wie man sich den schlimmen Horrorfan so vorstellt. Und der droht auch seinem Kumpel: Wenn wir jetzt nicht DER EXORZIST gucken, dann kann ich dir auch gerne EVIL DEAD, der ja seinerzeit noch beschlagnahmt war, als Raubkopie zeigen. (lacht) Es gibt jede Menge Referenzen, die das normale Theaterpublikum, das sich vielleicht eh nicht in das Stück verirrt, auch nicht verstehen wird. Es ist auch ein Horrorfan-Theater, glaub ich. Nicht ein bloßes Nachspielen eines Films, den man toll findet, sondern ein selbstreflexives Stück, wo man sich auch selbst auf die Schippe nimmt, weil es, wenn man diese Besessenheit auf der Bühne zelebriert, auch was total Verrücktes hat. (lacht)

 

DEADLINE: Was hast du denn jetzt nach der Premiere von BESESSEN vor? Hat dir GERMAN ANGST wieder Lust auf die Filmerei gemacht, oder bleibst du dem Theater treu?

 

JB: Tatsächlich ist es so, dass ich mich, wenn ich gerade etwas mache, wieder nach dem anderen zurücksehne. Als ich GERMAN ANGST gemacht hab, mit dem ganzen Produktionsaufwand und dem privaten Geld dahinter und so, da hab ich gedacht: Hach, am Theater wird’s dann wieder einfacher. Jetzt bin ich wieder am Theater und denke: Jetzt bist du hier wieder mit diesen Schauspielern, das ist ‘ne ganz andere Sache, da kannst du nicht wieder so häppchenweise arbeiten, du hast wenig Kontrolle, weil ja doch alles am Abend entsteht oder immer wieder neu entstehen muss. Und man probt diese Sachen bis zum Erbrechen – also für mich, denn ich guck ja nur zu. Das, was am gefahrlosesten ist, weil es am billigsten ist und am ehesten so, wie man das möchte, und man überhaupt keine Budgetbeschränkungen hat, das sind die Captain Berlin-Comics. (lacht) Da hast du eine Idee, da schicke ich jetzt Captain Berlin nach Nordkorea, dann schreibe ich eine Story, dann gibt’s Skizzen dazu, die geben wir dann dem Zeichner, und jetzt sitzen wir da und warten, bis die Seiten kommen, und freuen uns ein Loch in den Arsch. Davon werde ich nicht leben können, aber das ist jetzt was, worauf ich mich wieder freue, wenn ich hier vier Wochen geprobt habe am Theater. Es gibt auch noch viel Arbeit bei der HD-Filmrestauration meiner Filme zu tun. Da kommt jetzt zum Beispiel die deutsche Version von NEKROMANTIK 2, die deutlich anders aussehen wird als die britische. Und SCHRAMM steht auch noch an. Und dann guck ich mal. Ich habe jetzt so viele verschiedene Sachen gemacht, dass ich gerne auch mal ein Jahr nichts machen würde. (dramatische Pause) Aber ich glaube nicht, dass ich das schaffe. (lacht)

 

 

Interview geführt von Kay Pinno