14/08/2019

Im Interview mit Clara Rugaard zu I AM MOTHER

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Clara Rugaard wurde 1998 geboren und stammt gebürtig aus Dänemark, wo sie auch erstmals eine Rolle beim Film ergatterte. Doch schon bald konnte Rugaard als Julia in der Serie STAR-CROSSED überzeugen, einer Fortsetzung der Geschichte rund um Shakespeares ROMEO UND JULIA, und bekam zudem Rollen in Filmen wie dem Teenager-Drama TEEN SPIRIT. In I AM MOTHER, der am 22. August in den Kinos startet, spielt sie neben Hillary Swank erstmalig in einem Science-Fiction-Film mit.

 

Im Interview mit der DEADLINE spricht die 21-Jährige über ihre Erfahrungen beim Dreh, wie es ist, mit einem Roboter zu interagieren, und die philosophischen Dimensionen des Films.

 

DEADLINE: In Japan und anderen Teilen Asiens gibt es ein interessantes Phänomen. Dort werden Roboter bereits jetzt als Kellner oder gar als Altenpfleger eingesetzt. Was sagst du zu einer solchen Entwicklung?

 

CLARA RUGAARD: Ich sehe so etwas mit eher gemischten Gefühlen. Gerade darum geht es in I AM MOTHER: um die guten und die schlechten Seiten beim Einsatz künstlicher Intelligenz.

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DEADLINE: Auch wenn der Roboter im Film von einem Schauspieler dargestellt wurde, wie war es, damit zu interagieren?

 

CLARA RUGAARD: Es war sehr komisch für mich, da ich noch nie mit einem Roboter oder etwas Roboterähnlichem interagiert habe. WETA Workshop (die in Neuseeland ansässige Effektschmiede, die unter anderem das CGI in der HERR DER RINGE-Reihe machte, Anm.) hat Unglaubliches geleistet, denn der Roboter sah so echt aus. Dazu kommt noch Lukas Hawkers schauspielerische Leistung, der in dem Roboteranzug steckte. Am Ende hatte ich so lange in diesem Bunker verbracht, dass ich mich an den Roboter gewöhnt hatte.

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DEADLINE: Der Roboter wird im Original von der Schauspielerin Rose Byrne (INSIDIOUS) gesprochen. Hast du am Set nur mit dem Schauspieler interagiert, oder konntest du auch ihre Stimme hören?

 

CLARA RUGAARD: Rose kam erst sehr viel später dazu, als der Film bereits abgedreht war. Luke Hawker hat den größten Teil zu dieser Figur beigetragen. So seltsam es auch klingen mag, aber irgendwie wurde er zu „Mother“ für mich. (lacht)

 

DEADLINE: Kannst du uns etwas über den Charakter sagen, den du im Film spielst?

 

CLARA RUGAARD: Sie wächst in diesem Bunker auf, und ihre einzige Bezugsperson, wenn man sie so nennen kann, ist „Mother“. Die alte Welt, bevor diese zusammenbrach, genauso wie andere Menschen, kennt sie nur aus alten Aufnahmen, die es im Bunker gibt.Ihre Motivation ist etwas, das wir alle kennen, nämlich diese Sehnsucht nach einer Gemeinschaft, nach einer Verbindung zu anderen Menschen. Dafür gerät sie im Film in große Gefahr, denn sie ist einfach zu neugierig.

 

DEADLINE: Das, was du beschreibst, ist ja eines der zentralen Themen des Genres überhaupt. Aber wie bereitet man sich auf eine solche Rolle vor, bei der man vor allem mit Themen wie Isolation konfrontiert wird? Wie hast du es gemacht?

 

 CLARA RUGAARD: Na ja, es gibt zu dem Thema nicht viel zu recherchieren. Für mich war es seltsam, da ich sehr viele Freunde habe. Dennoch weiß jeder, was es heißt und wie es ist, einsam zu sein. Ich habe mich dann bei der Arbeit an der Figur auf meinen Instinkt verlassen und zudem auf die zahlreichen Gespräche mit Grant Sputore, dem Regisseur des Films. Zusammen mit ihm habe ich darüber diskutiert, wie beispielsweise die Tatsache, dass mein Charakter von einem Roboter erzogen wurde, sein Verhalten beeinflusst hat. Gleichzeitig haben wir immer darauf geachtet, dass der Zuschauer diesen Prozess und ihre Handlungen nachvollziehen kann.

 

DEADLINE: War es diese Herausforderung, eine solche Figur zu spielen, was dich an dem Projekt interessiert hat?

 

CLARA RUGAARD: Ja. Vor allem fand ich die Geschichte sehr originell und spannend. Nach der Lektüre des Skripts stand für mich fest, dass ich meinen Teil dazu beitragen wollte, diese Geschichte zu erzählen.

 

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DEADLINE: I AM MOTHER ist ja nicht das erste Mal, dass du mit einem Regisseur zusammengearbeitet hast, der seinen ersten Film machte. Was für Vorteile hat das Arbeiten mit eher unerfahrenen Filmemachern?

 

CLARA RUGAARD: Ich bin ja selbst noch grün hinter den Ohren und habe bisher in nur ein paar Filmen mitgespielt. Aber es hat schon seine Vorteile, mit Leuten zu arbeiten, die mit einer neuen Sichtweise und einer gesunden Neugier an eine Geschichte herangehen, was sich vielleicht ändert, je länger man in diesem Beruf arbeitet.

Im Falle von I AM MOTHER hat man den Enthusiasmus der Besetzung und der Crew jeden Tag gespürt. Für mich war es eine Freude, jeden Tag an dieses Set zu kommen.

 

DEADLINE: Wie war generell die Zusammenarbeit mit Grant Sputore?

 

CLARA RUGAARD: Von unserem ersten Gespräch über Skype an habe ich die Arbeit mit ihm sehr genossen. Seine Leidenschaft für dieses Projekt hat mich, so wie jeden um ihn herum, angesteckt, und ich wollte das Beste tun, um seine Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

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DEADLINE: Sputore ist ein großer Fan des Genres, was er in vielen Interviews immer wieder betont. Inwiefern hat dies die Arbeit mit ihm beeinflusst? Hat diese Passion vielleicht sogar abgefärbt auf dich?

 

CLARA RUGAARD: Zu Beginn war ich kein großer Fan des Genres, aber für den Film musste ich mir viele der Klassiker des Genres ansehen, auch um zu verstehen, welche Vision Grant verfolgte. Dadurch bin ich jetzt wohl selber zu einem Fan geworden und habe großen Respekt vor dem Genre und den Geschichten, die es erzählt.

 

DEADLINE: Wie war die Zusammenarbeit mit Hilary Swank im Film?

 

CLARA RUGAARD: Ich mag ihre Arbeit sehr und bin immer noch sehr dankbar, die Möglichkeit bekommen zu haben, mit einer Schauspielerin ihres Kalibers zusammenzuarbeiten. Während des Drehs habe ich unsere Szenen sehr genossen und viel von ihr gelernt.

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DEADLINE: Was hast du denn von ihr gelernt?

 

CLARA RUGAARD: Es sind vielmehr so kleine Dinge, die ich mir in Gedanken notiert habe, zum Beispiel, wie man sich in dieser Industrie über Wasser hält und wie man sich eine Figur erschließt.

 

DEADLINE: Neben dem Bunker gibt es noch eine Außenwelt im Film. Wie viel von dem, was man im Film sieht, war tatsächlich da und nicht CGI?

 

CLARA RUGAARD: Alles, was im Bunker ist, war auch real, jedes Detail; das half mir, mich in die Welt meiner Figur hineinzuversetzen. Die Außenszenen haben wir an schwarzen Sandstränden in Neuseeland gedreht, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. Diese Orte haben mir geholfen, mich in die jeweilige Situation, die jeweilige Szene hineinzuversetzen.

 

DEADLINE: Was war für dich die schwierigste Szene? Die Operationsszene sieht ziemlich schwierig aus.

 

CLARA RUGAARD: Oh ja. (lacht) Besonders diese ganzen medizinischen Fachausdrücke zu benutzen und sie mir zu merken fand ich schwierig. Es war aber ein Arzt am Set, der mir immer erklärte, was ich da gerade tat und sagte.

Aber ich würde sagen, dass es gegen Ende eine Szene gibt, die mich emotional sehr herausforderte und bei der ich mich in einen bestimmten emotionalen Zustand versetzen musste, aus dem es nicht einfach war, wieder herauszukommen.

 

DEADLINE: Der Film spielt ja indirekt und direkt auf viele philosophische Themen an. Inwiefern ist I AM MOTHER aus deiner Sicht ein philosophischer Film?

 

CLARA RUGAARD: Ich finde schon, dass der Film philosophisch ist, und ich hoffe, er gibt Leuten zu denken über Themen wie zum Beispiel unseren Umgang mit künstlicher Intelligenz. Man stellt sich Fragen über Roboter wie die, die man im Film sieht: ob diese fühlen können und ob man ihnen moralische Entscheidungen abverlangen kann.

 

DEADLINE: Du hast jetzt in einem Science-Fiction-Film mitgespielt und vorher bereits in einem Teenager-Drama. Gibt es ein Genre, welches dir liegt oder welches du als Nächstes ausprobieren möchtest?

 

CLARA RUGAARD: I AM MOTHER ist für mich mein erster Auftritt in diesem speziellen Genre und hat meine Neugierde auf dieses Universum und seine Geschichten geweckt. Aber ich bin noch relativ neu im Filmgeschäft und freue mich darauf, neue Genres und neue Figuren zu erforschen.

 

DEADLINE: Vielen Dank für das Gespräch.

Interview geführt von Rouven Linnarz