04/02/2015

Im Gespräch mit Michael und Peter Spierig zu PREDESTINATION

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TWINS
Im Gespräch mit Michael und Peter Spierig

 

Die Zwillinge Michael und Peter Spierig, bekannt als die Spierig Brothers, wurden 1976 in Buchholz in der Nähe von Hamburg geboren, sind jedoch schon in jüngsten Jahren mit ihrer Familie nach Australien ausgewandert. Kann man ihnen bei diesem Ortswechsel nur schwer verdenken. Nachdem sie mit zehn Jahren die Videokamera ihres Vater entdeckten und damit Filme über explodierende Teddys in ihrem Hinterhof aufnahmen, war das Interesse für das Medium Film und dabei vor allem den fantastischen geweckt.
Nach ihrem Debüt und Überraschungserfolg NIGHTBREAKERS – THE UNDEAD und der erfrischenden Vampir-Interpretation DAYBREAKERS ist PREDESTINATION ihr dritter Langfilm und erzähltechnisch am aufwendigsten. Wussten in den ersten beiden Werken neben kleineren Plot-Twists vor allem die Schaueffekte zu überzeugen, stehen diese in PREDESTINATION ganz im Dienste der Story.
Die Zwillinge kümmern sich bei ihren Filmen um die verschiedensten Aufgaben und Details und fungieren gerne als Autoren, Produzenten, Regisseure, Effektmeister und Komponisten in Personalunion.
Ein Review könnt ihr in der DEADLINE #49 lesen. PREDESTINATION ist jetzt erhältlich!

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Deadline: Ihr seid ja beide in Deutschland geboren. Sprecht ihr auch Deutsch und habt noch irgendeine Verbindung zu eurem Geburtsland?

 

Peter Spierig: In unserer Familie wurde immer viel Deutsch gesprochen, vor allem von meinen Eltern. Wir konnten es auch mal sprechen, aber haben später leider das meiste unserer Deutschkenntnisse verloren. Wir verstehen immer noch einiges, aber es ist so lange her.

 

Deadline: Wann wart ihr das letzte Mal hier?

 

Peter Spierig: Das letzte Mal, dass wir wirklich in Deutschland waren, ist schon 15 Jahre her. Seitdem waren wir leider immer nur noch auf der Durchreise hier. Aber wir möchten unbedingt bald mal wieder zurückkehren.

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Deadline: Euer Film PREDESTINATION basiert auf der Kurzgeschichte ALL YOU ZOMBIES von Robert A. Heinlein. Wie seid ihr auf die Story gestoßen?

 

Peter Spierig: Ich habe die Kurzgeschichte vor vielen Jahren mal gelesen und fand sie sofort außergewöhnlich kreativ und interessant. Ich habe sie dann Michael gegeben, und er empfand das Gleiche. Wir haben zueinander gesagt, dass wir eines Tages einen Film darüber machen würden. Irgendwann haben wir dann aufgehört, „eines Tages“ zu sagen, und angefangen, es einfach in die Tat umzusetzen, also unser Drehbuch zu schreiben. Und schließlich ist dann der Film daraus geworden, der er jetzt ist.

 

Deadline: Welche Veränderungen habt ihr an der ursprünglichen Erzählung vorgenommen? Ich meine, dass das Element des Attentäters im Original nicht zu finden ist.

 

Peter Spierig: Ja, der Bombenattentäter war eine der Hauptzutaten, um aus der Kurzgeschichte einen Film zu machen. Wir hatten das Gefühl, einen nervenkitzelnden Aspekt hinzufügen zu müssen. Wenn man einfach nur die Kurzgeschichte in ein Drehbuch umwandelt, was wir zu Beginn getan haben, kommt man nur auf 20 bis 25 Seiten. Die Kurzgeschichte selber hat nur neun Seiten, man muss also einige Elemente verstärken, vergrößern und hinzufügen. Auch die Figur von Robertson, gespielt von Noah Taylor, war unsere Erfindung. Auch dank Robertson wurde aus der anfänglichen Erzählung ein rundes Stück in drei Akten.

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Deadline: Nach DAYBREAKERS habt ihr euch bereits zum zweiten Mal für Ethan Hawke in der Hauptrolle entschieden. Warum passt er so gut als Protagonist in die Geschichte?

 

Peter Spierig: Ethan ist ein unglaublich intelligenter Kerl, der einen solch gebildeten und gleichzeitig verwundbaren Charakter hervorragend spielen kann. Aber nicht nur das, er ist auch jemand, der sich mit Ideen aktiv in die Entstehung des Films einbringt. Als er zum Projekt stieß, hatte er sofort verschiedene Vorschläge. Jedes Mal, wenn es darum ging, den Film noch etwas besser zu machen, schaute er auf das große Ganze und nicht darauf, dass seine Rolle mehr in den Mittelpunkt gerückt werden würde. So jemanden dabei zu haben ist sehr angenehm und wertvoll.

 

Deadline: Was ist eurer Meinung nach so interessant an dem Gedanken der Zeitreisen und fasziniert die Menschen so sehr?

 

Peter Spierig: Zum einen ist es reizvoll darüber nachzudenken, wie es wäre, in die Zukunft zu reisen und Dinge zu sehen, die jetzt unvorstellbar sind. Zum anderen ist es der Wunschtraum von vielen, in die Vergangenheit gehen zu können und Dinge zu ändern, von denen man sich wünscht, dass man sie anders gemacht hätte. Das alleine schafft alle möglichen Arten von Problemen und komplexen Situationen. Es ist einfach ein faszinierendes Konzept, welches man unendlich weiterspinnen kann, ein Paradoxon. Und es bietet sich natürlich auch sehr für visuelle Effekte an.

 

Deadline: Interessieren euch mehr Zeitreisegeschichten, in denen die Figuren viele Jahre in die Zukunft oder die Vergangenheit reisen, oder reizt euch eher die Idee, nur wenige Minuten vor- oder zurückgehen zu können?

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WEITER

MIchael, Peter Camera[2]

AM SET

 

Peter Spierig: In PREDESTINATION haben wir ein Zeitlimit gesetzt, sodass die Charaktere stets nur ein Jahr oder so vor- oder zurückreisen können. Diese Regeln wurden auch von uns hinzugefügt und waren nicht in Heinleins Geschichte. Ich denke, beide Ideen sind interessant. Ich mag es, wenn es eine Begrenzung oder eine Regel für das Zeitreisen gibt, es macht das Ganze kniffliger. Es hängt davon ab, wo man die Geschichte hinführen möchte. Möchte man etwa die Weltgeschichte oder nur ein kleines Ereignis ändern? Das ganze Thema der Zeitreise ist spannend.

 

Deadline: Welche sind eure Lieblingsfilme, die sich mit Zeitreisen beschäftigen?

 

Peter Spierig: Es gibt ehrlich gesagt gar nicht so viele gute. ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT fällt einem da natürlich als Erstes ein, auch zu Recht. Diese Trilogie ist wirklich brillant.

 

Michael Spierig: 12 MONKEYS, TERMINATOR …

 

Deadline: Kennt ihr den Film RETROACTIVE mit Jim Belushi? Der ist wirklich großartig …

 

Peter Spierig: Nein, leider nicht.

 

Deadline: Es ist ein kleiner Zeitreisefilm aus den Neunzigern, mit Jim Belushi und Kylie Travis, nicht sehr bekannt, aber äußerst interessant …

 

Peter Spierig: … dann werde ich ihn mir wohl ansehen müssen!

 

Deadline: Ethan Hawke spielt natürlich die Hauptrolle und hat auch den großen Namen, dabei ist die Leistung von Sarah Snook in PREDESTINATION fast noch höher anzusiedeln. Wie habt ihr sie gefunden?

 

Michael Spierig: Wir hatten einen sehr aufwendigen Casting-Prozess in Australien. Wir haben die besten Darstellerinnen im Land eingeladen und die Auswahl dann immer mehr eingeengt. Wir hatten schon von Sarah gehört und kannten einige ihrer Arbeiten. Sie war auf jeden Fall auf unserer Liste. Als am Ende nur noch wenige Darstellerinnen im Rennen waren, war Sarah einfach außergewöhnlich. Während des Vorsprechens haben wir auch aufwendige Make-up-Tests mit ihr durchgeführt, um zu sehen, ob sie die beiden sehr anspruchsvollen, aber verschiedenen Personen glaubwürdig spielen könne. Sie ist ein besonderes Talent und wird für größere Dinge in der Zukunft berufen sein.

 

Deadline: Peter, du warst auch für die Musik in PREDESTINATION verantwortlich, zum ersten Mal. Welche Stücke hast du nach welchen Grundsätzen für euren Film gewählt?

 

Peter Spierig: Ich wollte einen Mix aus Orchester- und elektronischer Musik im Film haben. Das ergab für mich Sinn angesichts eines Zeitreisefilms, der Vergangenheit und Zukunft thematisiert. Aber gleichzeitig sollte die Musik auch sehr einfach sein. Der Film selbst ist schon komplex genug, sodass die Musik sehr bodenständig sein sollte, dennoch gleichzeitig atmosphärisch und emotional. Während ich das Drehbuch schrieb, hatte ich in meinem Kopf schon sehr klare Vorstellungen davon, wie sich der Film anhören muss. Es hat Spaß gemacht, die Ideen in meinem Kopf in Noten zu transferieren. Da ich es zum ersten Mal gemacht habe, war es für mich wohl der schwierigste Teil bei der Erstellung des Films.

Spierig Bros, Ethan, Sarah[2]

AM SET

 

Deadline: Wenn man auf eure drei Langfilme UNDEAD, DAYBREAKERS und jetzt PREDESTINATION blickt, fällt auf, dass ihr euch jeweils für grundlegend verschiedene Elemente entschieden habt, die in unsere Realität einbrechen und die Protagonisten der Filme prägen. Zuerst waren es Zombies, dann Vampire und nun Zeitreisen. Was kommt als Nächstes?

 

Peter Spierig: Wir würden liebend gerne einen wirklich Angst einflößenden Film über ein verfluchtes Haus machen. Daran arbeiten wir gerade. Wir haben auch ein Actionthriller-Projekt, welches es uns sehr angetan hat. Aber genauso gerne würden wir auch mal ein echtes Drama inszenieren. Wir sind an kein Genre gebunden. Wir möchten jedes Mal etwas Neues probieren. Andererseits suchen wir auch nicht zwanghaft nach einem neuen Genre, das Drehbuch muss sich nur einfach frisch anfühlen.

 

Deadline: Ihr beide seid Zwillinge. Ich habe Cousins, die auch Zwillinge sind, und die Beziehung zwischen Zwillingsbrüdern ist immer eine ganz besondere. Wie würdet ihr eure Zusammenarbeit an einem Film beschreiben? Hat jeder sein Spezialgebiet, oder macht ihr alles gemeinsam?

 

Peter Spierig: Michael verwendet vielleicht etwas mehr Zeit auf die Designaspekte am Film, wie Kostüme, Ausstattung und das Setdesign. Ich fokussiere mich möglicherweise mehr auf die Kameraarbeit und sicherlich auf die Geräusche und die Musik des Films. Aber wenn es ums Schreiben oder aktive Regieführung geht, ist es praktisch eine 50/50-Aufteilung. Ich könnte dir jetzt nicht mehr sagen, wer was im Drehbuch geschrieben hat, da es so eine enge Gemeinschaftsarbeit ist. Wenn wir etwas im Detail besprechen, sind wir immer gleichberechtigt.

 

Deadline: Vielen Dank für das Interview und vielen Dank für diesen schönen und intelligenten Film!

 

Michael und Peter Spierig: Wir danken dir für das Interview, und beste Grüße nach Deutschland!

 

Interview geführt von Leonhard Elias Lemke im Januar 2015