20/06/2014

GREEN FRANKENSTEIN & SEXMONSTER – Jörg Buttgereits Kino-Theater

Nachdem Quentin Tarantino und Robert Rodriguez das Grindhouse-Kino wieder salonfähig gemacht haben, serviert unser eigener Filmrebell Jörg Buttgereit seine ganz persönliche Hommage an das famose, liederliche, ja infantil schmierige Bahnhofskino-Erlebnis seiner jungen Jahre in einem ganz anderen Umfeld: nämlich im Dortmunder Theater!
Ein schummriger Kinosaal, eine zwielichtige Besetzung aus experimentierfreudigen Cineasten und ein Doppelprogramm, das dem Begriff „Exploitationkino“ alle Ehre macht, bilden den Rahmen für Buttgereits Filmtheaterabend in 3D. Seine Bühne wird zum kleinen, schäbigen Kino, mit verr(a)uchter Atmosphäre und Live-Beschallung, die von niemand Geringerem als dem Kölner Tonzauberer Dieter Hebben stammt, der standesgemäß hinter einem Tresen Popcorn verkauft.
In zwei Abteilungen dürfen die Zuschauer vor und auf der Bühne zwei ganz spezielle Filmereignisse miterleben: In GREEN FRANKENSTEIN verschmilzt Buttgereit seinen kaiju-Favoriten FRANKENSTEIN – ZWEIKAMPF DER GIGANTEN mit weiteren Mythen aus dem japanischen Monster-Genrefilm, während SEXMONSTER eine Hommage an die Filme von Doris Wishman und schlussendlich KING KONG wird. Ausgehend von seinen für den WDR produzierten Hörspielen baut Buttgereit dem unvorbereiteten Theatergänger eine Wundertüte aus Hommage, Retro-Kinoromantik und dem ungezügelten Spiel seiner fünf Hauptdarsteller. Diese mussten allerdings erst mal in Buttis kleine Exploitation-Schule, da niemand mit der heiklen Materie wirklich vertraut war. „Die meisten sind ja zu jung, um die Filme selbst im Kino erlebt zu haben“, sagt der Regisseur. In gemeinsamer Sitzung nach den Proben wurde dies aber nachgeholt. „Sie haben wirklich alle Vorurteile fallen lassen und sich ganz darauf eingelassen“, lobt der Regisseur seine Besetzung und strahlt: „Von ZWEIKAMPF DER GIGANTEN waren sie schließlich ganz begeistert und sind Fans geworden!“

Jörg Buttgereit bei GREEN FRANKENSTEIN & SEXMONSTER




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Und dieser Enthusiasmus zeigt sich auf der Bühne. Gleichzeitig übernehmen die Schauspieler die Rollen der kuriosen Kinobesucher, während sie in die Figuren auf der imaginären Leinwand schlüpfen. Wenn schließlich Sebastian Graf und Annika Meier ihre Film-Pendants Mecha-Frankenstein und das Seemonster Green Frankenstein gänzlich übernommen haben, beginnt zwischen den Kinostühlen eine epische Schlacht, vor der sich selbst Inoshira Honda verneigen würde. Hübsch ausgeleuchtet in Rot und Grün sowie mit einer genialen Klangkulisse von Dieter Hebben versehen, entsteht tatsächlich ein sensationelles 3D-Erlebnis! Doch auch die Sexploitation-Abteilung von SEXMONSTER feiert klassische Genrekonventionen ab und schockt mit einer live vertonten Penis-Transplantation, bei der am offenen Mikrofon Gemüse-Snuff produziert wird!
Zur Bewältigung des kulturellen Auftrags werden zwischendurch immer wieder Passagen mit einigen filmwissenschaftlichen Informationen eingeflochten, um Zuschauer ohne buiologisches Fachwissen (sprich: Fachwissen über Exploitation-Filme) in die Materie einzuführen. Das klingt zunächst muffig und pädagogisch aufdringlich, aber wird im Kontext des herrlich skurrilen Kinotheaters für Kenner der Materie ein amüsantes Déjà-vu und für Novizen eine interessante Einführung in Bereiche des Kinos, in die sie sich sonst sicher nie vorgewagt hätten.
Jörg Buttgereits Double-Feature in 3D GREEN FRANKENSTEIN UND SEXMONSTER ist jeweils an zwei Terminen im Monat im Dortmunder Theater in der Spielzeit 2011/12 zu sehen. Weitere Informationen zu den Vorstellungen und Karten bekommt ihr unter WWW.THEATERDO.DE.

 

Kay Pinno