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02/08/2018

EQUALIZER 2

Regie: Antoine Fuqua / USA 2018 / 129 Min.

Darsteller: Denzel Washington, Pedro Pascal, Bill Pullman, Melissa Leo, Ashton Sanders, Sakina Jaffrey, Jonathan Scarfe, Orson Bean

Produktion: Todd Black, Jason Blumenthal, Tony Elridge, Antoine Fuqua, Mace Neufeld, Alex Siskin, Steve Tisch, Denzel Washington

Freigabe: FSK 16

Verleih: Sony Pictures Germany

Kinostart: 16.08.2018

 

Denzel Washington goes Liam Neeson – Teil 2. Auch dieser legendäre Schauspieler entdeckt mit über 60 das physische Genre für sich und gibt den kargen und weisen Rächer. Im ersten Teil dieses – lose auf einer 80er-Jahre-TV-Serie basierenden – Stoffs war Washingtons Robert McCall ein untergetauchter Ex-FBI-Agent, der nach dem Tod seiner Frau sein altes Leben hinter sich gelassen hat und im Geheimen und clever getarnt als Baumarkt-Mitarbeiter (ich wusste, diesen Typen ist alles zuzutrauen!) wohldosiert und effektiv das Gesetz in die eigene Hand nimmt, wenn es mal schnell gehen muss.

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In der Fortsetzung ist McCall nun eine Art Uber (!)-Fahrer (ich wusste, diesen Typen ist alles zuzutrauen!), der dadurch, siehe TAXI DRIVER, ganz nah am Volk ist und für Gerechtigkeit sorgt, wenn diese anderswo nicht gewährleistet wird. Da wird eine vom Vater entführte Tochter aus der Türkei geholt oder eine von koksenden Rich Kids vergewaltigte Praktikantin gerächt. Wie immer gibt McCall den Schurken eine letzte Chance zur Einsicht, bevor er sie niedermacht.

 

Nur wenige kennen McCalls eigentliche Geschichte, so Susan (Oscar-Gewinnerin Melissa Leo), die, getarnt als Kunsthändlerin, auch andere noch aktive Agenten betreut. Als einer davon in Belgien von einem Killerkommando getötet wird, gerät Susan selbst in die Schusslinie. Das wiederrum ruft nicht nur McCall, sondern auch seine Ex-Kollegen auf den Plan, unter ihnen ein gut genährter, aber wie immer solider Pedro Pascal (GAME OF THRONES, NARCOS).

 

Das eigentlich Schöne an dem knapp 120-minütigen Sequel (wieder unter der Regie von Antoine Fuqua) ist, dass sich diese Haupthandlung erst so nach und nach herauskristallisiert. Ummantelt wird sie von vielen kleinen Nebenhandlungen und Episoden, die – so viel Poesie darf sein, immerhin liest auch One-Man-Army McCall ausschließlich anspruchsvolle Prosa, und zwar immer nur in gebundenen Ausgaben – die Haupthandlung schmücken wie Äste einen Baum.

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Diese Episoden machen den Spaßfaktor von EQUALIZER 2 aus: Egal ob er, wie erwähnt, entführte Kinder aus der Türkei rettet oder eine Gruppenvergewaltigung brutal rächt, man fühlt sich an DEATH WISH erinnert, nur nicht ganz so politisch unkorrekt.

Dennoch bleibt McCall ein konservativer Typ, das zeigt sich in seiner „Auge um Auge“-Moral nicht nur im Umgang mit üblen Schurken. Auch als er dem Nachbarsjungen Miles (Ashton Sanders, MOONLIGHT), der dabei ist, seine Kunstschullaufbahn gegen eine als Gettogangster einzutauschen, freundlich, aber streng die Vorteile eines legalen Lebens erklärt, fühlt man sich an (den mittlerweile zur Persona non grata abgestiegenen) Papa Bill Cosby aus seiner gleichnamigen Show erinnert.

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Mit all diesen Teilen ist EQUALIZER 2 über weite Strecken sehr unterhaltsam und ein – wegen seiner Gewalt-Moral – Hochglanz-Guilty-Pleasure. Im letzten Akt jedoch, nachdem McCall alle mittleren Schurken ins Krankenhaus oder Leichenschauhaus befördert hat und sich den wahren Bösen widmet, wird der Film seltsam überraschungsfrei und leider auch etwas langatmig.

 

Das ist insofern enttäuschend, als dieser Actionthriller gerade am Beginn einen kleinen cleveren und brutalen Moment hat, der dem Film nicht nur gut steht, sondern auch ungewohnt philosophisch ist: Als das Killerkommando Susans Agenten tötet, tun sie dies nur mit der Erklärung „weil der Name auf einer Liste stand“. Man erfährt nie das wahre Motiv dahinter, und gerade das entlarvt, einfach und effektiv, sämtliche Gewalt des Films als sinnlos, weil Gewalt immer neue Gewalt generiert, bis man den Ursprung nicht mehr kennt – ganz Henne–Ei. Schade, dass man das am Ende vergessen hat.

 

Als der Held dann nach dem Finale auch noch einem alten Israeli seine im Holocaust verschollene Schwester bringt, wird es doch etwas zu viel des Guten. Dagegen sieht selbst UNSERE KLEINE FARM aus wie ein Lars-von-Trier-Film. Fehlt noch, dass Robert McCall zur Ozonschicht fliegt und das Loch in selbiger stopft. Am besten mit all den restlichen Schurken dieser Welt. Vergesst nicht, unseren Interviewtext mit Denzel Washington und Antoine Fuqua in DEADLINE #70 zu lesen! (Patrick Winkler)

 

McCall of Duty!

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