29/01/2017

Düster-deutsche Klapperschlange: Interview mit Alec Empire zu VOLT

Den dystopischen Thriller VOLT des deutsch-palästinensischen Regisseurs Tarek Ehlail (CHAOSTAGE) haben wir euch in DEADLINE #61 vorgestellt. In einer erschreckend nahen Zukunft ist Deutschland zu einem Polizeistaat geworden, in dessen Grenzgebieten die Opfer der Flüchtlingskrise in einer Transitzone zurückgeblieben sind. Die bedrückende Stimmung des Films greift auch die Filmmusik auf: ein atmosphärisches Gebilde aus Noise, Klanggewaber und wummernden Beats, das die Gegensätze des Films leitmotivisch adaptiert. Komponiert und produziert hat diesen Soundtrack Alec Empire, der sonst als Kopf von ATARI TEENAGE RIOT für wohlüberlegte Unruhe sorgt. Anfang Januar haben wir mit ihm über seine Beteiligung an VOLT gesprochen. Interviews mit den Hauptdarstellern des Film, Benno Fürmann und Kida Khodr Ramadan, könnt ihr in der aktuellen Ausgabe #61 lesen.

 

Empire ist an jenem Tag gut gelaunt, lacht häufig und redet noch mehr. Er nutzt viele Füllwörter, lässt Sätze abrupt enden und springt schnell von einem Gedanken zum nächsten. Ein bisschen so, als würde er einen Track mixen. Filmmusik ist nichts Neues für Empire bzw. ATARI TEENAGE RIOT. Das brutale Duett „No Remorse“ mit den Thrash-Ikonen SLAYER, das mittlerweile zum Standardrepertoire von ATR-Sets gehört, schepperte zuerst auf der Compilation zur Comic-Adaption SPAWN. Für Tarek Ehlails CHAOSTAGE stellte Empire Punksongs zusammen. VOLT ist jedoch der erste komplett eigenständige Soundtrack des Künstlers, der bei Konzerten regelmäßig politische Themen anspricht und vor der Bedrohung durch rechtes Gedankengut warnt.

 

DEADLINE: Du hast mit dem Regisseur schon einmal zusammengearbeitet. Wie ist die Kooperation zu VOLT entstanden?

 

ALEC EMPIRE: Das kam sehr überraschend. Ich wusste gar nicht, dass Tarek an dem Film arbeitet, da ich mit ATARI TEENAGE RIOT auf Tour war. Als ich gerade mal wieder in Berlin war, hat er mich kontaktiert. Tarek meinte, dass der Film schnell fertiggestellt werden müsse, da er auf dem Filmfest München gezeigt werden sollte. Außerdem lief alles ohnehin schneller als geplant. Die Dreharbeiten waren abgeschlossen, bevor die Flüchtlingskrise im Herbst 2015 so richtig in den Medien losgegangen ist. Für den Schnitt haben sie dann aber länger gebraucht. Tarek wollte einen Score, der nicht so die Realität abbildet, weil für den Film eben ein paar Jahre in die Zukunft vorgespult werden sollte. Was wäre, wenn alles so weiterläuft und beide Seiten (die Darstellung von Polizisten und Flüchtlingen in VOLT) sich verschärfen und eine fast schon polizeistaatartige Fraktion immer härter durchgreift, ohne dass jetzt aber Lösungskonzepte für die Flüchtlingskrise auf dem Tisch liegen?

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“Wenn man elektronische Musik macht, ist John Carpenter einfach ein Meilenstein” – Alec Empire


DEADLINE: Dem Film ist „In naher Zukunft“ vorangestellt. Wie nah ist die Zukunft, die in VOLT gezeigt wird?

 

ALEC EMPIRE: Das ist eben die Sache. Als Tarek den Film gedreht hat, wollte er ihn fünf bis sieben Jahre in der Zukunft ansiedeln. Aber natürlich stellt sich die Frage jetzt. Deswegen ist der Film auch relevant. Wir sehen ja die Entwicklung in Europa und Deutschland, die Rechte gewinnt an Zustimmung. Viele Leute fangen jetzt erst an, sich überhaupt mit der Flüchtlingskrise zu beschäftigen. Da wird dann auch immer von deutschen oder europäischen Werten gesprochen, und da clasht es dann. Ich glaube, das eigentliche Problem ist, dass viele Leute noch nie darüber nachgedacht haben. Da landen sie dann schnell bei einer AfD-Rhetorik: Es sind einfach Fremde, die nach Deutschland oder Europa kommen und dann Terror auslösen. Das ist natürlich eine gefährliche Vereinfachung, weil man so keine Lösung herbeiführt. Da ist VOLT ganz gut, weil er in das Klima reinkommt und die Zuschauer gezwungen werden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich finde auch gut, dass die Szene, in der Volt mit dem Flüchtling kämpft, den Polizisten nicht als bösen Cop zeigt, der jetzt mal reingeht, um hart zuzuschlagen. Die Zuschauer verstehen, warum es eskaliert, und müssen sich mit Volts Schuldgefühlen auseinandersetzen und sich fragen, wie sie selbst damit umgehen würden. Volt kann das erst einmal geheim halten, aber er muss mit der Sache leben und merkt, dass er damit nicht zurechtkommt. Das fand ich interessant. Ein Vorteil des Films ist, dass das Drehbuch nicht als Reaktion geschrieben wurde, sondern einen Tick vorher. Das gibt einen anderen Blick auf die Situation. Oft sind Filme vorhersehbar und dann auch künstlerisch etwas langweilig. Dann wird immer so auf „Wir haben uns alle lieb“ gemacht. Daher gefällt mir das Ende von VOLT. Man kommt da nicht so raus und wird erlöst, weil Volt den Mord nicht mehr loswird, und das kann er auch nicht wiedergutmachen. Das fand ich eine sehr gute Story. Und Tarek und ich haben uns dann über Filme unterhalten wie DIE KLAPPERSCHLANGE (John Carpenter, 1981).

 01_VOLT__Barrikade_© Felix Gemein_augenschein Filmproduktion GmbH

 

DEADLINE: Inwiefern hat dich der Soundtrack von John Carpenter beeinflusst?

 

ALEC EMPIRE: Wenn jetzt jemand ein Carpenter-Imitat erwartet, wird er natürlich enttäuscht. Aber wenn man elektronische Musik macht, ist John Carpenter einfach ein Meilenstein. Wie er Synthesizer damals eingesetzt hat, das hat sehr viele Tore geöffnet. Wenn man über elektronische Filmsoundtracks spricht, sind Carpenter und vielleicht noch Vangelis als wichtig zu nennen. Okay, man könnte auch Hans Zimmer anführen. Carpenter hat es damals mit relativ einfachen Mitteln geschafft, Spannung zu erzeugen, und darauf kann man sich immer wieder mal zurückbesinnen. Viele Soundtracks plätschern leider ambienthaft im Hintergrund, um dich in eine Art Traumstimmung zu versetzen. Aber das ist auch langweilig. Filmmusik muss Spannung erzeugen, und das ist auch für mich als Musiker das Spannende. Tarek und ich haben über DIE KLAPPERSCHLANGE geredet und uns gefragt, wie man so eine Stimmung für VOLT schaffen könnte. Die Bilder von VOLT könnten auch aus der Gegenwart stammen, da fliegen keine Ufos, da laufen keine RoboCops. Also muss man eine Stimmung schaffen, die entfremdet. Das kann man natürlich gut mit elektronischen Sounds machen. Ich habe mich dazu entschieden, den Clash aus Polizeistaat und Staatenlosen auf die Musik zu übertragen. Auf der einen Seite gibt es dieses fast Technoide, fast Stumpfe, etwas sehr Brutales – wie in der Folterszene –, fast industrialmäßig, mit hartem Noise, und das dann auch mit Sachen von Wagner. Ich habe mich lange mit Opern beschäftigt, denkt man manchmal nicht, das hat mich immer fasziniert. Das war in VOLT wichtig, das wirkt fast schon düster-deutsch. In Hollywood würde man das nicht so machen, weil es wahrscheinlich zu dark wäre. Für die Flüchtlingszone muss man dann einen musikalischen Gegensatz zu der Welt der Polizisten schaffen. Der Stil von MASSIVE ATTACK (eine britische Band, die dem Trip Hop zugeordnet wird) ist da ein gutes Beispiel. Und diese Gegensätze sind dann natürlich auch Alec Empire. Bei einem Soundtrack ist es aber immer auch die Herausforderung, das eigene Ego zurückzunehmen. Es geht um den Film und die Story und wie man das so kommuniziert, dass es das Publikum auf seiner Gefühlsebene versteht.

 

DEADLINE: Wo setzt du an, wenn du einen Soundtrack komponierst?

 

ALEC EMPIRE: An den Bildern und der Story. Für mich sind die Bilder das Wichtigste. Wenn mir Leute Drehbücher geben, ist es immer gut, wenn ich das Filmmaterial so schnell wie möglich bekomme, etwa bevor der Schnitt fertig ist. Auch wie sich Darsteller bewegen und spielen ist extrem wichtig. Der von Benno Fürmann gespielte Volt frisst seine Gefühle eher in sich hinein und lässt sich die Gewalt nicht anmerken, mit der er tagtäglich zu tun hat. Aber die Zuschauer müssen verstehen, was sich in ihm abspielt. Was muss man zeigen, was die Bilder nicht hergeben? Die Funktion muss die Musik übernehmen. Was ich im Nachhinein interessant finde, und deswegen erscheint der Soundtrack jetzt auch separat: Viele Leute sagen, dass der Soundtrack ein Alec-Empire-Instrumentalalbum ist, das an jene Sachen anknüpft, die ich in den 90ern auf dem Mille-Plateaux-Label gemacht habe. Der Soundtrack zu VOLT lässt sich auch losgelöst vom Film hören, du kannst dich soundmäßig da reinbegeben.

 




WEITER

DEADLINE: Wie empfindest du es selbst? Ist der Soundtrack ein Alec-Empire-Soloalbum?

 

ALEC EMPIRE: Na ja, viele Leute und Fans fragen mich schon seit Jahren: Wann machste denn endlich mal wieder solche experimentellen Sachen? ATARI TEENAGE RIOT hat in den letzten Jahren wieder die Überhand gewonnen, davor habe ich als Alec Empire meistens Songs veröffentlicht. Die experimentellen Sachen habe ich zwar auch immer weitergemacht, die sind aber oft in Filmen gelandet. Und das war manchmal nicht genug Musik, um daraus ein Album zu machen. Manchmal landen nur 20 Minuten im Film, und dann macht es keinen Sinn, das separat zu veröffentlichen. Bei VOLT war das anders. Für den Film wurde sehr viel Musik gebraucht, und ich hatte freie Hand. Der Regisseur hat immer nur gesagt: Super, danke, dass du das Problem gelöst hast. Manchmal muss man Regisseuren auch Vorschläge machen, wie man von einer Szene in die nächste kommt, auch wenn es niemand verlangt hat. So ist genug Musik entstanden, die einheitlich als Album funktioniert. Warum bringt man das also nicht raus? Und die Alec-Empire-Fans, die sich immer beklagt haben, sind dann auch mal happy.

 

DEADLINE: Kann man sich auf weitere Soundtracks freuen?

 

ALEC EMPIRE: Ja, klar. Ich bin da immer offen. Ich mache gerne Sachen, die ich thematisch spannend finde. Ich bin jetzt nicht jemand, der einen Film über eine Arztpraxis mit funktioneller Musik vertont.

 

DEADLINE: Das wäre schräg.

 

ALEC EMPIRE: Genau. Ich mache halt spezielles Zeug. Tarek kennt alle meine Sachen, wir haben schon zusammengearbeitet, und man klickt da sofort. Wenn er sagt: Hey, kennste noch den Track von dem und dem Album? Könnt‘ ich mir da gut vorstellen, dann verstehe ich, was er mit der Szene ausdrücken will. Es ist so eine Sache, wie man mit Regisseuren klarkommt. Was ich nicht so mag, sind Hierarchien, in denen man reduziert wird und etwas ausführt. Ich bekomme öfter Anfragen wie: Kopiere mal Trent Reznor (US-amerikanischer Musiker, Sänger und Produzent, NINE INCH NAILS) oder dies und das. Das ist eher langweilig, und da sage ich eher Nein, das führt eigentlich nur zu Frustration auf beiden Seiten. Was ich an VOLT gut fand, war, dass es viele Leute beim Filmfest München begrüßt haben, dass es endlich mal einen deutschen bzw. deutsch-französischen Film gibt, der so einen Score einsetzt. Das ist mir dort erst aufgefallen. Meist sind es amerikanische Filme, die sich mal mehr trauen. Aber warum machen wir das in Europa nicht auch mal? Wir können weitergehen, auch was den Score angeht. Der europäische Film muss sich mehr trauen, sonst geht man unter.

 

DEADLINE: VOLT ist ein Genre- oder Nischenfilm, der Sozialkritik als dystopischen Thriller mit intelligentem Score verkauft. Kann das Türen öffnen?

 

ALEC EMPIRE: Natürlich. So hat das schon immer funktioniert. Ich bin schon immer ein Fan von jener Art von Filmen gewesen. Wir haben vorhin über John Carpenter gesprochen. Nimm einen Klassiker wie HALLOWEEN. Das ist kein Blockbuster. Die Innovationen kommen vom Independentfilm. Deswegen ist die Entwicklung im Zeitalter des Internets ein bisschen tragisch. Independentfilmemacher wurden weggedrängt und können ihr Geld nicht wieder einspielen, und bei diesen Überblockbustern mit irgendwelchen Superheroes kann man fast gar nicht mehr connecten. Mir geht das zumindest so. Das ist eine Schau von Effekten, aber da passiert nicht wirklich was. Das ist so eine Entwicklung, die Schere geht immer weiter auseinander. Und dann auf der einen Seite Trash auf YouTube und das schlimmste Reality-TV, auf der anderen Seite Filme mit Riesenbudgets, die starr sind, wo nicht wirklich Räume sind, um Experimente zu wagen. Da war der Independentfilm schon immer superwichtig, auch wenn das dem Mainstreampublikum nicht gleich bewusst ist. Und wenn wir über Soundtracks reden, gilt das für elektronische Musik erst recht. Damals hatte man nicht die Budgets für Orchester und hat sich gefragt hat, wie man das billiger, aber eben elektronisch umsetzen kann. Das wurde ein Stilmittel.

02_VOLT__Volt_© Felix Gemein_augenschein Filmproduktion GmbH

 

DEADLINE: Du hast das Internet erwähnt, das in VOLT nicht vorkommt. Die Protagonisten nutzen etwa Handys und keine Smartphones. Aber gerade die Diskussionen zu Flüchtlingskrise und Polizeieinsätzen werden zumeist online geführt. Ist das Internet Fluch oder Segen?

 

ALEC EMPIRE: (holt tief Luft) Das habe ich schon, seit Ewigkeiten kritisiere ich … Und lange haben die Leute das als Zukunftskritik missverstanden. Am Anfang hat man die ganzen Plattformen aufgebaut wie Facebook. Und jetzt haben wir Fake News und Hatespeech. Wenn man Dinge auf einer Basis aufbaut, in der das Kollektiv oder der Mob die Macht und das Individuum keine Rechte mehr hat, dann landet man irgendwann da, wo wir jetzt gelandet sind. Experten sind die Dummen, wer über Wissen verfügt, ist geächtet, und der Mob hat immer recht. Wikipedia ist zum Beispiel so ein Ding. Je mehr Leute die gleiche Sache glauben, desto mehr recht haben sie. Man könnte sagen, so ist Demokratie, und meinetwegen kann man das so sehen. Aber wir sehen ja, dass es eskaliert, mit allen negativen Konsequenzen. Was in der letzten Ära noch anders war, war, dass die Linke im Westen schneller dabei war, das Internet zu nutzen, und dadurch war es eher besetzt mit “Wir wollen alle tolerant sein, wir wollen andere Meinungen hören”. Aber jetzt sehen wir, dass sich Rechtsradikale übers Internet organisieren und sehr genau wissen, wie sie es einsetzen können. Das Problem ist, dass alles, was links passiert, auch nur der eine Mob gegen den anderen ist. Wer Fragen stellt, wird attackiert. Das führt zu nichts. Ich kann mir vorstellen, dass es irgendwann einen Trend geben wird, in dem sich Leute langsam abwenden. Nicht vom Internet, aber von den Social-Media-Plattformen, weil man da einfach nicht mehr weiterkommt. Thema Flüchtlinge: Wir können diese Diskussion, wie man sie von Facebook kennt, jeden Tag von Neuem führen, die Argumente würden immer aufeinanderclashen, und mittlerweile verteidigt jeder nur seine Bastion, ohne andere Meinungen zu hören. Dazu kommen dann Trolle und Bots. Das ist ein Problem. Das hat damit angefangen – wenn ich jetzt als Musiker spreche –, dass man die Rechte von Musikern zerstört hat. Das ist ein Recht des Individuums, das kennt auch jeder Journalist, Autor oder Fotograf. Wenn man sagt, alles was du machst, gehört dem Volk oder der Internetgemeinde, jeder kann sofort zugreifen, das führt dann dazu, dass Fotos gefälscht werden oder im falschem Kontext auftauchen, dass Artikel einfach kopiert und falschen Autoren zugeordnet werden. Das ist schlimm. Ich hatte schon vor Jahren hitzige Debatten mit Mitgliedern der Piratenpartei, die das einfach nicht verstanden haben. Klar, das soll nicht missbraucht werden, indem man 14-Jährige mit einer 100.000-Euro-Strafe in den Ruin schickt. Aber es macht schon Sinn, wenn Urheber kontrollieren können, was mit ihren Werken passiert. Auch die GEMA gerät immer zwischen die Fronten, obwohl die sich einfach nur für die Rechte von Musikern einsetzt. Natürlich gibt es Dinge, die müssen reformiert werden, aber das ist ein anderes Thema. Da regen sich Leute darüber auf, und ich frage, was die damit zu tun haben. Die machen nichts, die sind Konsumenten und tun so, als hätten sie ein Recht auf ihren Konsum. Das hat auch nichts mit einem Recht auf freie Meinungsäußerung zu tun, wenn ich einen Song von jemand anderem auf meinen YouTube-Account lade und damit Werbeeinnahmen generiere. Aber man sieht ja auch, dass sich die Piratenpartei ins Aus katapultiert hat, weil sie sich diesen Fragen nicht gestellt haben. Jetzt kommt es halt: Trump wird gewählt, man schaut ins Netz rein, will sich ein Bild machen zum Thema Flüchtlinge. Welche Ansichten gibt es da? Das ist, wie wenn man in eine Mülltonne guckt, wo das Grauen der Menschheit auf einen wartet. Aber für mich ist es wichtig, dass gerade jetzt Künstler wie Regisseure versuchen, klar Stellung zu beziehen. Wenn es ums Flüchtlingsthema geht, ärgert es mich immer. Es gibt einen Terroranschlag, und die Linken tun dann immer so, als wäre die Wahrscheinlichkeit gering, dass einem selbst etwas passiert. Das ist auch nicht die richtige Antwort. Dann schwenkt die Diskussion schnell um, und es entsteht dieses Wirrwarr, und letzten Endes denken viele Menschen, dass das Fremde schlecht ist, und werfen alles in einen Topf. Und das ist einfach falsch. Da müssen Künstler etwas Klares zu sagen und nicht immer nur “Give Peace a Chance” singen und “Imagine” von John Lennon spielen. Man kann nicht nur alte Konzepte die ganze Zeit aufwärmen, das sind immer so Zitate aus der Kultur des letzten Jahrhunderts, die immer wieder vorgezogen werden. Aber das funktioniert nicht mehr, daher müssen wir uns heute diesen Themen widmen. Ich finde, durch Kreativität kann man viele Sachen erklären, auch Widersprüche zeigen. Da muss man nicht immer nur Songs machen wie “Fuck die AfD”, das ist immer die typische Reaktion, die von Rock- und Punkbands kommt. Da kommt man ja nicht weiter. Das kann es gerne geben, aber es fehlt was. Diese Themen wirklich aufzugreifen bedeutet ein kommerzielles Risiko. Wer will schon an Weihnachten mit der Familie ins Kino gehen und VOLT sehen und sich danach damit auseinandersetzen? Aber man muss es halt. Sonst wird es einfach nur schlimmer werden.

 

DEADLINE: Das ist ein gutes Schlusswort. Weihnachten ist jetzt auch vorbei.

 

ALEC EMPIRE: Genau, jetzt kann es wieder losgehen.

 

DEADLINE: Jetzt kann man sich VOLT anschauen.

 

ALEC EMPIRE: Und natürlich den Soundtrack hören. Kommt auch auf Vinyl raus. Kann man vielleicht noch erwähnen.

 

DEADLINE: Das machen wir gern.

Volt-SoundtrackCover
VOLT ist ab 2. Februar 2017 im Kino zu sehen. Der Soundtrack zu VOLT erscheint am 3. Februar auf Dependent Records als CD und Dopppel-LP (schwarz, 180g, Klappcover, 500 Einheiten).

 

Interview geführt von Christian Daumann