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04/03/2020

DER FALL RICHARD JEWELL

(OT: RICHARD JEWELL)

Regie: Clint Eastwood / USA 2019 / 130 Min.

Darsteller: Paul Walter Hauser, Sam Rockwell, Kathy Bates, Olivia Wilde, Jon Hamm u. a.

Produktion: Clint Eastwood, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill

Verleih: Warner Bros.

Freigabe: FSK 12

Start: 19.03.2020

 

Clint Eastwood hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder Geschichten gewidmet, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Und auch DER FALL RICHARD JEWELL ist „based on a true story“, die sich in den USA so (oder zumindest sehr ähnlich) abgespielt hat. Der titelgebende Richard Jewell war 1996 so aufmerksam, hat mit dem richtigen Riecher frühzeitig eine Bombe im Centennial Park in Atlanta entdeckt und somit mehrere Menschenleben gerettet. Regisseur Eastwood stellt diesen übereifrigen Sicherheitsmann, der so gerne wieder Polizist wäre und sich auch als Campus-Cop als Gesetzeshüter fühlt und bezeichnet, in den Fokus seiner Geschichte. Um so zu zeigen, wie unachtsam die US-Behörden (allen voran das FBI) und einige Medien mit dem Helden umgegangen sind. Denn der überambitionierte, passionierte sowie gerechtigkeitsliebende Jewell passte leider zu gut in das Täterprofil, sodass er in Kürze vom Helden zum Beschuldigten wurde.

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DER FALL RICHARD JEWELL konzentriert sich auf diesen Rattenschwanz an Korruption und Auflagengeilheit, die einen Unschuldigen nahezu das Leben gekostet hätten. Wenn da nicht Jewells Anwalt Watson Bryant (wie immer herrlich: Sam Rockwell) gewesen wäre. Er glaubte Jewell und setzte alles daran, ihn zu verteidigen. Und das war nicht immer einfach, denn der Waffennarr war zu naiv und redefreudig, was ihn immer wieder unnötig in Bedrängnis brachte. Verkörpert wird der Protagonist, wenn man das in dem Kontext so formulieren kann, von Paul Walter Hauser, der endlich mal einen Film (wenn auch gemeinsam mit Sam Rockwell) tragen darf.

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Hauser konnte schon in I, TONYA und BLACKKKLANSMAN überzeugen und scheint auf die Rolle des Weirdos abonniert zu sein. Oft will man ihn durch die Leinwand anbrüllen, dass er jetzt besser mal die Fresse hält. Gut, dass Eastwood nicht den strahlenden Helden präsentiert, sondern seine Probleme ebenfalls beleuchtet.

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Im Vergleich zu anderen Clint-Eastwood-Filmen der jüngeren Vergangenheit ist der Patriotismus erfreulicherweise etwas zurückgefahren. Im Zentrum stehen Medien- und Behördenkritik. Schön auch die Aussage von Bryant über drei FBI-Agenten, sie seien nicht die Regierung, sondern drei Arschlöcher, die für die Regierung arbeiten. Die Figurenzeichnung fällt aber auch hier nicht zu einseitig aus, so macht die Reporterin Kathy Scruggs (eklig wie nie, aber attraktiv wie immer: Olivia Wilde) eine Entwicklung durch. Wer dieser Themen überdrüssig ist, kann jedoch aufgrund des fantastisch besetzten Casts und der Dramaturgie trotzdem einen Blick riskieren. DER FALL RICHARD JEWELL ist sicherlich nicht Eastwoods bester Film, aber das haben wir auch nicht erwartet. Er zeigt aber eindrucksvoll, dass Fake News und mediale Hetzjagden bei Weitem keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, geschweige denn des Internets sind.

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Am Ende dürfen die Zuschauer – sowie die meisten Figuren/Beteiligten – eine Art Genugtuung erfahren, mit einem sehr bitteren Beigeschmack. Auch wenn das ziemlich käsig ausfällt, ist uns Eastwood-Kitsch wesentlich lieber als vieles, was sonst so über die hiesigen Leinwände flimmert. (Manuel Magno)

 

Bedrückend, emotional, kitschig: Clint Eastwood