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16/04/2019

DEATHCEMBER – 24 DOORS TO HELL IM INTERVIEW MIT DOMINIC SAXL

Pentatree

DominicSaxl(1)

Nur noch sieben Monate bis zum endgültigen Weihnachtsfest

Wer in den vergangenen DEADLINE-Ausgaben die abschließende Kolumne PRESSESCHAU OF TERROR von unserem Autor Dominic Saxl vermisst, der mag sich schon gewundert haben. Hat er sich selbst in Zeitungspapier eingewickelt und mumifiziert, oder hat er bei seinen haarsträubenden Recherchen über obskure Tode selbst die Sehnsucht nach dem Jenseits erfahren? Nein, vielmehr ist Saxl unter die Filmemacher gegangen und produziert mit seinem Team seit letztem Jahr die Kurzfilm-Anthologie DEATHCEMBER, eine Sammlung von 24 Kurzfilmen, die einen abgründigen Blick auf die Vorweihnachtszeit wirft. 24 Filme von internationalen Regisseuren und Regisseurinnen mit unterschiedlichsten Ideen, Stilen und Erzählformaten. Verknüpft durch animierte Zwischensequenzen, die den Adventskalender selbst inszenieren. Hinter jeder Tür wartet eine neue, bösartig unterhaltsame Geschichte … Wir haben uns mit Kollege Dominic Saxl während der Produktion über sein engagiertes Unterfangen unterhalten.

 

PIG von Andreas Marschall
PIG von Andreas Marschall

Hallo Dominic, einige haben es sicher schon mitbekommen. Für alle anderen: Kannst du die Idee eures ambitionierten Projekts, des 24-Episoden-Films DEATHCEMBER, noch einmal erläutern? Und woher kommt nur diese Weihnachtssehnsucht?

 

Dominic Saxl: DEATHCEMBER ist ein filmischer Adventskalender, hinter dessen 24 Türen 24 Kurzfilme von 24 internationalen Genreregisseuren stecken. Eine Weihnachtshorror-Anthologie, deren Episoden durch animierte Zwischensequenzen miteinander verbunden sind. Diese animierte Rahmenhandlung beschäftigt sich mit dem Adventskalender selbst – und setzt ihn als Portal zur Unterwelt in Szene. Ein Portal mit 24 Türen zur Hölle. Und warum Weihnachten? Nun ja, wir lieben die Stimmung an Weihnachten, die manchmal ganz schön zum Gruseln ist. Wir sind alle drei riesige, langjährige Horrorfans. Und teilen die Meinung, dass Weihnachtshorror das Größte ist. Blut sieht doch nirgendwo so schön aus wie auf unschuldig weißem Schnee.

 

Wer steckt hinter dem Projekt?

 

Hinter DEATHCEMBER stehen drei gleichberechtigte Produzenten mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen: Neben mir als Entwickler und kreativ Verantwortlichem sind das Ivo Scheloske (Anolis Films), der sich insbesondere um unsere Finanzen sowie alle Rechte-, Lizenz- und Vertriebsfragen kümmert, sowie Frank Vogt (Magna Mana Production), der für alle technischen Aspekte und die Postproduktion zuständig ist.

 

CRAPPY CHRISTMAS von Jürgen Kling
CRAPPY CHRISTMAS von Jürgen Kling

 

Das Projekt stand anfangs aufgrund einer schleppenden Kickstarter-Kampagne etwas auf der Kippe, hat aber letzten Endes doch genügend Unterstützer gefunden. Vor welchen Herausforderungen steht ihr aktuell, und wie hat sich dein Leben seitdem verändert?

 

Auf der Kippe stand das Projekt selbst nicht wirklich – bei unserer Crowdfunding-Kampagne ging es nur darum, zusätzliche Gelder für die Animationssequenzen zusammenzubekommen, damit wir diese auch angemessen spektakulär gestalten können. Am Ende waren wir damit dann ja auch sehr erfolgreich. Nur 37 Prozent aller Kickstarter-Kampagnen in der Kategorie Film erreichen ihr Ziel, davon wiederum sammeln 75 Prozent unter 9.000 Euro ein. Wir haben von unseren Unterstützern überall auf der Welt mehr als 13.000 Euro bekommen – und sind wirklich überglücklich darüber.

Das ändert aber nichts daran, dass das Geld an allen Ecken und Enden sehr knapp ist. Für mich persönlich gilt das doppelt, denn seit Oktober 2018 lebe ich fast ausschließlich von meinen Ersparnissen. Die Produktion eines Filmprojekts wie DEATHCEMBER ist mit ihrem wahnwitzigen Logistikaufwand so zeitfressend, dass daneben Arbeiten zum Geldverdienen momentan völlig unmöglich ist. Trotzdem kann ich mir nichts Besseres vorstellen, denn ich erfülle mir damit einen Lebenstraum, und das macht tierisch viel Spaß.

 

BEFORE SUNDOWN von Jason Rostovsky
BEFORE SUNDOWN von Jason Rostovsky

 

24 internationale Regisseure drehen 24 Weihnachtshorror-Episoden in Form eines filmischen Kalenders. Kannst du uns etwas zu euren Akteuren erzählen? Wie seid ihr auf die einzelnen Filmemacher gestoßen, und welche Vorgaben habt ihr ihnen gegeben?

 

 

Die Idee zu DEATHCEMBER habe ich schon im Spätsommer 2016 entwickelt und dann recht bald mit Ivo geteilt. Der war begeistert – und als wir auch Frank an Bord hatten, haben wir uns entschieden, sie umzusetzen. Wir haben dann eine Liste mit Regisseuren zusammengestellt, die wir dabeihaben wollten, und haben angefangen, Kontakt aufzunehmen.

Darunter waren Leute wie Andreas Marschall, Milan Todorovic oder Rémi Fréchette, mit denen Ivo schon seit Jahren in Verbindung steht. Ein paar größere Namen wie etwa Ruggero Deodato haben wir über DEADLINE-Herausgeber Yazid Benfeghoul dazubekommen, der uns als Co-Executive-Producer unterstützt; und über unsere Bekannte Axelle Carolyn (TALES OF HALLOWEEN), die aus Zeitgründen leider nicht selbst dabei sein kann, kamen wir in Kontakt mit einer Gruppe von Regisseuren aus dem BLUMHOUSE-Umfeld wieAma Lea, Sam Wineman oder Michael Varrati. Zuletzt haben wir einige Filmemacher auch direkt auf Filmfestivals wie etwa in Sitges eingesammelt – wir haben ihnen von unserer Idee erzählt, sie waren begeistert und sind jetzt dabei.

 

Ein internationaler Mix war euch also wichtig. DEATHCEMBER sollte kein rein nationales Projekt sein?

 

Die USA und Deutschland sind am stärksten vertreten, aber daneben haben wir auch spannende Regisseure aus Spanien, Serbien, Mexiko, Italien, Kanada, Belgien, Großbritannien und Südkorea dabei. Ein paar größere Namen und viele wirklich spannende Newcomer. Zum Beispiel Jason Rostovsky, dessen jüngstes Skript HARE gerade auf der Hollywood-„Black List“ der besten unverfilmten Drehbücher 2018 gelandet ist. Oder Sonia Escolano, deren HOUSE OF SWEAT AND TEARS von „Bloody Disgusting“ unter die zehn besten ausländischen Horrorfilme des Jahres gewählt wurde. 

Wir legen Wert darauf, unseren Regisseuren so viel künstlerische Freiheit wie möglich zu geben. Die einzigen Vorgaben waren deswegen: eine Laufzeit von zwei bis fünf Minuten, ein Bezug der Handlung zur (Vor-)Weihnachtszeit sowie eine Verankerung des Kurzfilms im fantastischen Genre – im weitesten Sinne.

AURORA von Lazar Bodroza
AURORA von Lazar Bodroza

Das Anthologie-Genre ist ja nicht erst seit ABCS OF DEATH ein beliebtes Zugpferd für kollektive Filmabende. Was versprecht ihr euch vom fertigen Film, und wie und wann plant ihr, damit an die Öffentlichkeit zu gehen?

 

Wir hoffen, dass DEATHCEMBER allen Genrefans zwei Stunden beste Unterhaltung bieten und dabei extrem abwechslungsreich sein wird. Vom klassischen schwarz-weißen Monster-Stummfilm bis zu blasphemischer Stop-Motion, von einer Giallo-Hommage über schwarze Komödien und Thriller bis zu purem Splatter sind in unserer Anthologie fast alle Genrespielarten vertreten, sogar ein lupenreines (und sehr stylisches) Sci-Fi-Segment. 

Wir sind selbst vor allem Fans. Darum machen wir diesen Film auch vor allem für Fans. Wir wollen ihnen eine Chance geben, spannende neue Regisseure für sich zu entdecken und sich dabei blendend zu unterhalten. Klar, es geht uns auch darum zu zeigen, dass in diesen seltsam nationalistisch gestimmten Zeiten internationale Zusammenarbeit etwas Wertvolles ist. Und einzelne Episoden haben gegebenenfalls auch das Ziel, ernsthafte Botschaften zu vermitteln. Aber in erster Linie wollen wir eine Vielfalt kreativer Genre-Ideen präsentieren, die auf ausgereifte Weise erzählt werden. Ja, ABCS OF DEATH und V/H/S waren für uns große Inspirationsquellen. DEATHCEMBER wird insgesamt aber weniger experimentell ausfallen und klassisch unterhaltsamer. Und trotzdem, zumindest partiell, ziemlich hart.

Die Weltpremiere ist für Oktober 2019 in Sitges angesetzt. Mit etwas Glück schaffen wir es aber sogar schon früher – zum Fantastic Fest in Austin im September. Oder sogar in die „Midnight Madness“ in Toronto, ebenfalls im September. Das wäre ein Traum. In Deutschland ist eine Premiere bei den Fantasy Filmfest White Nights im Januar 2020 angestrebt. Falls der Film nicht vorher schon auf Blu-ray/DVD erscheint. Die entsprechenden Verhandlungen haben wir gerade begonnen. Ein erstes Promo-Reel wollen wir im Mai in Cannes vorstellen.“

 

Du steuerst selbst eine Episode bei. Kannst du uns bereits die Story dazu erzählen? Und auf welchen Beitrag von welchem/r Regisseur/in freust du dich am meisten?

 

Meine Episode heißt A DOOR TOO FAR – und sie ist auf den ersten Blick ziemlich harmlos. Aber auch nur auf den ersten Blick. Der Film ist eine kleine Hommage an die TWILIGHT ZONE, in der böses Verhalten mit einer bösen Strafe quittiert wird. Im Mittelpunkt steht ein kleiner Junge, dessen Gier nach Schokolade keine Grenzen kennt und der am 1. Dezember nach dem ersten Türchen seines Adventskalenders noch lange nicht Schluss macht. Aber seine Gier hat Konsequenzen, mit denen er leben muss. Oder sterben … 

Schwarzhumorig, fies, ein netter kleiner altmodischer Einstieg in unsere Anthologie. Eine gute Gesamtdramaturgie ist uns wichtig. Langsam anfangen und sich dann in immer größere Extreme steigern. Das hat mir persönlich zum Beispiel bei den ABCS OF DEATH ein bisschen gefehlt. Wir sind da variabler; nur eine Handvoll Episoden waren von vornherein auf ein bestimmtes Datum festgelegt. Die Mehrheit können wir frei sortieren – und so für den bestmöglichen übergreifenden Spannungsaufbau sorgen.

Worauf ich mich am meisten freue, ist schwer zu beantworten. Vielleicht die schräge SCANNERS-Variante CRACKER von John Lynch (EDDIE). Oder das 70 Jahre umspannende Mystery-Epos VILLANCICOS von Isaac Ezban (THE SIMILARS). Oder den Psycho-Santa-Amoklauf von Trent Haaga (68 KILL). Oder, oder, oder … Es sind so unglaublich unterschiedliche Filme am Start, und teilweise auch mit echter Star-Power. Bob Pipe hat z. B. Richard Glover (STAR WARS – ROGUE ONE, INTO THE WOODS) als Hauptdarsteller und den Oscar- und Emmy-Gewinner Franklin Dow als Kameramann. Florian Frerichs hat Steven de Souza als Hauptdarsteller – den Erfinder von STIRB LANGSAM. In Ama Leas Episode wird eine Hauptrolle von SUSPIRIA-Legende Barbara Magnolfi gespielt; Michael Varrati hat u. a. Tiffany Shepis und den FINAL DESTINATION-Erfinder Jeffrey Reddick. Und es warten noch ein paar Überraschungen mehr!

ALL SALES FATAL by Michael Varrati
ALL SALES FATAL von Michael Varrati

 

Einen ernsthaften Film als Nebenprojekt zu stemmen ist eine Mammutaufgabe. Wie organisiert ihr das Projekt aktuell als Produzenten?

 

Wie gesagt, für mich ist DEATHCEMBER kein Nebenprojekt, sondern aktuell der Hauptinhalt meines Lebens. Alles andere – wie etwa meine Mitarbeit bei der DEADLINE oder auch mein Filmclub KAMMERFLIMMERN in Frankfurt am Main – ist derzeit komplett eingestellt. Bei Ivo und Frank ist das ähnlich. Allein die Kommunikation und Abstimmung mit unserer Vielzahl an Regisseuren, Produzenten, Agenten weltweit; die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; die Bemühungen um Vermarktung und Rechte-Verkauf; die Betreuung einzelner Dreharbeiten hier in Hessen; die Abwicklung der Belohnungen für unsere Kickstarter-Unterstützer und daneben das Erfüllen der zahllosen Anforderungen der hessischen Filmförderung … Ja, es ist eine Mammutaufgabe. „Nebenbei“ geht da nicht. Zum Glück ergänzen wir drei Produzenten uns gut. Jeder hat seinen Bereich, um den er sich vorrangig kümmert und für den er verantwortlich ist. Wären wir kein Team, würden wir uns garantiert verzetteln. Oder in der Arbeit ertrinken.

 

Wie ist es dazu gekommen, dass HessenFilm euch für euren Horror-Spaß finanzielle Unterstützung zugesagt hat? Das ist ja doch eher selten, gar ungewöhnlich. Oder liegt es daran, dass im Filmland Hessen so wenige (Genre-)Filme entstehen?

 

Gute Frage, die wir eigentlich selbst nicht so wirklich beantworten können. Genauer gesagt können wir eigentlich selbst immer noch nicht glauben, dass wir gefördert werden. Vermutlich ist der HessenFilm nicht so ganz klar, WAS sie da eigentlich fördert. Wir wissen schließlich alle, dass Horrorfilme in Deutschland normalerweise nicht in den Genuss staatlicher Unterstützung kommen. Hessen ist da prinzipiell sogar offener als andere Bundesländer: Hier geht es zu einem größeren Teil schlicht darum, ob ein Projekt Chancen hat, das Fördergeld wieder einzuspielen und zurückzuzahlen. Das sah man bei uns wohl als gegeben an. Es wurde also weniger die angebliche „künstlerische Wertigkeit“ des Projekts beurteilt, als das in anderen Bundesländern der Fall gewesen wäre. Die HessenFilm fand unser Konzept hochinteressant, vor allem den internationalen Ansatz. Wir brauchten zwei Anläufe für die Bewilligung der Förderung. Als wir beim zweiten Mal circa die Hälfte der fertigen Drehbücher und einen sehr genauen Vermarktungsplan vorlegen konnten, wurde uns ohne Umschweife die beantragte Fördersumme bewilligt. Das hat zwar nun eine Menge Aufwand mit sich gebracht – wir müssen ständig aktualisierte Kalkulationen abgeben und die Verwendung jedes einzelnen Euros nachweisen bzw. rechtfertigen –, aber ohne das Fördergeld wäre uns die Produktion so schlicht nicht möglich gewesen.

 

A CHRISTMAS MIRACLE von Vivienne Vaughn mit Barbara Crampton
A CHRISTMAS MIRACLE von Vivienne Vaughn mit Barbara Crampton

 

Abschließende Frage: Was wird DEATHCEMBER definitiv NICHT sein?

Ein Klischee-Slasher mit 24 Filmen über den Weihnachtsmann, der mit einer Axt in der Hand peinliche Opfer killt. Tatsächlich haben wir keinen einzigen solchen Film dabei.

 

 

Wir wünschen dem Team von DEATHCEMBER an dieser Stelle alles Gute und freuen uns schon auf den fertigen Film.

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Das Interview führte Dimitrios Charistes