08/09/2014

DAS SUPER STREET FIGHTER 2 TURBO CHAMPIONSHIP EDITION ALPHA-INTERVIEW MIT JOEY ANSAH IST DA!

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SHORYUKEN!

Im Gespräch mit dem neuen und ersten echten STREET FIGHTER-Papa, Joey Ansah

 

Joey Ansah, 1982 geboren, ist Schauspieler, Martial-Artist, Stunt-Choreograf, Produzent und Regisseur. Vor allem aber ist er ein Fan des Action- und Martial-Arts-Genres. Das Multitalent ist Experte in den verschiedensten Kampfsportstilen, und diese Begeisterung ist vor allem auf die Actionhelden seiner Kindheit zurückzuführen. Zu denen gehörten eben auch die Charaktere der STREET FIGHTER-Reihe, und nach zwei sehr dürftigen Umsetzungen des Mythos STREET FIGHTER nahm er sich persönlich des Projekts an. Schon das einfache Super-Nintendo-Spiel bot mit seinen Charakteren, den tollen Locations und der einfachen, aber nachzuempfindenden Geschichte so viel Potenzial für eine filmische Umsetzung, dass deren Scheitern nur mit einem Kopfschütteln quittiert werden konnte. War Van Dammes Film wenigstens noch unterhaltsam, aber dennoch albern, versuchte THE LEGEND OF CHUN LI dem Thema einen realistischeren Hintergrund zu geben, ging damit jedoch vollends baden. Ansah wollte STREET FIGHTER zurück zu den Ursprüngen, zur Mythologie und den Charakteren bringen, die es bei Gamern und Fans so beliebt gemacht haben, was bereits als gelungen bezeichnet werden kann. Als Fan, Regisseur, Schauspieler und Kampfsportler hatte er verschiedene Perspektiven auf die Umsetzung, die es ihm erlaubt haben, die verschiedensten Erwartungen zu respektieren. Die Fans haben STREET FIGHTER zu einem Erfolg gemacht, und jeder von uns hat seinen Lieblingscharakter im STREET FIGHTER-Universum, und bei einer Filmadaption möchte jeder seine Ansprüche befriedigt sehen. Ein sehr entspannter Joey stand uns im Interview-Duell Rede und Antwort.
Ready, steady, fight!

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Deadline:

Hallo Joey!

 

Joey Ansah:

Hallo Leo! Wie geht es dir?

 

Deadline:

Sehr gut. Ich bin gerade in Tschechien, in Karlovy Vary, auf dem Filmfestival hier. Es ist echt toll hier. Du warst selber schon an so vielen verschiedenen Orten auf der Welt zu Hause: England, Afrika und jetzt die USA. Wie ist es dazu gekommen?

 

Joey Ansah:

Bis ich neun war, bin ich in London aufgewachsen, dann bin ich für fünf Jahre mit meiner ganzen Familie nach Ghana gegangen. Mein Vater ist aus Ghana und meine Mutter aus England. Mit 14 bin ich dann zurück nach England gegangen, wo ich bis vor Kurzem noch gelebt habe. Ich bin gerade erst in den letzten Wochen nach L. A. gezogen. Aber ich war vorher schon elfmal in Los Angeles. Seitdem ich beim BOURNE ULTIMATUM mitgemacht habe, bin ich immer wieder hier. Aber London ist mein Zuhause. Ich bin in England aufgewachsen, ich liebe L. A., und auch Ghana hat einen großen Platz in meinem Herzen. Jeder von diesen Orten bietet etwas ganz anderes und hat einen Teil zu meiner Person beigetragen. Als ich aus Ghana zurückgekehrt bin, bin ich nicht nach London, sondern nach Plymouth gegangen, was wieder eine ganz andere Sache als London war. Ich habe überall Freunde, was sehr toll ist.

 

Deadline:

Wie bist du dazu gekommen, im Filmbusiness tätig zu sein?

 

Joey Ansah:

Ich war schon immer besessen von Martial Arts. Mein Vater hat immer Actionfilme ausgeliehen …

 

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Deadline:

… guter Vater!

 

Joey Ansah:

Ja, ganz genau. (lacht) Bruce Lee, Jackie Chan, Dolph Lundgren, diese ganzen Filme, nenn mir einen, und ich hab ihn gesehen! Mein Kino war das Action- und Sci-Fi-Kino, das Kino der Achtziger. Es war fantastisch, ich vermisse diese Tage. Als Kind war ich schon ein geborener Schauspieler und habe oft verrückt gespielt. (lacht) Später habe ich dann mit Martial Arts angefangen, mit 16 oder so habe ich dann gemerkt, dass ich besser als der Durchschnitt im Kampfsport war. Ich hatte diese verrückte Idee, in Filmen mitzuspielen, Stunts zu machen. Mit Stunts hat es also angefangen. Jeder Stuntman, der aus dem Kampfsportbereich kommt, will einmal Schauspieler und Actionstar werden. Sie lügen, wenn sie das Gegenteil sagen. Wenn du aufwächst und Bruce Lee, Jackie Chan und Van Damme siehst, dann willst du wie sie sein! Du willst nicht ihr Stuntdouble sein, du willst sie sein! Es gibt Gerüchte, dass Ray Park, der Darth Maul in STAR WARS – EPISODE I gespielt hat, ursprünglich als Stuntdouble für die Rolle vorgesehen war. Aber George Lucas hat ihn so sehr gemocht, dass er aus ihm den Charakter gemacht hat. Und da haben viele Leute gedacht, dass, wenn sie ein guter Stuntman sind, sie auch ein Actionstar werden können. Ich habe bei BATMAN BEGINS als Stuntman mitgewirkt, zu Beginn des Films, ich bin einer der Kämpfer in dem Kloster im Gebirge. Das war ein Weckruf für mich. Ich habe sechs Wochen auf dem Set von BATMAN BEGINS zugebracht. Ich habe Christian Bale und Liam Neeson gesehen und dachte: Das ist, was ich tun möchte! Ich liebte die Schauspielerei und dachte, wenn ich das lernen könnte und dazu meine Stunts und die ganze Action selber machen könnte, das wäre ein Traum. Nimm das Talent von De Niro und die physischen Fähigkeiten von Jackie Chan, zusammen wären sie der perfekte Schauspieler. Das ist, warum Tom Cruise so erfolgreich ist, er macht seine ganzen Actionszenen selbst und ist ein großer, dramatischer Schauspieler. Was er tut, ist verrückt. Nach BATMAN musste ich ein Schauspieler werden. Ich hörte auf, Stuntman zu sein, und konzentrierte mich darauf, ein ernsthafter Schauspieler zu werden. Ich machte ziemlich schnell meine Schauspielausbildung, und der Rest ist Geschichte. Mit 23 bekam ich die Rolle in DAS BOURNE ULTIMATUM, und das war mein großer Hollywood-Durchbruch. Danach ging es immer weiter, und jetzt sind wir hier.

 

Deadline:

Könntest du dich auf ein paar Namen festlegen, die für dich die größten Helden waren?

 

Joey Ansah:

Die ganzen gängigen Namen: Jackie, Bruce, Van Damme, Arnold, Stallone. Aber es entwickelt sich. Als ich klein war, sah ich zum ersten Mal Bruce Lee und mochte ihn nur ein bisschen. Der erste Film, den ich mit ihm sah, war GAME OF DEATH, sein letzter, eigentlich schrecklicher Film, da er so zerschnitten und nur teilweise mit dem echten Bruce Lee ist. Das ist eigentlich nicht der beste Weg, um Bruce Lee kennenzulernen. Es ist ein langweiliger Film mit wenigen Kämpfen. Der erste Jackie-Chan-Film dagegen war sehr aufregend, viel akrobatischer, viel spektakulärer für ein Kind. Erst als ich älter wurde und all die anderen Bruce-Lee-Filme sah, verstand ich, was dieser Mann eigentlich leistete. Ich habe alle seine Bücher gelesen. Die Bücher über Körperbeherrschung, Kampfsport und seine Gedanken sind wie eine Bibel für mich. Für die ganze Entwicklung meiner Lebensphilosophie und meiner Arbeitsethik muss ich Bruce Lee danken. Arnold und Stallone sind großartig und inspirierend auf der Leinwand, aber sieh dir mal an, was sie abseits von der Leinwand getan haben! Wahnsinn, wie sie ihre Leute bekommen haben, und so inspirierend.

 

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Deadline:

Wie ist das STREET FIGHTER-Projekt ins Rollen geraten?

 

Joey Ansah:

Ich habe die ersten beiden Adaptionen so sehr gehasst. Als THE LEGEND OF CHUN LI herauskam, habe ich nur gedacht, dass das verrückt sei. Wir haben erwartet, dass die Dinge besser werden nach dem Van-Damme-Film. Sie haben versucht, es ernsthafter zu machen, in einer näheren Realität, aber am Ende fühlt es sich noch weniger wie ein STREET FIGHTER-Film an als der erste. Und ich habe mich gefragt, wie wir wieder zurückgehen könnten, da wir ja sogar noch weiter vom ursprünglichen Konzept abgekommen sind. Ich hatte das Gefühl, dass sie mit Absicht versuchten, der Marke zu schaden. Ich konnte es einfach nicht aushalten und dachte: Irgendjemand muss es tun, und es werden aller Ansicht nicht die sein, die in Hollywood etwas zu sagen haben. Ich war gerade so selbstbewusst und überzeugt von meinen eigenen Fähigkeiten, dass ich dachte: Lasst es uns anpacken! Ich habe damals mit Christian Howard zusammengewohnt, der Ken gespielt hat, und hatte gerade eine Webserie für Sony mit dem Titel THE CELL 2 gemacht. Darin gab es auch Action, und so dachte ich, dass das Format der Serie vielleicht geeigneter für STREET FIGHTER wäre. Also habe ich mit Chris zusammen angefangen, die Geschichte zu schreiben, und ihm vorgeschlagen, Ken zu spielen. Chris ist ein großartiger Künstler und macht sehr gute Storyboards, so fing es an. Wir schrieben die Geschichte für STREET FIGHTER: WORLD WARRIOR und gingen damit zu Capcom, aber mussten erfahren, dass Capcom USA kein Geld zum Investieren dafür hatte und wir damit besser zu Capcom Japan gehen müssten. Aber es kam gerade ein neues Spiel heraus, SUPER STREET FIGHTER 4, und dafür würden sie ein Marketingbudget haben. Sie schlugen uns also vor, davon einen Teil zu nehmen und einen Kurzfilm zu machen. Lange Rede, kurzer Sinn, wir bekamen etwas Geld von den Marketingabteilungen von Capcom USA und Capcom Europe für STREET FIGHTER: LEGACY, und der Film wurde etwa zeitgleich mit dem Spiel veröffentlicht. Nachdem dieser erfolgreich war, arbeitete ich mit meiner Produzentin, Jacqueline Quells, daran, das Geld für STREET FIGHTER: ASSASSIN’S FIST zusammenzubekommen. Und jetzt sind wir hier.

 

Deadline:

Hast du als Kind STREET FIGHTER gespielt?

 

Joey Ansah:

Ich hatte als Kind nie einen Super Nintendo, ich war immer ein Sega-Kind. Ich hatte den Game Gear und das Master System. Aber als das Mega Drive rauskam, mit der STREET FIGHTER CHAMPIONSHIP EDITION und dann SUPER STREET FIGHTER, und sie hatten ja diesen 6-Knöpfe-Controller, das war revolutionär.




WEITER

 

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Deadline:

Welches war dein Lieblingscharakter?

 

Joey Ansah:

In den ersten Spielen war es Guile. Ich mochte Ryu und Ken, aber Guile mochte ich immer am liebsten, und ich bin immer noch ein Guile-Spieler. Als dann Akuma zu den Charakteren dazukam, begann er für mich, Guiles Platz einzunehmen.

 

Deadline:

In STREET FIGHTER: LEGACY wird Ryu von John Foo gespielt, der auch die Hauptrolle in TEKKEN hatte, und er gefällt mir sehr. Warum war er nicht bei ASSASSIN’S FIST dabei?

 

Joey Ansah:

John kannte ich schon seit vielen Jahren. Viele Leute wissen nicht, dass wir jahrelang zusammen trainiert haben, in London. Gymnastik und solche Sachen. Als es dann um LEGACY ging, dachte ich, dass John ein guter Ryu sein würde. Er ist ein phänomenaler Martial-Artist. Er kam und machte LEGACY. In der darauffolgenden Zeit entstand eine Art Konflikt, da er ja die Hauptrolle in TEKKEN gespielt hatte. Capcom war besorgt, denselben Schauspieler zu haben, der bei der Konkurrenz von TEKKEN dabei war. Deswegen musste ich ihn schließlich von der Liste der Kandidaten streichen.

 

Deadline:

Was waren deine Hauptziele bei der Umsetzung von STREET FIGHTER? Natürlich wolltest du der Spielreihe treu bleiben, aber schließlich muss man ja immer irgendwo Abstriche machen.

 

Joey Ansah:

Ich wollte tief in die STREET FIGHTER-Mythologie hineingehen. Ich wollte der Welt und der Industrie beweisen, dass Videospiele sehr wohl eine tiefgründige Geschichte und Charaktere haben können. Deswegen sind die filmischen Umsetzungen von den Spielen immer so scheiße, da die Autoren nicht die Mythologie der Charaktere verstehen. Ich wollte Charaktere zeigen, zu denen du wirklich eine Beziehung aufbauen kannst. Sogar im Spiel, wo du nur diese zweidimensional animierten Anime-Charaktere hast, wirken sie lebendig. Ich wollte ihnen einen Hintergrund geben, ohne dabei von ihrem äußeren Aspekt und den Identifikationspunkten wegzugehen. Das war die Herausforderung. Und nach der Reaktion der Leute zu urteilen, ist uns das gelungen. Es war ein großer Erfolg. Ich wollte für Videospielfilme das tun, was Christopher Nolan für Comicverfilmungen getan hat. BATMAN BEGINS ist so eine gute Charakterstudie. Es ist eine Detektivgeschichte, in der der Held als Fledermaus und der Böse als Clown verkleidet ist, wenn man an THE DARK KNIGHT denkt. Das nimmt den Zuschauer mit, egal, ob er ein Fan der Vorlage ist oder nicht.

 

Deadline:

Wie bist du auf die Geschichte von ASSASSIN’S FIST gekommen?

 

Joey Ansah:

Das ist eine gute Frage! Das Capcom-Universum von STREET FIGHTER ist unglaublich komplex. Die Story hat sich mit jedem neu erschienenen Spiel verändert. Sie haben immer mehr zu der Hintergrundgeschichte hinzugefügt. Die ALPHA-Serie, die erst später erschien, spielt zum Beispiel vor den ersten Teilen. Viele Kids beschweren sich zum Beispiel, dass Ken in ASSASSIN’S FIST am Anfang lange Jahre hat, aber würden sich diese Idioten mal ein bisschen Zeit für die Geschichte von STREET FIGHTER nehmen, würden sie sehen, dass Ken ursprünglich lange Haare hatte. Genauso, wie er auch am Anfang ein weißes Haarband hatte. Es gab drei wichtige STREET FIGHTER-Animes: STREET FIGHTER 2, STREET FIGHTER ALPHA und STREET FIGHTER ALPHA: GENERATIONS. Und nur Letzterer erzählt etwas über die Vergangenheit von Goken und Goki und darüber, wie Akuma entstanden ist. Wir haben versucht, die Elemente der Prologe und Epiloge des Spiels zu nehmen und sie um diese Geschichte zu ergänzen, um eine definitive Hintergrundgeschichte zu erschaffen. Hoffentlich gibt es von diesem Punkt an keine Verwirrung mehr um die Hintergundgeschichte von STREET FIGHTER. Ich hoffe, dass Fans das so sehen.

 

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Deadline:

Was waren deine Gedanken beim Casting? Stand für dich mehr im Vordergrund, dass die Schauspieler Kampfsportler waren oder dass sie den Figuren ähnelten?

 

Joey Ansah:

Das ist sehr hart, Leute zu finden, die so aussehen wie die Charaktere, die physischen Fähigkeiten dafür besitzen und auch noch schauspielern können. Man muss auch sehr aufpassen, was Verletzungen angeht, wenn die Schauspieler all ihre Stunts selber machen. In einer idealen Welt würde ich alle Actionszenen für das Ende des Drehs ansetzen, dann wäre es nicht ganz so schlimm für die Geschichte, wenn sich jemand verletzt. Aber das Leben ist nun mal nicht ideal. Den Ryu-Ken-Fight haben wir ans Ende gesetzt, da er der größte und wichtigste war. Es gab keine Stuntdoubles, und das bedeutet einen hohen Druck. Du gehst an deine Grenzen und darfst dich dabei nicht verletzen. Mike Moh hatte sich kurz vor Drehbeginn am Knöchel verletzt, weil er ständig trainiert hat, und wir haben ihn ständig massiert. Eines Tages hatte er beim Training vor einen harten Sandsack getreten und ist dabei umgeknickt. Er konnte seinen Knöchel nicht mehr bewegen, einen Tag vor den Dreharbeiten. Wir wussten nicht, was wir tun sollten. Wenn man sich nun den Film ganz genau ansieht, kann man seine Verletzung ein bisschen erkennen. Aber wir haben es alles geschafft. Mike Moh war bereits ein großartiger Martial-Artist, genauso wie Chris Howard. Über mich habe ich mir keine Sorgen gemacht. Goken und Goki kamen direkt aus Japan, und wir kannten sie noch nicht so gut und waren uns nicht ganz sicher über ihre Fähigkeiten, aber sie waren großartig, genauso wie Togo Igawa, der bereits 67 Jahre alt ist. Er ist kein Martial-Artist, aber so ein guter Schauspieler, dass wir ihm die Rolle geben mussten. Mit 67 ist es nicht einfach, bestimmte Sachen zu machen, und wir mussten sehr aufpassen. Es könnte fatal sein, wenn man ihn zu hart trifft in einem Kampf. Aber man hat immer Spannung in so einem Film, aber wir sind sehr zufrieden, wie alles gelaufen ist.

 

Deadline:

Aus deiner Sicht als Martial-Artist, wie realistisch sind die Moves in den STREET FIGHTER-Spielen?

 

Joey Ansah:

Wir haben keine Drahtseile für die Kämpfe benutzt, nicht einmal für den Tatsumaki, den Ken am Ende der zweiten Episode macht. Klar, im Spiel macht er vielleicht ein oder zwei Umdrehungen mehr, aber ich habe in echten Turnieren Leute gesehen, die durch diesen Move ausgeknockt wurden. Die Moves sind möglich, auch ein einfacher Shoryuken, genauso wie der Uppercut. Die Kampfszenen sehen sehr realistisch aus. Es sind authentische Kämpfe mit den Stilen aus dem Spiel. Nur für die großen Shoryukens haben wir Drahtseile benutzt und für eine Szene, in der Ken von Ryu gekickt wird und er nach hinten fliegt. Für die Szene habe ich mich um die Drahtseile gekümmert, denn es war so spät, dass das Stuntteam bereits nach Hause gegangen war. Ich fand ein paar Kletterseile und habe sie an Chris’ Rücken befestigt. Dann bin ich zur Kamera gerannt, habe Action gerufen, bin wieder zurück zu Chris gerannt und habe nach Mikes Kick Chris an den Seilen nach hinten gezogen, dann zurück zur Kamera und weiter mit der Szene. Ich habe also wirklich alles gemacht. (lacht)

 

Deadline:

Gibt es für dich eine tiefere Philosophie in STREET FIGHTER?

 

Joey Ansah:

Im Film geht es viel um Dualität, den Kampf und darum, durch totale Zerstörung zu zeigen, dass man gewonnen hat, was Akumas Einstellung ist. Goken sieht das anders, auch er will die Tradition des Kampfes weiterführen, aber ohne dieses tödliche Element. In Friedenszeiten ist das tödliche Konzept von Kriegen nicht mehr relevant. Der soziologische Unterton in STREET FIGHTER ist schon beinahe religiöser Fundamentalismus. Goki will den alten Lehren aus einer längst vergangenen Zeit wie einer Bibel folgen und wird zu einer Art Fundamentalist. Goken nimmt diese Lehren mehr als leichte Richtlinien, die sich aber auch der aktuellen Zeit anpassen müssen. Das ist wie in der realen Welt, einige Dinge der Religionen von vor Tausenden von Jahren sind einfach nicht mehr relevant.

 

Deadline:

War es deine Idee, das Foto von Schwarzenegger in das Zimmer von Ryu und Ken zu hängen?

 

Joey Ansah:

Oh, sehr gut bemerkt! Wir sind alle große Arnold-Fans. (lacht und imitiert Schwarzenegger, indem er sagt: „It is so good to see you!“) Wir wollten viele kleine Dinge aus den Achtzigern in dem Raum haben, ein CLOCKWORK ORANGE- und ein Michael-Jackson-Poster gibt es auch, sogar Sonny Chiba.

 

Deadline:

Vor den Online-Episoden sieht man kurz das Logo von Honda, war der Automobilhersteller involviert in die Produktion?

 

Joey Ansah:

Nicht direkt, aber ASSASSIN’S FIST war für einen bestimmten Zeitpunkt für das Publikum auf der Plattform Machinima verfügbar, eine werbefinanzierte Plattform. Und die haben einen Vertrag mit Honda gemacht, was ja auch ganz gut passt, da Honda und STREET FIGHTER beide starke japanische Marken sind.

 

Deadline:

Wie geht es jetzt weiter mit dem STREET FIGHTER-Franchise nach ASSASSIN’S FIST?

 

Joey Ansah:

ASSASSIN’S FIST wird auf vielen Plattformen erscheinen. Zuerst war sie auf Machinima, jetzt wird sie bald ins Fernsehen kommen. Da wiederum auch in verschiedenen Formaten. Wir haben einen Schnitt mit sechs Episoden und eine Langfilmversion mit 105 Minuten verkauft, und sie können entscheiden, was sie senden. Und dann gibt es natürlich die verschiedenen VOD-Plattformen sowie die DVD und Blu-ray. Ich liebe die Blu-ray, denn sie hat auch eine lange Spielfilmversion, in der alle Folgen zusammengeschnitten wurden, und man kann zu jedem Zeitpunkt spezifisches Bonusmaterial während des Ansehens abrufen. Es wird Deleted Scenes, Behind the Scenes und verschiedene Clips geben, auch einen Audiokommentar von mir.

 

Deadline:

Bevorzugst du das Serienformat oder den Spielfilm?

 

Joey Ansah:

Gute Frage. Wir haben versucht, etwas zu schaffen, was gut als Sechsteiler, Zwölfteiler und 105-minütiger Spielfilm und längerer Director’s Cut funktioniert. Das Publikum wird der Richter sein und zeigen, welche Version die beste ist.

 

Deadline:

Ich hoffe sehr, dass die Serie ein Erfolg wird und es weitere Episoden geben wird, denn sie hat STREET FIGHTER endlich so umgesetzt, wie es sein sollte, aber stellt ja gewissermaßen nur den Beginn der Geschichte dar.

 

Joey Ansah:

Ja natürlich. Ich habe auch schon viele konkrete Ideen, Konzepte und Texte, wie es weitergehen soll. Wenn die Nachfrage da ist, es wirtschaftlich sinnvoll ist, dann würden wir es gerne mit einem größeren Budget in einer anderen Größenordnung umsetzen. Wenn das Publikum mehr sehen will, dann müssen sie uns helfen und die Serie unterstützen, das Merchandise und die Serie kaufen. Wir verdienen keinen Cent an den Einnahmen, aber sie würden einer Weiterführung des Projekts zugutekommen.

 

Deadline:

Vielen Dank für das schöne Interview. Ich treffe mich gleich mit Franco Nero, kennst du seinen ENTER THE NINJA?

 

Joey Ansah:

Ja klar, cool! Grüß ihn von mir! (lacht)

 

Interview geführt von Leonhard Elias Lemke

 

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