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03/12/2015

DAS DORF DER VERLORENEN JUGEND

(OT: BRIDGEND)
Regie: Jeppe Ronde / DK,GB 2015 / 95 Min.
Darsteller: Hannah Murray, Steven Waddington, Adrian Rawlins, Josh Oconnor, Nia Roberts, Adam Byard
Freigabe: FSK
Verleih: Eksystent Distribution
Start: 10.12.2015

 

Bereits als kleines Kind hat Sara (Hannah Murray) ihre Heimatstadt Bridgend verlassen – eine kleine Bergbaugemeinde in Wales. Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie dorthin mit ihrem Vater zurück. Nicht aber aus purer Lust an der Freude, sondern weil Saras Papa Polizist ist und dorthin versetzt wurde. Ihm obliegt die Aufgabe zu klären, weshalb sich in der wenige Einwohner starken Stadt innerhalb der letzten fünf Jahre über 70 Menschen – zumeist Jugendliche – umgebracht haben und ob die Suizide in irgendeinem Zusammenhang stehen. Seine zügig gestarteten Ermittlungen kommen jedoch nur schwer in Gang. Parallel dazu versucht Sara in ihrer alten Heimat emotional Fuß zu fassen. Doch dies ist gar nicht so einfach, denn die meisten begegnen ihr mit großer Skepsis, weil sie sich fragen, weshalb sie bereit war, mit ihrem Vater nach Bridgend zurückzukehren, obwohl sie auch in einer Großstadt hätte bleiben können. Erst als Sara den hübschen Jamie kennenlernt und sich sogleich in ihn verliebt, scheint sich für sie die Lage zum Positiven zu wenden.

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Aus der realen Geschichte, welche DAS DORF DER VERLORENEN JUGEND zugrunde liegt und welche nie vollständig aufgeklärt werden konnte, hätte man ohne Probleme einen ziemlich reißerischen Film machen können – einen blutreichen Thriller, Okkultismuswirrwarr oder einen ganz klassischen Horrorfilm. Doch die Macher des walisischen Dramas wählen einen anderen Weg. Statt mit lauten Tönen, kommt DAS DORF DER VERLORENEN JUGEND sehr leise daher. Zudem tritt das Rätsel um die vielen mysteriösen Selbstmorde zunächst scheinbar vollständig in den Hintergrund.

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Vielmehr realisiert Regisseur Jeppe Ronde ein unter die Haut gehendes Coming-of-Age-Drama, welches zugleich ein Porträt einer Generation ist, die in einer trostlosen Gegend aufwachsen muss, in der es scheinbar keine Zukunftsperspektiven gibt – nichts, wofür es sich zu leben lohnt, außer dem Zusammenhalt unter Freunden. Magnus Nordenhof Joncks sehenswerte Kameraarbeit verstärkt mit grandiosen, verstörenden Bildern zudem einerseits die Trostlosigkeit, die die jungen Leute empfinden, zugleich gelingt es ihm aber auch aufgrund seiner tollen Stilistik zu zeigen, wie schön die Gegend und überhaupt das Leben trotzdem sein kann. Die Musik wiederum unterstreicht die sensible Ader der Hauptfigur Sara, die von Hannah Murray (DARK SHADOWS) sehenswert verkörpert wird.

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Die inneren Zweifel stellt sie für den Zuschauer gut sichtbar heraus, insbesondere der Konflikt mit ihrem Vater ist glaubwürdig geschildert, wenngleich die Macher dafür keine oder nur sehr kurze Dialoge benötigen. Auch wenn Jeppe Ronde auf niemanden mit dem ausgestreckten nackten Finger zeigt, wird in der Beziehung zwischen Sara und ihrem Vater zudem unterschwellig deutlich, worin er bzw. die Produzenten die (Haupt-)Ursache für die überraschend vielen Selbstmorde in Bridgend sehen. Insofern ist DAS DORF DER VERLORENEN JUGEND jedem zu empfehlen, der auf beklemmende Sozialdramen steht, nicht aber denjenigen, die sich bei Kenntnis der Geschichte einen effektreichen Thriller erhoffen. (Heiko Thiele)

 

Ebenso bewegende wie ungewöhnliche Coming-of-Age-Story