10/10/2014

COWABUNGA, IT IS TMNT! – Im Gespräch mit Megan Fox und Will Arnett

'Teenage Mutant Ninja Turtles' Berlin Photocall

Im Zentrum eines Films wie TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES stehen natürlich die vier grünen, gepanzerten Helden. In Zeiten neuester Motion-Capture-Technik wirken sie fast so real wie ihre menschlichen Mitstreiter, aber eben auch nur fast.
Damit tragen die Darsteller um Megan Fox (April O’Neil) und Will Arnett (Vernon Fenwick) eine große Verantwortung, um für die Glaubwürdigkeit der Story – sofern dies bei dieser Thematik überhaupt möglich ist – einzustehen und den Zuschauer emotional mitzunehmen. Dabei gilt vor allem Megan Fox nicht gerade als Charakterdarstellerin, doch ein herausragendes Talent bei der eigenen Präsentation und der Verkörperung von Figuren in Filmuniversen wie denen der TURTLES und der TRANSFORMERS können ihr auch die größten Kritiker nicht absprechen. Diese Filme stehen für die ach so oft kritisierte Megaunterhaltung, die jedoch schon immer ein Stein des Anstoßes beim Kino war. Kino soll (auch) unterhalten und durch Bilder faszinieren. TMNT befriedigt das auf ganzer Linie. Natürlich auch dank Frau Fuchs …
Fox und Arnett standen bereits bei dem gar nicht mal schlechten, aber gefloppten JONAH HEX gemeinsam vor der Kamera, und möglicherweise hat dies der Chemie zwischen ihnen im TURTLES-Abenteuer gutgetan. Besitzt Megan Fox vor allem optische Schauwerte, gelingt es Arnett, den Komikbogen nicht zu überspannen und bei allen augenzwinkernden One-Linern dennoch nicht albern zu wirken. Genug Serienerfahrung bringt er dafür auch mit.
Wenn man sich im Interview auch keine intimen Details erhoffen darf, so fand es dennoch in einer entspannten Atmosphäre statt, und es war schön zu sehen, wie sehr den beiden die Turtles wirklich (!) am Herzen liegen. Und wenn man sich mal das Konzept und die Wahnwitzigkeit der Story durch den Kopf gehen lässt, ist das gar keine Selbstverständlichkeit, sondern irgendwie auch ein mutiger Genrefilm. Irgendwie.

 

 

DEADLINE:

Was habt ihr beiden gedacht, nachdem ihr das Drehbuch gelesen hattet?

 

Megan Fox:

Mir ging es nicht so sehr um das Drehbuch an sich, sondern um das ganze Thema. Ich habe mich mit den Turtles noch so vertraut gefühlt, ich bin ja mit der Zeichentrickserie aufgewachsen. Für mich war es nicht wichtig, was im Drehbuch passiert oder wo die Geschichte angesiedelt ist, ich wollte nur Teil dieses neuen Abenteuers der Turtles sein.

 

Will Arnett:

Ich wusste, dass, wenn Michael Bay sich des Themas annimmt, es ein Projekt mit Hand und Fuß sein wird. Er würde den Turtles einen neuen Anstrich verpassen und dabei den Wurzeln treu bleiben. Natürlich erwartet heute das Publikum viel mehr in Bezug auf Action und Effekte als in der Zeit, als die ersten drei Kinofilme erschienen sind. Ohne Zweifel gibt es im Moment niemanden, der besser ist in dieser Art der Umsetzung von Filmen als Michael Bay. Ich denke, wir wussten beide, dass es aufregend sein würde, ein Teil dieses Projekts zu sein.

01

DEADLINE:

Ist es schwieriger, die bestehenden Fans der Turtles von dem neuen Film zu überzeugen oder neue Anhänger hinzuzugewinnen, die vorher noch nicht mit dem Turtles-Universum in Kontakt gekommen sind?

 

Will Arnett:

Das sind beides schwierige Aufgaben. Ich habe viel mit Megan darüber gesprochen, dass es eine fast negative Erwartungshaltung in Bezug auf diesen Film gibt. Wir leben in einer Welt, in der die sogenannten Fanboys alles kommentieren und ihre Meinung sofort verbreiten. Unsere und auch Michael Bays Einstellung war es, zu uns selbst zu sagen: Entspann dich, es wird schon alles gut ausgehen. Ich glaube, wir haben einen ziemlich guten Job beim Zufriedenstellen dieser Leute gemacht.
Meine Jungs schauen die Turtles-Serie, die gerade im Fernsehen läuft, und sind damit eher neue Fans. Für sie ist der Film wie eine Explosion von tollen Sachen, die man sich anschauen kann.

 

DEADLINE:

Wie waren für euch die Dreharbeiten mit der Motion-Capture-Technik, in der aus den menschlichen Darstellern erst im Anschluss die Turtles werden?

 

Megan Fox:

Die vier Schauspieler, welche die Turtles spielen, haben die Arbeit sehr erleichtert. Sie sind wirklich gute Darsteller und haben sich vollkommen mit ihren Figuren identifiziert, die Dialoge gesprochen und die Bewegungsabläufe der Turtles übernommen. Dennoch war es für mich nicht immer einfach, das fertige Produkt während der Arbeit zu visualisieren. Während der Verfolgungsjagd im Schnee fiel es mir zum Beispiel sehr schwer zu verstehen, wie sie später im Film aussehen würde. In diesem Moment ist es nicht ganz einfach zu schauspielern.

 

Will Arnett:

Ja, die Tage während der Schneesequenz waren für uns Schauspieler besonders anspruchsvoll.

 

DEADLINE:

Nach dem Comic gab es ja zuerst die Zeichentrickserie und dann im Anschluss die drei Kinofilme. Megan, wie war es für dich als Kind und Fan der Turtles, als in den Neunzigern die ersten Realfilme erschienen sind?

 

Megan Fox:

Ich habe als Kind zuerst die Kinofilme und dann erst die Zeichentrickserie gesehen. Ich habe eine zwölf Jahre ältere Schwester, und alles, was sie damals mochte, war für mich das Coolste auf der Welt. Für mich war – und vielleicht ist es das noch – THE SECRET OF OOZE mein Lieblingsfilm. (lacht) Ich könnte ihn mir immer und immer wieder ansehen. Die Turtles haben einfach so etwas Besonderes an sich. Für mich kommen sie aus einer Zeit, den Neunzigern, in der ich keine Verantwortung zu tragen hatte und mich als Kind ganz frei fühlte.

'Teenage Mutant Ninja Turtles' Berlin Photocall

 

 

 




WEITER

048

DEADLINE:

Welcher ist euer Lieblingsturtle?

 

Megan Fox:

Ich habe Michelangelo schon immer am meisten gemocht. Er ist der Lustigste, und er macht sich keine Gedanken darüber, wie er rüberkommt, sondern ist immer er selbst. Er ist am wenigsten daran interessiert, die Gruppe anzuführen. Die anderen wollen alle Verantwortung tragen, aber ihm ist das egal, er ist nur an Pizza und netten Mädchen interessiert.

 

Will Arnett:

Meiner ist Leo. Eben gerade weil er der Anführer ist.

 

DEADLINE:

Wie reagieren die Leute, wenn ihr ihnen erzählt, dass ihr in einem Film mit TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES spielt?

 

Will Arnett:

Zunächst einmal ist es sehr schwierig, jemanden auf diesem Planeten zu finden, der die Turtles noch nicht kennt. Aber ich glaube, im Film war der härteste Moment für Megan, als sie mich und Whoopi Goldberg von der Existenz der Turtles überzeugen musste. (lacht) Kevin Eastman, der vor 34 Jahren die Turtles erschaffen hat, kreierte satirische, eigentlich fast unmögliche Superhelden. Sie sind Schildkröten, Jugendliche und Ninjas, absurd. Aber es funktioniert, wir nehmen sie ernst. Andere Superhelden sind ähnlich absurd, doch auch sie werden ernst genommen. Es ergibt also nur Sinn, wenn man diesen Figuren auch eine komödiantische Seite gibt, die anderen Helden oft fehlt.

dd

DEADLINE:

Angesichts der Thematik, der Zielgruppe und der verschiedenen Vorgaben war ich überrascht, wie verhältnismäßig ernst und an einzelnen Stellen auch düster der Film ist. Als damals der erste Kinofilm erschien, wurde er stellenweise als zu brutal aufgefasst, und die späteren zwei wurden diesbezüglich etwas abgeschwächt. Wie wurde diesmal an das Thema herangegangen?

 

Will Arnett:

Ja natürlich, es gibt auch ernste Momente. Die brauchst du, um eine gute Geschichte zu erzählen. Die Zuschauer fordern auch diese Seite der Turtles.

 

Megan Fox:

Aber ich denke, dass er immer noch passend für Kinder ist, ab sechs Jahren müssten ihn eigentlich alle sehen können, er ist jetzt nicht wirklich brutal.

 

Will Arnett:

Bei dieser Art Film ist es in Ordnung, einen gewissen Grad an Gewalt zu haben, ohne dass man die Verletzungen oder Tötungen wirklich sieht. Ich denke, die Filmemacher haben hier sehr gute Arbeit geleistet im Umgang mit der Gewalt. Sie wird gezeigt, aber nicht glorifiziert. Sie haben versucht, alles dennoch unterhaltsam und leicht verdaulich zu gestalten.

 

Megan Fox:

Er ist wirklich nicht sehr brutal. Im Prinzip stirbt auch niemand; wenn man so will, tötet der Foot-Clan seine Opfer nicht, sondern schlägt sie nur bewusstlos.

 

DEADLINE:

Was konntest du von deiner Seite für April O’Neils Charakter einbringen?

 

Megan Fox:

Darauf habe ich kaum einen Einfluss. Mein Job ist es, das zu liefern, was die Produzenten und die Regisseure von mir erwarten. Bei diesen hochbudgetierten Filmen habe ich nur wenig mit der Gestaltung des Charakters zu tun, wie das vielleicht bei Arthouse-Filmen der Fall wäre. Ich denke, es war für alle wichtig, April so zu zeigen, wie wir sie bisher immer gesehen haben. Und wir haben sie auf ganz verschiedene Arten und Weisen gesehen. Es wurde versucht, die unterschiedlichsten Elemente von ihr vom Comic, von der Zeichentrickserie und von den Filmen in die neue April einfließen zu lassen. April versucht, sich selbst ernst zu nehmen, aber niemand nimmt sie ernst. Sie ist mutig und bereit, die Anerkennung anderer für sie aufs Spiel zu setzen, um ihre Ziele zu erreichen.

019

DEADLINE:

Wie war es, in New York zu filmen?

 

Will Arnett:

Es ist unglaublich schwierig, in New York auf dem Times Square zu drehen. Man kann für eine kurze Zeit, ein paar Minuten, ein kleines Areal abriegeln, aber im Umkreis und sofort danach ist man wieder umgeben von Millionen von Leuten. Eine der ersten Szenen im Film, in der ich Megan bei einer Sportübung filme, ist in der Mitte vom Times Square gedreht wurden. Wir konnten nur einen Platz von etwa 50 Quadratmetern absperren, und überall drumherum waren Leute und Paparazzi, die versucht haben, Megan zu fotografieren, während wir drehten.

 

Megan Fox:

Am Ende des Tages hatte ich eine Panikattacke. Es war wie in einem Zoo, und wir waren für zwölf Stunden im Zentrum des Ganzen. Ich habe einfach nur geweint am Ende des Tages. Man versucht, seine Emotionen ganz tief in sich zu vergraben, aber das gelingt eben auch nicht immer.

 

DEADLINE:

Die Produzenten haben bereits verkünden lassen, dass sie auch einen zweiten Teil machen werden. Wieder mit euch?

 

Megan Fox:

Normalerweise ja. Ich möchte sehr gerne.

 

Will Arnett:

Ich genauso.

 

DEADLINE:

Will, hat dein Sohn den Film gesehen?

 

Will Arnett:

Mein Sohn ist fast sechs, ich hatte ihn auf meinem Schoß, damit ich ihn immer festhalten und ihm sagen konnte: „Jetzt wird Megan gleich von hinten überfallen“ oder „Jetzt gibt es gleich eine Explosion“, damit er sich nicht zu sehr erschreckt.

 

DEADLINE:

Vielen Dank für das Interview!

 

 

Interview geführt von Leonhard Elias Lemke

 

 

Ein Review könnt ihr hier lesen:

http://www.deadline-magazin.de/teenage-mutant-ninja-turtles-2/

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