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24/04/2019

AVENGERS: ENDGAME

Regie: Anthony Russo, Joe Russo / USA 2019 / ca. 180 Min.

Darsteller: Chris Evans, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Josh Brolin, Brie Larson, Paul Rudd, Jeremy Renner, Chris Pratt, Chris Hemsworth u. a.

Freigabe: FSK 12

Verleih: Disney, Marvel Studios

Start: 26.04.2019

 

Der im November verstorbene Stan Lee, jener stilbildende Künstler der Comic-Branche, hat einmal gesagt, dass für ihn ein Superheld sich nur zu einem Teil durch seine Kraft auszeichnet. Vielmehr definieren sich Spider-Man, Iron Man oder Scarlet Witch durch ihre Menschlichkeit, die sie auch einmal Fehler begehen lässt, aber weitab von der etwas theatralischen Erhabenheit eines Supermans ist. Den immer wieder aufkeimenden Grabenkämpfen vieler Comicfans zum Trotz, fest steht, dass Lee mit seiner Definition des Helden ein Phänomen geschaffen hat, welches Filmwissenschaftler Michael Gruteser als „Magic Marvel Moments“ beschreibt.

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Dass dieses Konzept mittlerweile eines der globalen Erfolgsrezepte ist, lässt sich nicht verleugnen. Über kaum einen Film wird in diesen Tagen mehr berichtet und gemunkelt als über die Fortsetzung zu AVENGERS: INFINITY WAR, dessen Ende für viele Fans wie ein Faustschlag kam. Neben dieser Geschichte geht auch eine Ära zu Ende, was den Zusatz ENDGAME doppeldeutig werden lässt. Jüngst gab Marvel-Chef Kevin Feige zwar bekannt, dass die dritte Phase des MCU erst mit SPIDER-MAN: FAR FROM HOME zu einem Schluss kommen soll, doch einige der prägenden Darsteller des Universums haben bereits ihren Abschied angekündigt. Neben Mark Ruffalo und Robert Downey Jr. hat auch Chris Evans bereits im Vorfeld gesagt, dies werde das letzte Mal sein, dass er als Marvel-Held auf der Leinwand zu sehen sein wird.

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Basierend auf diesen Faktoren erwartet man von AVENGERS: ENDGAME ein fulminantes Finale des Kampfes gegen den schier übermächtigen Thanos (Josh Brolin), insbesondere da die Avengers noch Unterstützung durch Captain Marvel (Brie Larson) erhalten. Doch zunächst einmal müssen die nach dem verheerenden Ende der ersten Schlacht gegen Thanos ihre Wunden lecken.

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Geschwächt vom Verlust ihrer Gefährten, schmieden die noch übrigen Avengers, angeführt von Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.), Steve Rogers/Captain America (Chris Evans) und Black Widow (Scarlett Johansson), einen verzweifelten Plan, um das Geschehene wieder rückgängig zu machen. Hierbei erhalten sie unerwartete Hilfe von vermissten oder totgeglaubten Mitstreitern: Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd) und Clint Barton/Hawkeye (Jeremy Renner). Doch Thanos zu finden und zu stellen ist nach wie vor schwierig, insbesondere ohne die Infinity-Steine, die eine wichtige Rolle bei ihrem Vorhaben spielen.

Entgegen seinem Vorgänger ist AVENGERS: ENDGAME ein sehr viel ruhigerer, stellenweise sehr intimer Film. Vor allem in der ersten Hälfte gehen die Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely eher den Einzelschicksalen nach, wobei jeder der Helden anders mit den traurigen Verlusten durch Thanos‘ fatalen Fingerschnipser umgeht. Die Welt, die sie vor einem solchen Schlag schützen sollten, ist nicht nur eine andere, sondern – wie schon in den vorherigen Filmen des MCU – ein Spiegel der Fehler, die sie gemacht haben. Von daher ist die überraschende, aber auch logische Konsequenz aus dem ersten Film ein außerordentlich dunkler Film, der eine Welt zeigt, die ihre verlorene Hoffnung erst wiederfinden muss.

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Darüber hinaus zeigt sich die erzählerische Qualität des Films, der jedem Mitwirkenden des gewaltigen Ensembles einen Glanzmoment gibt. Im Fokus stehen natürlich die „Ur“-Avengers, insbesondere die einstigen Rivalen Tony Stark und Steve Rogers, deren Konflikt aus CIVIL WAR sich naturgemäß aufgrund der Vorkommnisse erneut verschärft. Schauspielerisch geben Evans und Downey Jr. hier mit Abstand ihre beste Leistung in ihren jeweiligen Rollen ab.

 

Natürlich hat AVENGERS: ENDGAME auch einiges fürs Auge zu bieten. Neben den Humorspitzen, für die abermals Charaktere wie der im Original von Bradley Cooper gesprochene Rocket sorgen, gibt es die technisch einwandfrei inszenierten Kämpfe, die sich abermals nicht mehr nur auf der Erde abspielen. Gerade in der zweiten Hälfte darf man sich hier auf einiges gefasst machen, aber sich genauso über viele Anspielungen auf andere Einträge aus diesem unglaublich großen Erzähluniversum des MCU freuen.

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Schlussendlich bietet AVENGERS: ENDGAME Unterhaltung auf höchstem Niveau. Trotz der Fülle an Figuren funktioniert der charakterbetonte Ansatz dieses Films genauso wie die obligatorischen Massenszenen. Für das Endspiel hat sich Marvel einiges einfallen lassen und hat einen mehr als würdigen (Beinahe-)Abschluss der dritten Phase seines Erzählkosmos gefunden. (Rouven Linnarz)

 

Ein wahrer Magic Marvel Moment