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20/01/2017

XXX – RETURN OF XANDER CAGE

Regie: D. J. Caruso / USA 2016 / 107 Min.

Darsteller: Vin Diesel, Donnie Yen, Deepika Padukone, Kris Wu, Ruby Rose, Toni Collette, Samuel L. Jackson

Produktion: Joe Roth, Jeff Kirschenbaum, Vin Diesel, Samantha Vincent

Freigabe: FSK 12

Verleih: Paramount Pictures Germany

Kinostart: 19.01.2017

 

Zu Beginn des aktuellen Jahrtausends steckte der bekannteste Agent der Filmgeschichte, James Bond, in der Krise. Hauptdarsteller Pierce Brosnan wollte mehr Realität, bekam dafür seinen ersten Film-Orgasmus – in STIRB AN EINEM ANDEREN TAG –, musste aber im selben Film unsichtbare Autos, einen Riesenlaser und Madonna in Kauf nehmen. Und danach auch seinen Hut. Auf diesen Moment schienen die Geier bereits gewartet zu haben und verkauften später im selben Jahr XXX – TRIPLE X (dargestellt von Vin Diesel) als neuen Actionhelden, einen Agenten, der ins frische Jahrtausend passen sollte wie Arsch auf Eimer. Statt edlem Zwirn gab es Tribal-Tattoos, statt einem Auto voller Gadgets Extremsportarten. Zumindest machte der Film von Regisseur Rob Cohen ordentlich Spaß und hatte mit dem exklusiven Schauplatz (Prag) und einem soliden Schurken (gespielt von Marton Csokas) zumindest ein wenig Bond-Feeling parat. Ein Mini-Auftritt von Rammstein und Asia Argento als Helden-Dirne rundeten den perfekten Proll-Kino-Abend ab.

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Doch so ganz schien es mit dem Film-Franchise nicht zu klappen, beim (sehr mauen) zweiten Teil waren Hauptdarsteller und Regisseur schon nicht mehr dabei, dafür drehte Vin Diesel in den letzten Jahren gefühlt zwölf THE FAST AND THE FURIOUS-Filme, deren ersten Teil interessanterweise auch XXX – TRIPLE X-Regisseur Cohen inszenierte.

 

Nach fast 15 Jahren nun also die Rückkehr Diesels als Xander Cage, diesmal unter der Regie von D. J. Caruso (DISTURBIA) in XXX – RETURN OF XANDER CAGE. Die Handlung ist dabei nur oberflächlich komplex: Mittels eines technischen Gadgets (im Film der Einfachheit halber als „Pandoras Box“ bezeichnet) lassen sich Satelliten aus der Erdumlaufbahn wie tödliche Geschosse auf die Erde feuern. Als dieses Ding von Extremsport-Gangstern geklaut wird, beschließt die Chefin der NSA (stark geschminkt: Toni Collette), einen ebenbürtigen Gegner ins Rennen zu schicken: Xander Cage.

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Der macht aber nur unter der Bedingung mit, das sein Team nicht aus gelackten (wie er es nennt) „GI Joes“ besteht, sondern aus der lesbischen Tierschützerin/Scharfschützin Adele (ur-fesch: Ruby Rose aus ORANGE IS THE NEW BLACK), dem DJ (hurgs?) Nicks (Kris Wu) und Tennyson Torch („The Hound“ aus GAME OF THRONES: Rory McCann), der mit Vorliebe Autounfälle verursacht. Doch auch auf der gegnerischen Seite (verkörpert von Ip Man Donnie Yen und Bollywood-Star Deepika Padukone) tummeln sich Triple-X-Agenten, die von Augustus Gibbons (Samuel L. Jackson) rekrutiert wurden.

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Der erste Teil von 2002 war schon ein Bollwerk des Unrealismus, das von fetzigen Stunts und knackigen Onelinern getragen wurde. Gegen das, was uns 2017 als XXX vorgesetzt wird, könnte er aber glatt als Arthouse-Film durchgehen.

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Beginnend mit einer mehrminütigen Eröffnungs-Animation bietet XXX – RETURN OF XANDER CAGE eine sich ständig überbieten wollende Abfolge von schönen Menschen in hautenger, toll anzusehender, aber völlig unfunktionaler Kleidung, die an schönen Orten zu (übler) Charts-Mucke digitale Akrobatik darbieten.

 

Dabei bleibt oft nicht nur die inhaltliche Logik auf der Strecke, die eh keinen so interessiert, diese steht auch im krassen Widerspruch zur hohen technischen Qualität des Films. Bilder zeigen uns in bester und glaubhaftester Realität Dinge, die wir so nie glauben würden, um die Handlungslöcher kümmert sich aber keiner.

 

Das Lustige daran ist: Wenn Samuel L. Jackson einen seiner langen Rekrutierungsmonologe hält (vor dem Fußballstar Neymar jr., der einen gelungenen Cameo hinlegt), ist diese textlastige Szene ohne jede Action unterhaltsamer als das meiste von dem CGI-Krawall, der danach folgt.

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Im Grunde ist XXX – RETURN OF XANDER CAGE ein Blockbuster von der Stange, der auf ein sehr junges Publikum abzielt; schade nur, dass die meisten davon vermutlich noch Windeln trugen, als das Original in die Kinos kam. 2002 stand XXX –  TRIPLE X mit seiner Eröffnungsszene – in der das Auto eines Politikers, der mit Gesetzen die Freiheiten von Xanders Extremsport-Gang einschränken möchte, actionreich verschrottet wird – auch durchaus für Rebellion. Nun könnte man in dem neuen Film, in dem nicht nur die Triple-X-Agenten öfters mal die Seiten wechseln und die Schurken auch in den eigenen Reihen zu finden sind, eine Kritik an der aktuellen Situation der Geheimdienste weltweit und deren Sinnhaftigkeit finden. Könnte man. Nur der Film macht das nicht mit Absicht.

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Fairerweise muss man es XXX – RETURN OF XANDER CAGE lassen, dass er, wenn man jeden Verstand an der Kinokasse abgibt, durchaus Spaß macht. Das gelingt gerade wegen der Darsteller, denen es an Selbstironie (Vin Diesel), Kampfsporttalent (Donnie Yen) oder einfach einer coolen Fresse (Rory McCann) nicht mangelt, auch wenn dann im nächsten Moment oft wieder der Kitsch mit hohem Fremdschämfaktor das Geschehen übernimmt. (Patrick Winkler)

 

Hirn aus und durch!