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21/06/2017

TRANSFORMERS 5: THE LAST KNIGHT

Regie: Michael Bay / USA 2017 / 149 Min.

Darsteller: Mark Wahlberg, Isabella Moner, Anthony Hopkins, Laura Haddock, John Goodman, Stanley Tucci

Produktion: Ian Bryce, Tom DeSanto, Lorenzo di Bonaventura, Don Murphy  

Freigabe: FSK 12

Verleih: Paramount Pictures

Start: 22.06.2007

 

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Kinder noch nicht mit Smartphones spielen konnten. Wir mussten raus auf den Spielplatz oder haben am Wochenende morgens Cartoons geguckt und mit den Actionfiguren gespielt, die in den Werbepausen passend zu den Serien angepriesen wurden. Neben HE-MAN und MASK waren das später vor allem auch die TRANSFORMERS. Was haben wir für epische Schlachten zwischen Optimus Prime und Megatron geschlagen … König war, wer die Dinobots sein Eigen nennen konnte. Indes haben unsere Eltern verständnislos die Köpfe geschüttelt ob des Quatsches, den wir da konsumierten. Verzweifelt, aber oftmals ergebnislos haben sie uns dann geholfen, wenn wir eine der komplexeren Transformationen der Spielzeuge nicht wieder hinbekommen haben und auf einmal mit halb Roboter, halb Auto dastanden. Wahrhaft interessant, wie sich das Blatt doch in den vergangenen 25 Jahren gewendet hat. Denn nun bin ich es, der sich völlig konsterniert die Hand auf der Stirn platthaut angesichts der seelenlosen wie sinnlosen CGI-Schlachten, die Michael Bay immer und immer wieder auf die Leinwand bringt. Ja, das hat sein Publikum – der Verfasser dieser Zeilen zählt sich jedoch nicht dazu.

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Eins kann man konstatieren: Michael Bay hat es tatsächlich geschafft, er hat sich selbst und sogar den unsäglichen TRANSFORMERS 2 – DIE RACHE noch übertroffen. Und das ist alles andere als positiv gemeint. Denn wieder zelebriert der Explosionsfetischist eine überlange und teure Spielzeugwerbung mit allen bisher bekannten Ingredienzien: eindimensionale Figuren voller Stereotype, eine flache wie inkonsistente Story, viel CGI-Krawumm, Überlänge, überlanges Finale, Militär-Pornografie, Pathos, Lens Flares, die typischen Kameraeinstellungen und -schwenks. Nur dieses Mal ist den Verantwortlichen wirklich nichts heilig, und sie schreiben die komplette Menschheitsgeschichte um. König Artus und die Tafelritter gab es nämlich wirklich. Und den “Zauberer” Merlin auch. Nur hat er den “Zauberstab” von den Transformers erhalten, um Drachen heraufbeschwören zu können, die ihnen im Kampf helfen. Ich wünsche an dieser Stelle allen Vätern viel Spaß dabei, ihren Kindern zu erklären, dass das natürlich nicht stimmt und nur völlig bekloppte Auswüchse einiger Drehbuchschreiber und Produzenten sind, die wahrscheinlich selbst zu oft am “Zauberstab” gezogen haben und glauben, dass es Transformers wirklich gibt. Ach, und wer schon immer mal den Wecker sehen wollte, der Hitler getötet hat – hier habt ihr die Möglichkeit. Ich denke mir das echt nicht aus, bin gleichzeitig aber auch etwas enttäuscht, dass mir so was noch nicht eingefallen ist.

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Der Stab ist nichts anderes als ein McGuffin, dem die Guten und die Bösen in der Jetztzeit hinterherjagen, und am Ende kommt es zur großen Schlacht – das war es. Oder hat irgendjemand mehr erwartet? Es ist einfach alles ganz großer Humbug: Die Dinobots werden wie Haustiere auf dem Schrottplatz gehalten, Megatron geht Deals mit den Menschen ein, um seine Kumpels aus dem Knast zu holen (als ob er das nicht selbst erledigen könnte), und es ergibt alles schlicht kaum Sinn. Zwar gibt es jetzt eine Art militärische Anti-Transformers-Einheit namens TRF, aber dass sie wirklich etwas gegen Autobots oder Decepticons ausrichten kann, wird maximal behauptet. Mit einem Satz: Das Skript ist Schrott und gehört auf den Schrottplatz, auf dem sich die Autobots zusammen mit Cade (Mark Wahlberg) verstecken. Offenbar kann man damit aber trotzdem gut zweieinhalb Stunden Film abliefern.016

 

Zu den Schauspielern: Mark Wahlberg kann mehr als das, auch wenn man es nach dem Film nicht glauben mag. Laura Haddock ist hübsch und hat einen niedlichen britischen Akzent. Sie wird zumindest optisch die Jugendlichen und deren Väter (oder Mütter) unterhalten können. Ihr Spiel ist mäßig und ihr Timing bei “Humor”-Szenen (die Anführungszeichen sind absichtlich gesetzt) wie bei Wahlberg daneben. Sir Anthony Hopkins spielt dagegen erwartungsgemäß alle an die Wand und zeigt dem jungen Gemüse, wie man seinen Text abliefert. Zudem hat er das entsprechende Timing auch in den “komischen” Szenen. John Turturro ist in dem Teil weniger zu sehen, es bricht einem dennoch das Cineasten-Herz, einen solchen Schauspieler in so einem Film und in so einer Rolle zu sehen. Hoffentlich waren die Paychecks dick genug.

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Doch was bringt das ganze Boom auf der Leinwand, wenn es nicht einmal emotional Zoom macht? Der Overkill an Krawumm und die schlecht getimten wie infantilen Billiggags ermüden auf Dauer lediglich, und es gibt keine Verbindung zu den Figuren. Spannung? Tiefgang? Aussage? Ich bitte euch … ABER: Auch das wird wieder sein Publikum finden – schätzungsweise Kinder, Jugendliche und Menschen, die Film nie geliebt haben. Und es gibt gegen Ende tatsächlich noch ein paar Fan-Momente; besonders wenn Optimus Prime verstärkt ins Geschehen eingreift, fühle selbst ich mich in die Kindheit versetzt, und kurzzeitig kommen Glücksgefühle hoch. Zumindest so lange, bis das pathetische Geschwätz um Helden wieder losgeht. Begleitet von epischer Musik in wahrhaftig JEDER Szene. Das ist dann selbst Bay und Co. aufgefallen, und sie nehmen das in einer Szene auf die Schippe – Extrapunkte dafür. “Jeder kann ein Held sein, wenn er nur mutig genug ist”, sagt ein 20 Meter großer Roboter mit verzerrter Stimme einfach so leicht dahin. Pathos-Blabla, mehr ist nicht. Bay kratzt wie immer nur minimal an der Oberfläche, aber immerhin das hat er perfektioniert. Es erwartet wohl auch niemand mehr einen wirklich guten Film, wenn er zu diesem Franchise greift. Optisch ist der Film jedoch großartig, und selbst die Actionszenen sind im Vergleich zu einigen Vorgängerfilmen übersichtlich und knallen meist gut. Allerdings unterhält es auf Dauer auch nicht mehr – es ist Opium für ein Kinopublikum, das eh schon müde ob der immer gleichen Optik und wiedergekäuten Geschichten ist. Und hier schließt sich der Kreis: Letztlich hat Michael Bay das mit den Transformers gemacht, was ich als Kind früher oder später auch gemacht habe. Ich habe sie so lange verformt und oberflächlich behandelt, bis sie nur noch ein Haufen Schrott waren. (Manuel Magno)

 

Der letzte Ritter – leider wohl nicht der letzte TRANSFORMERS

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