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23/05/2017

PIRATES OF THE CARIBIAN: SALAZARS RACHE

(OT: PIRATES OF THE CARIBBEAN: DEAD MAN TELL NO TALES)

Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg / USA 2017 / 129 Min.

Darsteller: Johnny Depp, Keira Knightley, Orlando Bloom, Geoffrey Rush, Javier Bardem, Kaya Scodelario, Brenton Thwaites

Produktion: Jerry Bruckheimer

Freigabe: FSK 12

Verleih: Disney

Start: 25.05.2017

 

Der junge Henry Turner paddelt aufs Meer hinaus, bindet sich ein Netz, welches mit Steinen beschwert ist, um den Knöchel und wirft sich ins Wasser. Statt auf dem Meeresgrund, schlägt er auf dem Deck eines Schiffes auf: der Flying Dutchman, jenes Schiff, an welches Will Turner (Orlando Bloom) aufgrund eines Fluches für immer gebunden ist. Henry möchte seinen Vater nach Hause holen oder zumindest bei ihm bleiben. Beides ist nicht möglich, und so verspricht er ihm, einen Weg zu finden, den Fluch zu brechen. Statt in neue fremde (Ge-)Zeiten vorzustoßen, rudert der Film und somit auch der Zuschauer zusammen mit Henry zurück. Zurück zu Orlando Bloom und der Flying Dutchman, zurück in eine Zeit, als Fluch der Karibik erzählerisch noch zu überzeugen wusste und von den Fans gefeiert wurde. PIRATES OF THE CARIBBEAN: SALAZARS RACHE knüpft somit an die „Original-Trilogie“ an und lässt den Zuschauer in gewisser Weise vergessen, dass es je einen vierten Teil gab. Keine Meerjungfrauen mehr (außer auf einer Zeichnung im Hintergrund), keine Erwähnung oder mystische Wiederbelebung von Blackbeard und keine Angelica (Penelope Cruz). Dafür aber ganz klar nach dem Motto „Back to the roots!“ mit einer neuen verfluchten, untoten Crew rund um Kapitän Salazar (Javier Bardem, der Mann von Penelope Cruz und unser Interviewpartner für die aktuelle Ausgabe #63), der aus dem Bermudadreieck oder Teufelsdreieck entkommt und fortan Jagd auf alle Piraten macht, um letztlich Rache am Piraten Jack Sparrow, Pardon, Captain Jack Sparrow zu nehmen. Dieser war einst für den Fluch Salazars und seiner Crew verantwortlich. Dabei bewegt sich der nunmehr fünfte Teil erzählerisch in altbekanntem Fahrwasser und ruft ein permanentes Déjà-vu hervor. Alles kennt der Zuschauer, und alles hat er in den vorigen Teilen schon besser gesehen. Das fängt bei den Figuren an und zieht sich bis hin zur musikalischen Untermalung.

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Die Hauptfiguren Henry (Brenton Thwaits; lest in unserer aktuellen Ausgabe #63 ein spannendes Interview mit ihm) und Carina (Kaya Scodelario) erinnern nicht nur stark an Will und Elizabeth (Keira Knightley), sie sind praktisch eine Neuauflage ebendieser. Ihnen zur Seite gestellt ist abermals Jack Sparrow. Aufgrund seines Alters wurde nun aber auf eine Dreiecksbeziehung verzichtet, was dem Film innerhalb seines Figurengeflechts aber einen Großteil seiner Dynamik raubt. Nach einer anfänglich sehr amüsanten Flucht von Carina und Jack, die zwischenzeitlich immer wieder zu unfreiwilligen Verbündeten werden, ist in der zweiten Hälfte des Films nichts mehr zu sehen.

 

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So haben dann Henry und Carina sowieso dasselbe Ziel und leider auch denselben Weg, und Jack wird ihnen zur Seite gestellt, ohne dabei eine sinnvolle weitere Funktion zu erfüllen. Changierte Jack in den ersten drei Teilen immer noch zwischen einem Wegbereiter und einem Hindernis, da seine eigenen Ziele nicht immer offensichtlich waren und so zu einer Reihe von Plot-Twists führten, bleibt Jack in PIRATES OF THE CARIBBEAN: SALAZARS RACHE handzahm. Eine Entwicklung der Figur?

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Mitnichten, wird er doch sonst seinem Branding gemäß inszeniert: mit einer Rumflasche in der einen Hand, seinem Säbel in der anderen und einem lockeren Spruch auf den Lippen. Diese kleine Abweichung bleibt letztlich erzählerisch so unbedeutsam wie jeder andere ungenutzte Ansatz, eine Geschichte weiterzuerzählen, anstatt lediglich in einem Meer aus unreflektierten Zitaten zu kentern. Anknüpfungspunkte wären allerdings da gewesen. So war Salazar bereits vor seinem Fluch ein gefürchteter Kapitän, der die Meere von Piraten säubern wollte. Hier hätte ein Ansatz gelegen, das stark romantisierte Bild des Piraten zu konterkarieren, wäre die Figur Salazar etwas ambivalenter gezeichnet worden.

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Neben den austauschbaren Figuren und der austauschbaren Erzählung selbst reiht sich der Score bestens in diesen Einheitsbrei ein. Das Salazar-Theme ist das merklich Neue an der musikalischen Untermalung und erinnert sehr stark an den zweiten Teil mit seinen Orgelklängen. Ansonsten traut sich Komponist Geoff Zanelli wenig und bleibt beim altbewährten, eingängigen und vom Publikum gefeierten Score von Hans Zimmer. Vielleicht war es aber auch einfach sehr schwer gewesen, neue Akzente bei einem Film zu setzen, der die Erzählung der ersten drei Teile am Abspulen ist. Da hatte ein Michael Giacchino mit dem Recycling des alten Scores mit neuen Nuancen beim Film ROGUE ONE – der vielleicht noch größere musikalische Fußstapfen zu füllen hatte – ein differenzierteres Gespür bewiesen.

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Eine Szene, die symptomatisch den erzählerischen Gestus des Films zusammenfasst, ist ein Aufeinandertreffen Jacks mit seinem Onkel (ein bekannter Rockstar). Dabei wird ganz klar auf den Auftritt Keith Richards’ als Vater von Jack Sparrow rekurriert, ohne dem Zitat jedoch einen Mehrwert zu verleihen. Ein Rockstar wird durch einen weiteren (eigentlich x-beliebigen) ausgetauscht. Keith Richards’ Auftritt hatte für den wissenden Fan damals zumindest auf der Metaebene eine Bedeutung, war die Figur Jack Sparrow immerhin an die Rocklegende angelehnt. Solch eine Bedeutungsebene fehlt der Szene im fünften Teil und – um es zuzuspitzen – auch dem gesamten Film. (Daniel Kotowski)

 

Der 5. Teil kränkelt an dem Fluch erzählerischer Redundanz