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27/01/2018

MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN IN DER TODESZONE

(OT: MAZE RUNNER: THE DEATH CURE)

Regie: Wes Ball / USA 2017 / 141 Min.

Darsteller: Dylan O’Brien, Kaya Scodelario, Thomas Brodie-Sangster u. a.

Produktion: Wyck Godfrey, Ellen Goldsmith-Vein, Lee Stollman, Daniel M. Stillman

Freigabe: FSK 12

Verleih: 20th Century Fox

Start: 01.02.2018

 

An der MAZE RUNNER-Reihe scheiden sich die Gemüter. Entsprungen ist das Franchise der tiefsten Hölle rund um dystopische Jugendliteratur. Eine Art filmischer Untoter der schleichenden Bauart, ein Monster wie aus Frankensteins Labor mit Ninja-Fertigkeiten: bestehend aus längst gesehenen Versatzstücken, aber so leise im Start, dass kaum einer mitbekommt, wenn der nächste Teil die Kinokassen klingeln lassen möchte. Grund dafür ist eine tiefe Durchschnittlichkeit von B-Format, besser als DIVERGENT, schlechter als DIE TRIBUTE VON PANEM.

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MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN IN DER TODESZONE kommt nun endlich in die lokalen Lichtspielhäuser. Über ein Jahr hinter dem Zeitplan aufgrund einer schweren Verletzung von Starmime Dylan O’Brien während der Dreharbeiten. Dafür geht es gleich in die Vollen. Nach einer gescheiterten Rettungsmission, um Minho (Ki Hong Lee) zu befreien, beschließen Thomas (O’Brien), Newt (Thomas Brodie-Sangster) und Konsorten, direkt ins WCKED-Hauptquartier einzubrechen. Zeitgleich tüftelt Teresa (Kaya Scodelario) noch immer an einem Gegenmittel für jene schreckliche Seuche, die alles ins Rollen brachte. Fairerweise planen all die Erkrankten vor den Mauern der Stadt, sich nicht länger die Füße platt zu treten, sondern lieber richtig Rabatz zu machen. Mit dem wunderbar über die Kante spielenden Walton Goggins als ihr Anführer Lawrence kann eigentlich nicht viel schiefgehen.

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Wie schon in DIE AUSERWÄHLTEN IN DER BRANDWÜSTE liegen auch im neuen MAZE RUNNER die Damen vorne. Kaya Scodelario als Teresa kann im neuen Teil sehr frei aufspielen und liefert gnadenvolle Nuancen. Aiden Gillen als Janson steht leider genau am anderen Ende der Skala in Sachen Performance. Rosa Salazar als die knallharte Brenda ist ebenfalls eine angenehme Abwechslung in dem männerlastigen Cast. Der Rest der Truppe versucht aus dem gegebenen Material das Optimum herauszuholen. Dylan O’Brien als Thomas wird auch mit dem jüngsten MAZE RUNNER nicht müde, an seiner Karriere zu feilen. Es scheint so, als hätte er sich zum Ziel gesetzt, ein guter Schauspieler mit schwachen Rollen in schwächelnden Filmen werden zu wollen. Offenbar ein Plan, der aufgeht. Das größte Problem der AUSERWÄHLTEN IN DER TODESZONE ist deckungsgleich mit dem der vorherigen MAZE RUNNER-Teile: Vieles will einfach keinen Sinn ergeben.

 

WEITER


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Schon das Labyrinth des ersten Films war eine extrem theatralische, umständliche Lösung, WCKD all das zu beschaffen, was sie benötigen. Ganz ohne dass sich jemand die minimale Mühe gemacht hat, das Blut der Kids zu testen.

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Dann schwebt da noch diese ideologische Frage wie Damokles’ alte Klinge. Die Menschheit muss in MAZE RUNNER sich dem Problem stellen, wenige zu opfern, um viele zu retten – ein ethischer Klassiker. In Teil 3 nun kommt die Ignoranz des einen, übermächtigen Prozents hinzu, wenn sich Ava Paiga und Jason in ihrem Elfenbeinturm verschanzen, während die Infizierten draußen sterben.

Nun sind in MAZE RUNNER aber die Wissenschaftler meist die Schurken und Thomas der Held. Es fällt schwerer und schwerer, diese ganzen Leben-und-Tod-Szenarios ernst zu nehmen, wenn ständig alle dem eigenen Wohl und den eignen Interessen entgegenwirken. Thomas und Co. könnten die Welt einfach dadurch retten, dass sie bei einem Schälchen Tee mit Ava eine Bluttransfusion anbieten würden. Aber nein, Sturheit obsiegt.

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Blendet man diese Punkte aus, dann ist der neue MAZE RUNNER der stärkste Teil des Franchises. Er ist definitiv zu lang und mäandert durch ein paar Passagen, bietet aber dennoch spannende und großartige Momente. Die Eröffnungssequenz haut voll rein und liefert eine dieser Verfolgungsszenen, die einen an den Rand des Kinosessels drängen. Auch innerhalb der Stadt bleibt das Pacing weitestgehend hoch. Fans der Bücher werden vermutlich auf Newts Handlungsbogen schielen, und ohne zu spoilern entpuppt sich dieser als weiteres Highlight des Films.

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Alle diese Stärken machen aus MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN IN DER TODESZONE noch lange kein Meisterwerk. Dafür strotzt der Film nur so vor Logiklöchern, unnötigen Längen und all jenen Problemen, die sich eben auftun, wenn man ein Buch zu Zeiten des Internets Jahre später auf die Leinwand bringen will. Dass DIE AUSERWÄHLTEN IN DER TODESZONE es zu einem ordentlichen Finale schaffen, kann als kleines Wunder angesehen werden. Zumindest Fans der Bücher dürften vollauf zufrieden sein.

 

(Julius Zunker)

 

Durchschnittliches Jugendkino mit hellen Augenblicken