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23/09/2014

MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN: IM LABYRINTH

(OT: THE MAZE RUNNER)
Regie: Wes Ball / USA 2014 / 113 Min.
Darsteller: Dylan O’Brien, Kaya Scodelario, Will Poulter, Thomas Brodie-Sangster, Aml Ameen, Blake Cooper, Joe Adler
Produktion: Marty Bowen, Wyck Godfrey, Ellen Goldsmith-Vein, Gotham Group, Lee Stollman, Lindsay Williams
Freigabe: FSK 12
Verleih: 20 th Century Fox
Start: 16.10.2014

 

 

Zu viele Köche verderben den Brei: Dieses simple Sprichwort lässt sich auf so ziemlich jede Lebenslage des Alltags anwenden. Auf das moderne Blockbusterkino umso mehr. Das beste Beispiel hierfür sind vornehmlich all jene Teenie-Dystopien und -Fantasystreifen, die in den vergangenen Jahren versuchten, so viele jugendaffine Themen in sich zu vereinen wie nur möglich. Erste Liebe, zwischenmenschliche Probleme und das obligatorische Schielen zu übersinnlichen Phänomenen lassen die Regisseure gern einmal verzweifeln. Ein fehlender stimmiger Einheitston verschreckt an dieser Stelle zumeist das Publikum, das nicht in die anvisierte Zielgruppe der Heranwachsenden passt. Da wirkt der Versuch der Macher von MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN: IM LABYRINTH umso gewagter. Regisseur Wes Ball, dessen animierter Kurzfilm RUINS vor rund drei Jahren das Publikum betörte und der eher zufällig den Platz auf dem Regiestuhl angeboten bekam, legt die Filmadaption des gleichnamigen Weltbestsellers als eine Kombination aus drei verschiedenen Erfolgsfilmen an. Sein überraschendes Spielfilmdebüt begeistert als Kombination aus DIE TRIBUTE VON PANEM und dem Survival-Klassiker DER HERR DER FLIEGEN, mengt eine große Portion LOST bei und garniert das Ganze mit Effekten der Marke ALIEN. Dass dieses auf den ersten Blick kaum zusammenpassende Arrangement solch unterschiedlicher Produktionen mit noch unterschiedlicherer Zielgruppenzuordnung auf (fast) ganzer Linie funktioniert, liegt zum einen an der stilsicheren Regieführung Wes Balls; zum anderen verlässt sich der Filmemacher in Erzählweise und Gestaltung kaum auf gängige Sehgewohnheiten. Sein Beitrag zum modernen Young-Adult-Kino ist trotz Bezugnahme auf bekannte Filmtitel ein durch und durch frischer Genrebeitrag, der stilistisch überrascht und vor allem visuell ein großes Ausrufezeichen hinter das Können des Spielfilm-Debütanten setzt.

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Als der junge Thomas (Dylan O’Brien) eines Tages plötzlich auf einer Lichtung aufwacht, kann er sich an nichts mehr erinnern – außer an seinen Vornamen. Bald erfährt er, dass dieser fremde Ort inmitten eines aus meterhohen Felsen gebauten Labyrinths liegt, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint. Nacht für Nacht ändert der Irrgarten seine Wege, wenn die Mauern, zwischen denen alienartige Wesen hausen, ihren Standort unberechenbar verändern. Aber Thomas ist nicht allein. Mit ihm sind viele andere Jungen im Labyrinth gefangen, die ebenfalls ihr Gedächtnis verloren haben, wie Newt (Thomas Brodie-Sangster), Alby (Aml Ameen), Gally (Will Poutler) und Minho (Ki Hong Lee). Eines Tages ist ein Mädchen die Neue auf der Lichtung. Sie heißt Teresa (Kaya Scodelario) und soll „die Letzte“ sein, wie sie selbst behauptet. Gemeinsam versuchen sie, einen Weg in die Freiheit zu finden und das unheimliche Geheimnis zu lüften: Wer hat sie hergebracht und warum?

Schon der kultige Science-Fiction-Actioner THE CUBE offenbarte Ende der Neunzigerjahre, wie viel Faszination in einem Irrgarten steckt. Die gern gesehene Jahrmarktattraktion wurde in dem kanadischen Schocker zu einem High-Tech-Gefängnis, die Insassen darin zu Gefangenen ihrer eigenen Ängste. Auch MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN: IM LABYRINTH spielt mit der Urfurcht vor dem Unbekannten, symbolisiert von ebenjenem überwältigenden Steinlabyrinth, das die Lichtung der Jugendlichen umgibt. Schon das Plakat offenbarte, wie mächtig und einschüchternd das Zuhause der jungen Erwachsenen durch die meterhohen Felsen von der Zivilisation abgetrennt ist. Doch viel Angst einflößender ist das Warum und damit einhergehend die Frage nach dem Sinn und Zweck dieser Abgeschiedenheit. Insbesondere die erste Hälfte thematisiert die innere Zerrissenheit der Figuren vortrefflich. Das ausschließlich männliche (!) Cast hat sich einerseits mit der fragwürdigen Situation arrangiert, sehnt sich jedoch zugleich nach dem Aufbegehren gegen die vermeintliche Obrigkeit, die für die Gefangenschaft der Unschuldigen verantwortlich ist. Zur Identifikation mit dem Publikum dient vorrangig die Figur des Thomas, dessen Allerweltsname sicherlich kein Zufall ist. Der einem jüngeren Publikum durch TEEN WOLF bekannte Hauptdarsteller überzeugt durch sein zielloses Auftreten und legt sukzessive eine beeindruckende Selbstsicherheit an den Tag. Dadurch, dass der Zuschauer den Lebensweg Thomas‘ ab dem Eintreffen auf der Lichtung verfolgt, stellt sich für das Publikum schnell die Frage, wie es selbst in solch einer Situation reagieren würde. Lässt man sich schließlich darauf ein, auf eine solche Weise ins Geschehen involviert zu sein, kann MAZE RUNNER nicht bloß als oberflächliches Action-Adventure unterhalten, sondern fördert nach und nach existenzielle Fragen über unser aller Leben zutage. Wer sich allerdings dagegen sträubt, wird der Produktion alsbald kaum mehr abgewinnen können als Blockbustern der Marke PANEM, DIVERGENT und Co.

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Überzeugen der Überlebensfight sowie das Bemühen um einen Ausweg als dystopischer Fantasy-Actioner, geraten besonders die Szenen auf der Lichtung intensiv. Erinnernd an das eingangs erwähnte Überlebensdrama DER HERR DER FLIEGEN gelingt es Wes Ball, das Zusammenleben der Jugendlichen als Kampf um das eigene Ich darzustellen. Schaffen es einige Figuren, ihr eigenes Wohlbefinden zugunsten der Gemeinschaft hintanzustellen, starten andere wiederum einen regelrechten Egotrip. Damit gelingt es MAZE RUNNER, anders als ähnlich gelagerter Fantasy-Kost, Zwischentöne zu schaffen, die über die Frage nach dem Warum hinausgehen, und stellenweise fast dramatische Züge anzunehmen, die auch weniger genreaffines Publikum überzeugen können. DF-07873A_700

Während sich unter den Figuren trotz ihrer auf den ersten Blick ähnlich gelagerten Charakterisierung kaum ein Darsteller in den Vordergrund zu spielen vermag, sondern jeder Akteur seinen Anteil zum stimmigen Gesamtbild beiträgt, kristallisiert sich ein anderer Faktor in Gänze als Blickfang und Protagonist heraus: Das titelgebende Labyrinth überzeugt nicht bloß in seiner visuellen Aufmachung, sondern begeistert insbesondere aufgrund seiner realistischen Darstellung. Trotz seiner überwältigenden Größe avancieren die kammerspielartigen Szenerien innerhalb des Irrgartens durch seine Enge und legen auch aufgrund der sich bewegenden Mauern eine ungeheure Dynamik an den Tag. Dabei gelingt es Kameramann Enrique Chediak, seine ganz unterschiedlichen Fähgkeiten zu vereinen: Bewies er in 127 HOURS seinen Blick für die Vielfalt im Detail auf kleinstem Raum, gelang ihm in 28 WEEKS LATER das Einfangen einer visuell möglichst ausladenden Bedrohung. Auch MAZE RUNNER lässt Chediak für beides Platz, immerhin ist das Labyrinth ausladend und beengend zugleich. Innerhalb des Irrgartens regieren derweil merkwürdige Monster das Geschehen, die in ihrer Symbiose aus außerirdischem Wesen (Stichwort: ALIEN) und technischer Maschine zunächst recht gewöhnungsbedürftig daherkommen, sich im Laufe der Zeit allerdings tatsächlich als äußerst bedrohlich erweisen.

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Insgesamt umfasst das Abenteuer um die Auserwählten ganze drei Romane. Nach dem beeindruckenden Erfolg des Auftaktfilms (in den USA gelang THE MAZE RUNNER einer der zehn erfolgreichsten September-Starts aller Zeiten) darf sich das Publikum wohl schon jetzt auf die nächsten beiden Verfilmungen freuen. Aus Spoilergründen seien die Folgetitel an dieser Stelle nicht verraten. Fakt ist jedoch, dass MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN: IM LABYRINTH trotz seines sehr guten Gesamteindrucks an einer typischen Blockbusterkrankheit des 21. Jahrhunderts leidet: Trotz seiner ordentlichen Laufzeit von knapp zwei Stunden, die sich besonders zu Beginn viel Zeit für die Einführung der Charaktere nimmt, gelingt es dem Autorenteam um Noah Oppenheim nicht, die einheitliche Gesamtdynamik bis zum Finale durchzuziehen. Zugunsten eines zugegeben beeindruckenden Cliffhangers zur Fortsetzung rast MAZE RUNNER innerhalb der letzten zehn Minuten von Wendung zu Wendung und zelebriert Tötungen diverser Haupt- und Nebenfiguren fast beiläufig. Das ist zwar ebenfalls schockierend, dennoch hätte man sich für die nach und nach lieb gewonnenen Charaktere einen etwas liebevolleren Umgang gewünscht.

(Antje Wessels)

 

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