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20/03/2017

LIFE

Regie: Daniel Espinosa / USA 2017/ 103 Min.

Darsteller: Jake Gyllenhaal, Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds, Hiroyuki Sanada, Ariyon Bakare, Olga Dihovichnaya

Produktion: David Ellison, Dana Goldberg, Bonnie Curtis, Julie Lynn

Freigabe: FSK 16

Verleih: Sony Pictures

Start: 23.03.2017

 

Die Mutter aller Alien-Filme ist, bleibt und wird für immer ebendieser sein: ALIEN. Was Ridley Scott 1979 erschuf, steht nicht nur am Beginn, sondern seit jeher an der Spitze dieses Science-Fiction-(Sub-)Genres. Jeder Frame in Scotts Film ist ein visuelles Meisterwerk, H. R. Gigers sexuell aufgeladenes Monster ist bis dato unübertroffen. Dazu die Handlung, in der die Menschheit in der Zukunft trotz technischen Fortschritts am Rande der Auslöschung steht, bedrängt von einer unbekannten, körperlich überlegenen Kreatur auf der einen, einer künstlichen Intelligenz auf der anderen und der eigenen Gier auf einer dritten Seite, all das gab es in ALIEN in höchster Vollendung. Weder die eigenen Fortsetzungen, von denen Camerons gelungene Full-Combat-Variante ALIENS – DIE RÜCKKEHR (1986) noch am besten hervorsticht, noch originelle Adaptionen wie McTiernans PREDATOR (1987) konnten daran etwas ändern.

 

Auch in LIFE kann man viel von ALIEN sehen. Kann man, muss man aber nicht, denn der Film des schwedischen Regisseurs Daniel Espinosa (SAFE HOUSE, KIND 44) bietet genug eigene Ideen, um Scotts Meisterstreich mal für 103 Minuten außen vor zu lassen:

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Am Anfang steht nicht wie so oft ein gigantisches Raumschiff, das nach und nach den Sternenhimmel füllt, sondern das übermächtige Weltall, in dem eine unbemannte Sonde fast verloren umherschwebt. Sie ist auf dem Rückweg vom Mars, von wo sie Materialproben zur Internationalen Raumstation ISS bringen soll. Denn LIFE spielt nicht in einer ungewissen Zukunft, sondern knüpft an unsere unmittelbare Gegenwart an.

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WEITER


Auf der ISS erforscht ein Team von sechs internationalen Astronauten den Fund. Angeführt von Captain Golovkin (Olga Dihovichnaya) untersucht der Biologe Derry (Ariyon Bakare) eine gefundene Zelle nach möglichem Leben. Der Pilot David (Jake Gyllenhaal) und die Ärztin Miranda (Rebecca Ferguson) stehen ihm dabei ebenso zur Seite wie der Techniker Rory „Roy“ (Ryan Reynolds), der „Muskel“ an Bord, sowie der japanische Astronaut Sho Kendo (Hiroyuki Sanada). Und tatsächlich entwickelt die Zelle – vor den Augen der Crew und der am New Yorker Times Square live zugeschalteten (amerikanischen) Weltöffentlichkeit – Leben. Liebevoll „Calvin“ genannt, droht die außerirdische Bohnensprosse aber kurz nach ihrer Geburt gleich wieder abzunippeln. Ein Wiederbelebungsversuch via Elektroschock funktioniert zwar, weckt aber auch die Verteidigungs- und Überlebensinstinkte des Wesens, das fortan schnell wächst und die menschliche Crew von nun an als Feinde betrachtet.

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Von da an ist LIFE ein äußerst packender Film, an der Grenze zwischen Horror und Science-Fiction angesiedelt, der über seine Laufzeit – sehr zum Vorteil der Spannung – kaum über inhaltlichen Ballast verfügt. LIFE will zum Glück nicht die Welt erklären, auch wenn der Gedanke, die Menschen hätten angesichts einer überlegenen Spezies ihre Ablöse im Universum unmittelbar vor sich, kurz im Raum steht. Stattdessen spicken solche Momente diesen sonst sehr treuen Genrefilm mit bereichernder Tiefe, zu dessen strikter Dynamik auch gehört, dass alle Figuren ihren Platz in der Geschichte haben und unnötige Klischee-Handlungen meist vermeiden.

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Visuell fesselnd sind auch die sich permanent in Bewegung befindende Kamera von Seamus McGarve (THE AVENGERS, GODZILLA) und die zurückhaltenden, aber dauerpräsenten Effekte, vor allem weil gefühlt 95 Prozent der Szenen in der Schwerelosigkeit spielen. Hinzu kommen originelle Ideen wie die, dass ein Crewmitglied querschnittgelähmt ist, was im Weltall ja nicht so viel macht (warum ist man da nicht schon eher drauf gekommen?).

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Mit diesen wenigen, aber sehr effektiv eingesetzten Komponenten wird LIFE zu einem frischen wie kurzweiligen Kinoerlebnis, das unterm Strich gerne noch etwas dreckiger und gewagter hätte ausfallen dürfen, um mehr dem Genre als der Masse zu huldigen. (Patrick Winkler)

 

Spannendes Monster-Kammerspiel … in Space!