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10/02/2017

JOHN WICK: KAPITEL 2

 (OT: JOHN WICK: CHAPTER 2)

Regie: Chad Stahelski / USA 2017 / 122 Min.

Darsteller: Keanu Reeves, Common, Riccardo Scamarcio, Laurence Fishburne, Ruby Rose

Produktion: Chad Stahelski, Basil Iwanyk 

Freigabe: FSK 18

Verleih: Concorde Filmverleih

Start: 16.02.2017

 

The Boogeyman is back! JOHN WICK war 2015 DIE Action-Überraschung des Jahres. Wir lieben die Simplizität des 80er-Actionkinos in Kombination mit dem modernen Look und dem eleganten Kampfstil, der an EQUILIBRIUM erinnert. JOHN WICK: KAPITEL 2 knüpft nahezu nahtlos an den ersten Teil an: Nachdem Wick (Keanu Reeves) sich für seinen Hund gerächt hat, besorgt er sich – natürlich spektakulär tödlich – seinen Wagen wieder und schließt gleichzeitig Frieden mit dem Bruder (Peter Stormare) seiner Nemesis Viggo Tarasov (Michael Nyqvist). Doch bevor Wick seine wohlverdiente Rente mit seinem neuen Hund genießen darf, fordert sein Kollege Santino (Riccardo Scamarcio) noch einen Gefallen ein, den er ihm schuldig ist. Notgedrungen und widerwillig macht sich John auf nach Rom, um dort Santinos Schwester Gianna (Claudia Gerini) zu töten. Dieser vermeintlich letzte Gefallen löst allerdings eine Kettenreaktion aus, und John Wick gerät ins Fadenkreuz zahlreicher Killer.

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Anstatt stumpf auf die Formel “höher, schneller, weiter” zu setzen, wie es im Actiongenre oft üblich ist, konzentriert sich Kapitel 2 auf die Welt rund um “Continental” – die Agentur, die als Mittler zwischen Wick sowie unzähligen weiteren Auftragskillern und etwa der Mafia fungiert. Wir tauchen tief in Johns (ehemalige) Welt ein, und da gelten knallharte Regeln. Freundschaft und Emotionen zählen nicht, nur Loyalität und Kodizes. Als Location Rom zu wählen geht komplett auf: Der insgesamt elegante Stil, der sich durch den Film zieht (Choreografie, Style, Anzüge, Farben), passt haargenau zur ewigen Stadt, und so dürfen wir ästhetisch komponierte Bilder auf der Leinwand genießen. Selten sah ein moderner Actionfilm so schön aus – Ästhetik in Blut. Und Reeves IST John Wick: Selten standen jemandem Knarre und Anzug so gut, niemand hält eine Waffe so cool und zugleich elegant wie Keanu Reeves als der “Boogeyman”.

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Ruby Rose ist auch mit dabei – es scheint, als hätte sie ein Abo auf Action-Sequels (XXX 3, RESIDENT EVIL: THE FINAL CHAPTER, MEG). Sie kann zwar nicht wirklich schauspielern, dafür aber (speziell im Anzug) gut aussehen und vor allem gut kämpfen. Die Figur der stummen “crazy henchwoman” hätte man wirklich schlechter besetzen können. Dagegen hätte man auf Laurence Fishburnes Nebenrolle inklusive nervigem Overacting verzichten können.

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Ein wahres Fest für Waffenfetischisten bietet sich auch hier wieder: Vom Kleinkaliber über Halbautomatik bis zur Pumpgun fliegt Blei in jeglicher Form durch die schmaucherfüllte Luft, die sich nur lichtet, wenn nachgeladen wird oder die Fäuste ins Spiel kommen bzw. Klingen gezückt werden. Ein nicht unerheblicher Teil besteht aber auch aus Hand-to-Hand-Combat und Grappling, dass MMA-Fans das Herz aufgehen dürfte. Der Härtegrad liegt dabei gefühlt noch über dem des ersten Teils – die passende Mischung aus CGI- und Kunstblut sorgt dafür. Schön auch, dass die Action tatsächlich auf der Leinwand stattfindet und nicht – wie leider viel zu gerne bei Produktionen heutzutage – durch Wackelkamera und Stakkatoschnitte lediglich suggeriert wird.

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Bis es aber so weit ist, braucht JOHN WICK: KAPITEL 2 etwas mehr Anlauf als der erfrischend unkomplizierte Vorgänger. Im zweiten Drittel geht es dann richtig zur Sache, jedoch fehlt es an der Frische des ersten Teils. Der größte Fehler, den JOHN WICK 2 begeht, ist die Entmystifizierung der “Continental”. Zu oft halten sich die Figuren dort auf, zu oft werden die Regeln betont, zu oft wechselt die Handlung durch den Tod einer Figur. Das bremst die Dynamik der Handlung mehrfach abrupt aus. Zudem wollte man hier mehr Geschichte erzählen, was aber nicht nötig gewesen wäre. Mal jagt einer den anderen, dann wieder andersrum, allerdings jagen sich doch immer dieselben, nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten – dank der Ehrenkodizes und Strukturen der “Continental”. Das ist wesentlich komplexer, aber nie kompliziert. Dennoch hätte es das nicht unbedingt gebraucht, ein knackiger 90-Minüter hätte mehr Impact.

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JOHN WICK: KAPITEL 2 ist immer noch ein cooler und brutaler Actionfilm, er verliert nur leider etwas gegenüber dem beliebten Original. Der dritte Teil ist ja bereits beschlossene Sache und schon in Arbeit, da werden wir voller (Vor-)Freude wieder mit an Bord sein. Denn wir haben noch nicht die Nase voll, genau wie John Wick selbst, der immer wieder Blut leckt bzw. sich zu verteidigen weiß/wissen muss. (Manuel Magno)

 

 

Mach’s noch einmal, John