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CAPTAIN AMERICA - The First Avenger
Image Regie: Joe Johnston / USA 2011 / 123 Min. Darsteller: Chris Evans, Hugo Weaving, Stanley Tucci, Tommy Lee Jones, Hayley Atwell, Richard Armitage u.a. Produktion: Kevin Feige, Amir Madani Verleih: Paramount Freigabe: FSK 12 Start: 18.08.2011

Nach seinem Studio-Debakel mit dem leider vorprogrammierten Trümmerhaufen von einem Film namens THE WOLFMAN meldet sich Joe Johnston (JURASSIC PARK 3, JUMANJI) mit CAPTAIN AMERICA bei Marvel Comics zurück an der Front. Ausgerechnet Marvels kontroverseste Figur, die den (blinden?) amerikanischen Patriotismus mit einer kritikfreien Rekrutierungspropaganda für die Armee vermischt, fehlt noch als Puzzlestück im Pantheon der Leinwandhelden in Spandex-Strumpfhosen. Johnston und Marvel mussten dafür eine gewaltige Hürde meistern: Wie kann man diesen amerikanischen Selbstläufer auch für ein internationales Publikum zugänglich machen? Wieder einmal beweist sich hier das Marvel-Team als souverän und vor allem auch wieder augenzwinkernd selbstkritisch ob der Wurzeln ihrer Comichelden. Die größte Last trägt allerdings erfolgreich Hauptdarsteller Chris Evans (DIE FANTASTISCHEN VIER), der als (zunächst) irrsinnig schmächtiger Steve Rogers nicht in die Armee gelassen wird, um 1942 in Europa gegen die Nazis zu kämpfen. Nur ausgestattet mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und einer selbstlosen Courage, die selbst die furchtlosesten Helden der Antike vor Neid hätte erblassen lassen, kommt Steve aber weder bei den Frauen noch insgesamt fünf Rekrutierungsstellen an. Nur der Zufall will es, dass Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci darf sich nach dem schrecklichen IN MEINEM HIMMEL wieder großartig rehabilitieren!) auf den kleinen Mann aufmerksam wird.

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„Willst du Nazis töten?“, fragt er Rogers provokant. „Eigentlich will ich niemanden töten! Aber ich kann Schlägertypen nun mal nicht leiden.“ Seine moralische Integrität überzeugt den deutschen Wissenschaftler, der vor den Nazis nach Amerika floh. Dass dies auch tatsächlich in der Geschichte zu einem entscheidenden Kriterium für die finale Auswahl Rogers wird, als Versuchskaninchen für ein Supersoldaten-Programm (Green Goblin anyone?) herzuhalten, ist wirklich groß. Denn Erskine hält auch ein dunkles Geheimnis unter Verschluss. Sein früherer Partner Johann Schmidt (Vergesst Elrond! Hugo Weaving herrscht als okkulter Nazischerge!) ist der Anführer von Hitlers radikaler Okkult-Abteilung „Hydra“, die erfolgreich nach einem legendären Artefakt der nordischen Götter fahndet, um – wer hätte es ahnen können – dieses als kriegsentscheidende Waffe einzusetzen.

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Bis es allerdings zum unvermeidlichen Duell zwischen Captain America und dem „Red Skull“ genannten Schmidt kommt, muss Rogers noch so einige Hürden meistern: von der Identitätskrise als Propaganda-Maskottchen (!) für Uncle Sam über den typisch granteligen Colonel (herrlich ruppig Tommy Lee Jones) und der intelligenten wie hübschen und resoluten Nachrichtenoffizierin (Haley Atwell aus DIE SÄULEN DER ERDE) bekommt Captain America auch an der Heimatfront so einiges zu tun. Als Film hat CAPTAIN AMERICA aber mit größeren Problemen zu kämpfen: ein entscheidender Subplot um Steve Rogers besten Freund und den buntem Haufen von Helfern an der Front in Europa kommt radikal zu kurz. Zudem bleibt eine wichtige Actionszene um einen Transportzug von „Hydra“ absolut beliebig und wirkt in ihrer Konsequenz von den Drehbuchautoren erzwungen. Überhaupt fehlen CAPTAIN AMERICA die wirklich großen Actionsequenzen, da sich der Film einmal zu oft in Montagen verliert, um fehlenden Plot zu kaschieren.

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Dies liegt allerdings daran, dass CAPTAIN AMERICA eigentlich nur ein großer Prolog zu THE AVENGERS ist, der im Sommer 2012 in die Kinos rollt. Nicht umsonst gibt es nach dem Abspann eine Brückenszene und einen Teaser für den von Joss Whedon (SERENITY, FIREFLY, BUFFY) inszenierten Superbowl der Superhelden zu sehen. Wer so verschmerzen kann, dass das eigentliche letzte Drittel der Erzählung von CAPTAIN AMERICA erst ein Jahr später über die Leinwände flimmern wird, bekommt eine wirklich gelungene Erweiterung des Marvel-Kino-Universums zu sehen. Allein zu erleben, was Tony IRON MAN Stark charakterlich alles von seinem Vater Howard (Dominic Cooper), der mit Dr. Erskine die Technik für das Experiment mit Steve Rogers entwickelt, vererbt bekommen hat, macht den Ausflug mit CAPTAIN AMERICA lohnenswert.

Kay Pinno

Krachender Prolog zu THE AVENGERS!
 

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