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30/11/2017

FLATLINERS

Regie: Niels Arden Oplev / USA 2017 / 110 Min.

Darsteller: Ellen Page, Diego Luna, Nina Dobrev u. a.

Produktion: Laurence Mark, Michael Douglas, Peter Safran u. a.

Freigabe: FSK 12

Verleih: Sony Pictures Germany

Start: 30.11.2017

 

Das Leben nach dem Tod ist eine der großen Fragen der Menschheit. FLATLINERS wendet sich zwar nicht dieser Frage zu, liefert dafür aber ein ansprechendes Cast und einen Horrorausflug jenseits der Grenzen des Originals.

 

1990 brachte Joel Schumacher mit seinem Klischeewerk FLATLINERS einen Film heraus, der es schaffte, aus einer schrägen und vielversprechenden Idee sowie einem jungen, starlastigen Cast extrem wenig herauszuholen. Die adrenalin- und grenzerfahrungssüchtigen jungen Ärzte, die den Tod am eigenen, gut aussehenden Leib erspüren wollten, gespielt von Stars wie Julia Roberts, Kiefer Sutherland und Kevin Bacon, hatten erstaunlich wenig zu tun. Böse Zungen würden von daher behaupten, dass Niels Arden Oplevs (DEAD MAN DOWN) optisch ansprechendes Remake dem Original in einigen Belangen sehr treu geblieben ist.

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Anstatt von Sutherland wird die forschende Bande nun von Ellen Page angeführt. Sie spielt Courtney, eine ernste Studentin der Medizin, die durch eine ganz persönliche Tragödie aus Kindertagen einem Interesse am Leben danach verfallen ist. Als sie im Keller ihrer Arbeitsstätte einen großen, ungenutzten Bereich entdeckt und durch eine nicht sonderlich gesunde Liebesbeziehung zu ihrem Dozenten (Kiefer Sutherland – anwesend nur für die Metaebene) fatalistisch motiviert ist, beschließt sie, Gehirnaktivitäten nach dem Tod zu untersuchen und sich selbst als Testkandidaten einzusetzen.

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Warum sie dies tatsächlich tut, wird nicht ergründet, eine nebulöse Forschung reicht dafür schon aus. Tatsächlich ist dies für die Oberflächenwirkung von FLATLINERS auch nicht nötig. Auch was ihre zwei Kollegen Sophia (Kiersey Clemons) und Jamie (James Norton) antreibt, ständig Courtneys Herz zu stoppen und wieder anzufeuern, bleibt eher unklar. Immerhin ist die eine ihre beste Freundin (mit dezenten Macken im Selbstbewusstsein), und der andere lebt schon vor Ende des Studiums auf der eigenen Yacht – da muss das Leben einfach schon Spannung bieten, um sich nicht im Champagnerglas zu ertränken. Kurz darauf lebt Courtney ab, Effekte prasseln übers Publikum, und FLATLINERS zeigt sich von einer erfrischenden trippigen Seite jenseits des diesseitigen Lebens. Pünktlich um Courtney von des grimmen Schnitters Sense zu holen, springt plötzlich Ray (Diego Luna) dem Team zur Seite. Der hat scheinbar aus halbwegs tragbaren Gründen begonnen, Medizin zu studieren – und Marlo (Nina Dobrev) im Gepäck, die gerne das Wort „Pseudowissenschaft“ benutzt und ihre Runden während der Schicht auf spitzesten Stilettos dreht.

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Zunächst scheint das schräge Experiment tatsächlich etwas Positives bewirkt zu haben. Courtney kommt mit frischen Eindrücken aus der Anderswelt zurück und scheint am Pool vergangener Wissenschaften genippt zu haben. Die lieben Kollegen sind natürlich entsprechend eifersüchtig und wollen ebenfalls alle kurz einmal sterben. Im Gegensatz zu den Flatliners der Generation X reicht also kein einfacher Thrill mehr, nein, man stirbt für bessere Noten!

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Der Rausch des Wissens jedoch ist von kurzer Dauer. Stattdessen hält in den studentischen Hirnen nun Hedonismus Einzug. Es folgen milde Trinkgelage, Getanze und Gevögel, allerdings in den Grenzen der Altersbeschränkung. Ganz zum Erstaunen der jungen Mediziner stellt sich Sterben auf einmal als wenig gesund fürs Gehirn heraus. Visionen und Halluzinationen stellen sich ein. Plötzlich wandelt sich FLATLINERS vom flachen 90er-Remake in eine J-Horror-Hommage mit einigen guten Jump-Scares und finsterer Gestalten mit noch finstererem Make-up in schlecht ausgeleuchteten Gängen.

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Trotz aller Klischees und weniger Hintergedanken bleibt FLATLINERS stets auf der eigenen Spur. Sowohl vor als auch hinter der Kamera ist genug Talent versammelt, um alles im Fahrwasser zu halten. Das Cast holt aus dem dünnen Material alles heraus, was möglich scheint, und Oplev punktet immer wieder mit guten optischen Einfällen. Nur dürfte am Ende noch immer keiner wissen, warum ausgerechnet der Tod Antworten auf das Leben liefern sollte.

 

(Julius Zunker)

 

90er-Remake mit frischen Ansätzen