26/08/2016

AMPHI Festival kommt nach Hause – DEADLINE kommt mit

Noch 2015 sollte alles anders werden mit dem Amphi. Weg vom Kölner Tanzbrunnen, wo sich das Festival über viele Jahre in den Herzen der schwarzen Szene etabliert hatte. Mit dem Gelände der Lanxess Arena fand das Amphi eine neue und – entgegen der weit verbreiteten Meinung – geeignete Location. Aufgrund einer Unwetterwarnung konnte jedoch der Außenbereich mit den Open-Air-Bühnen nicht genutzt werden. Damit war das “neue” Amphi zum Auftakt eine reine Hallenveranstaltung mit wenig Festivalfeeling geworden und rasch füllte sich die Amphi-Facebookseite mit Beschwerden. Als AND ONE Frontmann Steve Naghavi abends bei der Headliner-Show die Rückkehr zum Tanzbrunnen verkündete, war der Jubel groß. Natürlich war das nur der Naghavi-typische Humor. Oder doch ein Orakelspruch?

Main Stage am Tanzbrunnen

Überraschend gab die Festivalleitung 2016 eben jene Rückkehr zum Tanzbrunnen bekannt, den das Amphi aufgrund verschiedener organisatorischer Einschränkungen (u.a. durch den Wegfall des Staatenhauses im Rheinpark) Ende 2014 verlassen musste. Begründet wurde das mit dem Wunsch der Fans, die Arena sei nicht gut angekommen. Kritische Stimmen verwiesen auf den schleppenden Kartenvorverkauf. Woran es nun auch lag: Am 23. und 24. Juli 2016 traf sich die bunte schwarze Szene für das zwölfte Amphi bei bestem Festivalwetter im Kölner Tanzbrunnen. Die DEADLINE war erneut als Kooperationspartner dabei.

An Deck der MS Rheinenergie

Am Vorabend des Festivals stimmten OOMPH! und APOPTYGMA BERZERK im Rahmen der Sonderveranstaltung “Call the Ships to Port” auf Europas größtem Eventkatamaran hervorragend auf das Amphi ein. Während des Festivals wurde die MS RheinEnergie neben der Open-Air-Stage im Tanzbrunnen und der Theaterbühne zur dritten Spielstätte für Live-Konzerte.

Dero von OOMPH! wie man ihn kennt. Auch wenn die Band leider seit Jahren auf ihre englischen Stücke verzichtet und die Setlist ohne Überraschungen auskam, sind die Jungs noch immer Garant für energiegelande Konzerte.

Rund 12.000 Besucher lauschten erneut vor allem elektronischen Klängen, aber auch Gitarren hatten wie immer im Line-Up Platz, das von den Indie-Rockern EDITORS angeführt wurde. Einige Bands wie NEUROTIC FISH, die im Vorjahr aufgrund der Wetterbedingungen nicht spielen konnten, holten ihre Auftritte nach.

Ein bisschen Regen gab es dann doch, wobei Schirme beim Amphi generell eher Sonnen- als Regenschutz sind ;-)

Selbst ich als langjähriger Amphi-Gast und Fan der Lanxess-Arena aus dem letzten Jahr muss zugegeben: Ja, der Tanzbrunnen hat schon was und die unverschämten Getränkepreise des Tanzbrunnen-Betreibers ignorieren wir einfach an dieser Stelle. Natürlich spielte das Wetter dem Gelände in diesem Jahr in die Hände, sodass der Tanzbrunnen seinen ganzen Charme versprühen konnte.

“Black Creatures from the Black Lagoon”

Die Menschen flanieren umher, das wie immer reichliche Angebot an Verkaufsständen lädt zum Bummeln ein, schnell füllt sich der direkt am Rheinufer gelegenen Beachclub, in dem so mancher Festivalbesucher schon seine Lieblingsbands verpasst hat. Es ist einfach verdammt gemütlich beim Amphi. Man kommt schnell ist Gespräch, die Leute sind entspannt, der Altersschnitt musikbedingt höher als bei anderen Festivals.

Der Samstag wurde auf der Main Stage von [X]-Rx eröffnet, die 2015 ebenfalls kein komplettes Set spielen konnten. Trotz des undankbaren Frühstücksslots um 11.00 Uhr morgens fanden sich aber bereits zahlreiche Fans vor der Bühne ein.

Überhaupt ist das Drumherum beim Amphi fast genauso wichtig wie das Line-Up, das 2016 zugegeben wieder größtenteils aus den üblichen Verdächtigen bestand. Viele der auftretenden Künstler sind (vom Publikum gewünschte) Dauergäste, wie AESTHETIC PERFECTION, die bei einer zurecht gefeierten Darbierutung ihre neue Single “LAX” als Premie auf der Theater Stage vorstellen. Die teilte sich Sänger/Shouter Daniel Graves am Samstag mit SPETSNAZ, erwähnten NEUROTIC FISH und den Elektropionieren von FRONTLINE ASSEMBLY. 

 

 

Insgesamt bringt der Samstag eine gut zusammengestellte Mischung aus Rock, Metal und verschiedenen Elektro-Spielarten. Auf der Main Stage bringt die Finnin TARJA als Co-Headliner frischen Wind ins etablierte Amphi-Line-Up, Düsterpopstar BLUTENGEL zieht ein großes Publikum und seine Tänzerinnen sich aus.

MEGAHERZ-Sänger Lex freut sich offenbar auch über die Rückkehr zum Tanzbrunnen

 

Showeinlage bei BLUTENGEL



WEITER

 

Beim Amphi immer wieder gewünscht: MONO INC.

Dass die Festivalleitung auf Wünsche und Kritik hört, macht sich unter anderem bei der Trinkwasserversorgung bemerkbar. Im Einvernehmen mit der Gastronomie des Tanzbrunnen wurde Mineralwasser an einem Stand zu günstigeren Preisen verkauft, zudem standen kostenlose Wasserstellen zur Verfügung. Gerade letztere fanden bei den heißen Temperaturen großen Zuspruch.

Da sich die Wasserstelle in Nähe des Eingangsbereichs befand, ergab sich hier jedoch oft ein absurdes Bild: Mitgebrachte Wasserflaschen wurden vom Sicherheitspersonal ausgeleert, die dann von den Besuchern drei Meter weiter wieder befüllt wurden. Generell schien sich die Security am Einlass primär darauf zu konzentrieren, Taschen nach Getränken oder Snacks zu durchsuchen. Dem Gefühl der Sicherheit, das in jüngster Zeit leider auch Festivals stärker umtreibt bzw. umtreiben muss, verpasst das einen Dämpfer. Insofern überrascht es nicht, dass der Sicherheitsaspekt ein häufiges Thema in Gesprächen war.

Sven Friedrich gehört fast zum Inventar des Amphis und schaute 2015 mal wieder mit seinem Projekt SOLAR FAKE vorbeim, um dem Publikum den Sonntagmittag zu versüßen.

Eine andere Einlasssituation sorgte ebenfalls für Unmut. Aufgrund begrenzter Platzkapazitäten im Theater – das Amphi hatte das vorab angekündigt – wurde einigen Besuchern der Zugang zur Bühne verwehrt und gerade bei den Headlinern bildeten sich lange Schlangen. Eine sicher ärgerliche Situation, die man dem Festival aber nur bedingt vorwerfen kann. Teilweise blockierten etwa sitzende Besucher den Ausgang des Theaters, sodass die Feuerwehr auf den Einlassstopp bestand. Noch verhältnismäßig viel Platz gab es zu abendlicher Stunde bei den Metal-Veteranen von MOONSPELL – parallel spielte PROJECT PITCHFORK auf der Main Stage -, die auch nach fast 30 Jahren Bandgeschichte noch Spaß machen und mit gitarrenlastiger Härte auf angeneme Weise für Abwechslung sorgen.

 

FADERHEAD demonstrieren am Festivalsonntag, wie man die MS Rheinenergie rockt.

COVENANT gaben sich ebenfalls zum wiederholten Male beim Amphi die Ehre. Auf der sonnigen Main Stage ging die effektreiche Lichtshow der sympathischen Schweden leider völlig unter.

Der Sonntagabend gehört dem Headliner EDITORS, der seiner Rolle absolut gerecht wird. Frauen kreischen, als Sänger Tom Smith ein wenig zu lässig mit Lederjacke auf die Bühne kommt…und schnell wieder auszieht, denn es ist verdammt heiß. Zwar hat sich die Band von ihrem Post Punk Sound entfernt und deutlich dem Mainstream angenährt, der musikalischen Qualität hat das aber nie geschadet. EDITORS spielen ein Set, das die Bandgeschichte Revue passieren lässt, in der ersten Reihe vor der Bühne wird Konfetti verteilt. So bunt ist schwarz. Und spätestens als der Hit “Papillon” erklingt, weiß jeder, dass er schon einmal EDITORS gehört hat.

Sind schon groß und werden sicher noch größer: EDITORS mit Frontman Tom Smith

Wie immer bestach das Amphi durch eine friedliche und tatsächlich einzigartige Atmosphäre. Jenseits der Musik bleibt das Festival ein Ort für das Sehen und Gesehen werden, den viele Besucher aus der ganzen Welt jedes Jahr aufs Neue nutzen, um sich mit ihren Freunden zu treffen. Eine schöne Sache.

Deadline@Amphi
Deadline@Amphi 2016

Für das Amphi Festival 2017 am 22. und 23. Juli wurden unter anderem bereits VNV NATION, DIARY OF DREAMS, LORD OF THE LOST, LETZTE INSTANZ und DIORAMA bestätigt. Der Vorverkauf hat begonnen. Limitierte EARLY-BIRD-TICKETS sind zum Frühbucherpreis exklusiv im Amphi Shop unter www.amphi-shop.de erhältlich. (Christian Daumann)

 

Ein besonderer Dank an Amphi-Fotograf Patrick Beerhorst für die Nutzung seiner wunderschönen Bilder. Alle Bilder (c) Patrick Beerhorst. | https://500px.com/patrickbeerhorst

 

Für das Amphi ist man übrigens nie zu alt