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02/02/2018

Deadline präsentiert den Netzkino Film des Monats: LANDMINE GOES CLICK

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Auf www.netzkino.de und dem Netzkino Youtube Channel könnt ihr Spielfilme, Serien und TV-Filme in voller Länge anschauen. Gemeinsam präsentieren wir euch im Februar den erbarmungslos zupackenden LANDMINE GOES CLICK.

 

Über den Link gelangt ihr direkt zum Film:
LANDMINE GOES CLICK auf netzkino.de anschauen

Landmine goes click 01 

LANDMINE GOES CLICK
Regie: Levan Bakhia / Georgien 2015 / 100 Min.
Darsteller: Sterling Knight, Spencer Locke, Dean Geyer, Kote Tolordava, Giorgi Tsaava, Helen Nelson, Nana Kiknadze
Produktion: Nika Apriashvili, Levan Bakhia

 

Das Schöne am Medium Film ist nicht immer die Unterhaltung per se, sondern die damit verbundene Mannigfaltigkeit an Emotionen und die Frage, wohin die Gefühlsreise geht. Nehmen wir I SPIT ON YOUR GRAVE, bei dem der Revenge-Part obligatorisch nach dem Rape-Part gesetzt ist und bei dem sich der aufgestaute Hass bezüglich der Peiniger im zweiten Akt brutal entladen kann und bei dem das uns inhärente Gerechtigkeitsdenken bedient wird. So weit, so formelhaft. Wird jene Erwartung allerdings konterkariert, bleibt der Film einem meist für alle Ewigkeit im Gedächtnis. Ein Paradebeispiel dafür ist der französische Horrorschocker MARTYRS, der den Rachedurst des Zuschauers schlussendlich nicht befriedigt, sondern direkt an den Anfang setzt. Einen Zeitpunkt also, an dem das Publikum mit einer solchen Bestrafung noch gar nichts anfangen kann, da die emotionale Bindung zu den Charakteren noch nicht entstanden ist. Wenn diese dann im letzten Drittel greift, bleibt der Racheakt jedoch aus, und der Betrachter kann seine intensiven Gefühle nicht kanalisieren. Auch das georgische Thriller-Drama LANDMINE GOES CLICK von 247°F-Regisseur Levan Bakhia bietet dem Publikum eine solch finale, emotional entlarvende Zäsur, welche dem ohnehin schon wendungsreichen Werk eine perfide, bittere Note verleiht, die den Zuschauer dort trifft, wo es richtig wehtut, wodurch der Film zu einem kurzatmigen Psychothriller im Stile der frühen SAW mutiert.
 

Die amerikanischen Touristen Chris (Sterling Knight), sein bester Kumpel Daniel (Dean Geyer) und dessen Verlobte Alicia (Spencer Locke) sind gemeinsam mit einem Park-Ranger (Giorgi Tsaava) in der einsamen Wildnis Georgiens unterwegs, um in der weiten Steppe zu zelten. Dass Alicia ihren Zukünftigen in der Vergangenheit mit Chris betrogen hat, ist dabei nicht unbedingt ein Stimmungsmacher. Ebenso wenig die Tretmine, auf der Chris plötzlich steht. Während Daniel und der Ranger Hilfe holen, nähert sich dem bewegungsunfähigen Chris und der aufgelösten Alicia derweil ein Fremder (Kote Tolordava) mit seinem Hund. Aus der anfänglichen Erleichterung entwickelt sich jedoch plötzlich ein sadistisches Spiel auf Leben und Tod.

 

Was als Backpackerfilm mit Lagerfeuerromantik beginnt, wird von jetzt auf gleich zum unangenehmen Survivaltrip, der dabei sukzessive zwischen Familiendrama- sowie Rape-and-Revenge-Elementen mäandriert. Wer nun allerdings einen reißerisch-plakativen Exploitation-Streifen vermutet, der irrt gewaltig. In LANDMINE GOES CLICK wird trotz seiner Prämisse und einiger harter Szenen weder die Nudity-Komponente bedient noch in exzessiven Blutbildern gebadet. Der Erzählton ist ruhig, doch permanent unheilschwanger, voller Konfliktpotenzial, sadistisch und aufgeladen mit politischen Seitenhieben auf die Beziehung zwischen Russland und Georgien. Die Kamera fängt die teils schwer zu ertragenden Szenen bar jedweder Effekthascherei so kühl und distanziert ein, dass man ob des schmerzlichen Realismus unruhig hin und her rutscht. Wenn die stetig steigende Spannung dann schließlich in einer erniedrigenden Gewalteruption kulminiert, sind die Weichen für das obligatorisch Folgende gestellt, doch es soll ganz anders kommen. Aus dem gerade noch geifernden Verlangen nach Rache wird eine sich selbst reflektierende Schockstarre, mit der uns Bakhia am Ende allein lässt, was zur Folge hat, dass man das eben Gesehene noch Tage mit sich herumträgt. Was für ein Trip! Einzig das plötzliche und doch etwas irritierende Verschwinden zweier zentraler Figuren ist ein kleiner Wermutstropfen, da es irgendwie nicht ganz schlüssig wirkt.

 

Das relativ kleine Darsteller-Ensemble macht seine Sache nach einem etwas holprigen Start verdammt gut. Zu Beginn hat man so ein bisschen das Gefühl, dass die Schauspieler erst mit wachsender Laufzeit so richtig warm werden, dann jedoch zur Höchstform auflaufen. So wird in den zentralen, unangenehmsten Momenten des Films die volle Gefühlspalette bedient, was ein intensiv realistisches Durchleben der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins zur Folge hat.

 

Dieser Film packt erbarmungslos zu, intensiviert den Griff und lässt einen auch lange nach dem Abspann nicht mehr los. (Daniel Gores)




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