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05/03/2017

Deadline präsentiert den Netzkino Film des Monats: CHATROOM

Chatroom Header

Auf www.netzkino.de und dem Netzkino Youtube Channel könnt ihr Spielfilme, Serien und TV-Filme in voller Länge anschauen. Gemeinsam präsentieren wir euch mit CHATROOM ein Drama, das sich um Manipulation, Machtdemonstration und Demütigung dreht.

 

Über den Link gelangt ihr direkt zum Film:
CHATROOM auf netzkino.de anschauen

 

Regie: Hideo Nakata / Großbritannien 2010 / 93 Min.
Darsteller: Aaron Johnson, Hannah Murray, Imogen Poots, Matthew Beard, Megan Dodds Produktion: Paul Trijbits, Laura Hastings-Smith, Alison Owen, Katherine Butler

 

CHATROOM ist ein guter Film. Mit einem großen Problem: potenziell grundfalschen Erwartungshaltungen seitens des Publikums. Kein Wunder, bei einem Regisseur namens Hideo Nakati, zu dessen Filmografie Werke wie RINGU, DARK WATER und DEATH NOTE 3 zählen, werden die meisten düsteren Horror erwarten. Und bei einem Titel wie CHATROOM eine Story über das Chatten oder gar das Internet an sich, mit aufwendigen Spezialeffekten und faszinierender grafischer Gestaltung. Beides trifft aber nicht unbedingt zu – und so kam der Streifen bei seinen Festivalauftritten vielerorts ziemlich schlecht weg. Ein Horrorfilm ist CHATROOM höchstens in der Hinsicht, dass er reale Grausamkeiten des Lebens als Jugendlicher thematisiert. Und das Internet bildet letztlich bloß den – mit ganz mondänen Kulissen umgesetzten – „Handlungsort“ und spielt in einigen netten Nebensächlichkeiten eine eigenständige Rolle, z.B. wenn es um Passwörter, illegale Websites und Ähnliches geht. Tatsächlich aber ist CHATROOM vor allem eins: ein Teenager-Drama, das oftmals an EISKALTE ENGEL, JAWBREAKER usw. erinnert. Sich also um die Themen Manipulation, Machtdemonstration, Demütigung dreht.

Chatroom 01

Im Zentrum der Handlung stehen ein paar Londoner Jugendliche, die aus Langeweile herumsurfen und sich zufällig im Chat „Chelsea Teenager!“ über den Weg laufen, den einer von ihnen gerade eröffnet hat. Nach einem enervierenden Erlebnis mit einem Pädophilen sichern sie den Raum durch ein Passwort und sind fortan unter sich. Sie lernen einander, ihre Träume und Probleme näher kennen, tauschen sich aus und unterstützen sich – wobei William nicht der nette, hilfsbereite Typ ist, als der er sich ausgibt. In Wirklichkeit will er andere leiden sehen. Im depressiven Jim hat er das offenbar ideale Opfer gefunden …

Sicher: Die Art und Weise, wie die Geschichte hier fortschreitet, braucht das Internet, funktioniert nur in ihm. Mobbing und Heuchelei sind nun mal durch ein Medium auf eine neue Spitze getrieben worden, in dem jeder ein Hund sein kann und keiner dein Gesicht und deinen Charakter wirklich kennt. Prinzipiell sind sie aber keine neuen Erfindungen – ebensowenig wie die eigentliche Story des Films.

Chatroom 02 

Überraschungen findet man hier deshalb auch eher wenige, was genauso für Setting und Look des Films gilt. Das Internet wird durch einen langen Gang mit unzähligen Türen dargestellt. Die dahinter gezeigten Websites erscheinen ziemlich handmade, flashige Effekte gibt es nur äußerst selten zu bewundern. Das Geschehen hinter den Türen ist oft klischeebeladen oder sogar so umgesetzt, wie sich ein Außenseiter Online-Communities usw. vorstellt. Auch die Protagonisten sind sehr stereotyp gezeichnet, insbesondere der „Böse“ ist viel zu offensichtlich böse angelegt und feiert viel zu leicht seine Erfolge.

 

Das ändert aber nichts daran, dass die „Teenage Angst“ in CHATROOM eindrücklich zum Leben erweckt wird und sich viele Jugendliche in bestimmten Aspekten der Charaktere und der Handlung wiederfinden dürften. Druck von Eltern, Peer Group, Alltagsleben; falsche Freunde, Einsamkeit, Verzweiflung, Komplexe … Wem das alles unglaubwürdig erscheint, der ist wohl einfach schon etwas zu weit weg von seinen eigenen Jugenderfahrungen. Oder stand immer auf der sonnigsten Seite des Lebens. Natürlich wirkt das hier alles enorm simplifiziert. Aber CHATROOM ist eben in erster Linie ein Film für Teenager, jedenfalls werte ich ihn so.

 

War aber das Internet-Setting für die Story wirklich nötig? Oder ist das nur ein fehlzündender Marketing-Trick? Sehen wir es so: Heute dürfte sich kaum noch ein Jugendlicher angesprochen fühlen, wenn das Internet keine zentrale Rolle in der Beschreibung seiner Generation spielt. Insofern macht das Ganze doch Sinn für Horrorfans aber wohl eher nicht. Freunden von Coming-of-Age-Dramen ist CHATROOM dagegen absolut zu empfehlen. Zudem er mit einem großen Schuss funktionierender Tragödie versehen, mit gutem Tempo und bemerkenswerter Art Direction inszeniert wurde: Sehr gelungen als das, was er ist. (Dominic Saxl)

 

Jugend-Leiden 2.0 mit Sternchen!




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