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13/04/2017

Deadline präsentiert den Netzkino Film des Monats: 5150 ELM’S WAY

5150 ELM’S WAY Header

Auf www.netzkino.de und dem Netzkino Youtube Channel könnt ihr Spielfilme, Serien und TV-Filme in voller Länge anschauen. Gemeinsam präsentieren wir euch mit 5150 ELM’S WAY eine eindrückliche Charakterstudie, bei der Regisseur Éric Tessier gekonnt mit Beklemmung, Tragik und Witz jongliert.

 

Über den Link gelangt ihr direkt zum Film:
5150 ELM’S WAY auf netzkino.de anschauen

 

5150 ELM’S WAY
(OT: 5150 RUE DES ORMES)
Regie: Éric Tessier / Kanada 2009 / 110 Min.
Darsteller: Marc-André Grondin, Normand D’Amour, Sonia Vachon, Mylène St-Sauveur, Élodie Larivière
Produktion: Nicole Hilareguy, Pierre Even, Josee Vallee, Richard Speer

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Yannick (Marc-André Grondin) zieht es für sein Filmstudium von Eltern und Freundin weg in die große Stadt. Zum ersten Mal auf sich alleine gestellt, erkundet er die nähere Umgebung mit seinem Rad und seiner Videokamera. Doch als er sich von der titelgebenden Rue des Ormes (englisch: Elm’s Way!) wieder auf den Heimweg machen will, läuft ihm eine (schwarze!!) Katze vor den Lenker, und Yannick stürzt kopfüber aufs Pflaster. Da sein Gefährt nun schrottreif ist, beschließt er, aus einem der umliegenden Häuser ein Taxi zu rufen, und guckt sich dafür ausgerechnet das Anwesen 5150 von Jacques Beaulieu (Normand D’Amour) aus. Dieser erscheint erst hilfsbereit; als Yannick aber Schreie aus dem obersten Stockwerk vernimmt und dort einen verwundeten, gefesselten Mann in einem leeren Zimmer vorfindet, ist es mit der Freundlichkeit von Jacques vorbei. Denn als gottesfürchtiger Serienkiller, der aufgrund seines eigenen Rechtsverständnisses aus Überzeugung Vergewaltiger, Betrüger und sonstige Verbrecher ermordet, kann Jacques den Studenten nun nicht mehr einfach gehen lassen. So sperrt er ihn, nach zügiger Entsorgung des Verletzten, in dem eben frei gewordenen Raum ein.

 

Nach und nach erfährt der verzweifelte Yannick, dass nicht nur sein unfreiwilliger Gastgeber, sondern auch der Rest der Beaulieus, bestehend aus Teenie-Tochter Michelle (Mylène St-Sauveur), Ehefrau Maude (Sonia Vachon) und Nesthäkchen Anne (Élodie Larivière), ziemlich fies einen an der Klatsche hat. Also verbringt der Filmstudent seine trostlosen Tage damit, möglichst viele Fluchtversuche zu starten, die natürlich regelmäßig und vor allem daran scheitern, dass Argusauge Michelle ein ziemlich aufbrausender, wütender Stiernacken ist. Nur bei der gottesfürchtigen und stillen Maude findet der Junge Gehör und hofft, durch sie möglichst bald diesem Irrenhaus zu entkommen. Da schlägt ihm Jacques unvermittelt einen Deal vor: Yannick soll um seine Freiheit Schach spielen. Mit Jacques selbstverständlich, dem begeisterten, wettbewerbserfahrenen und bisher ungeschlagenen Profi. Yannick, der vom Spiel keinen blassen Schimmer hat, wird jedoch von Partie zu Partie besser.
 

Der Stoff basiert auf einem Buch des “quebekischen Stephen King” Patrick Senécal, ist genauso durchgeknallt, wie er sich anhört, und deshalb als Film gar nicht mal leicht umzusetzen. Zumal sich fast die gesamte Szenerie nur in einem Haus abspielt. Doch Regisseur Éric Tessier ist es in seiner Adaption gelungen, mit wenig Blut und Gemetzel gekonnt zwischen Beklemmung, einer gewissen Tragik und Witz zu jonglieren. Dabei geholfen hat ihm natürlich nicht zuletzt ein großartiges Schauspielcast. Vor allem die Familie ist sehr nuanciert gezeichnet und gerade deshalb spannend. Hier gibt es kein grundböses Potenzial intelligenzloser Existenzen.

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Jeder tut etwas aus einem Glauben an etwas und einer daraus resultierenden Einstellung heraus, kann diese aber wenn nötig auch überdenken. Selbstverständlich ist das Familiengerüst dabei nur lose aufeinandergestellt, denn Harmonie und ein offenes Ohr für den jeweils anderen sucht man hier vergeblich. Genau diese Zerbrechlichkeit lässt den Beaulieus eine gewisse Normalität zugestehen, weil diese Strukturen doch schon sehr real anmuten. Als Yannick nun ins Leben der Familie stolpert, stürzt die Fassade ein.

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Grundlegend anders thematisiert Tessier auch das Prinzip der hoffnungslosen Situation, in der sich die Hauptfigur befindet. Tessier öffnet bewusst viele Türen vermeintlicher Auswege, um sie kurz danach (mit zynischem SAW-Charakter, nur noch eine Spur witziger) zu zerschlagen. Dennoch zeigt Tessier die dramatische Komponente dieser Gefangenschaft in zunehmenden Wahnvorstellungen, unter denen Yannick zu leiden beginnt (unter anderem von seinen Eltern, da hätte man sich allerdings mehr Hintergrund gewünscht), visuell unterstrichen durch einen Blutfleck an der Zimmerwand, der immer größer zu werden scheint. 

 

Auch mit der Schachspielidee veranschaulicht der Regisseur eindrücklich, was für Spätfolgen ein solches Trauma haben kann. Was bleibt, ist eine eindrückliche Charakterstudie, die erfrischenderweise mal keine 08/15-Opfer/-Täter zeigt und sich trotz ernsthafter Note selbst nie zu ernst nimmt.
(Sarah Stutte)

 

Die Mischung macht’s!




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