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21/07/2015

ANT-MAN

Regie: Peyton Reed / USA 2015 / 117 Min.
Darsteller: Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll
Produktion: Christopher Milburn, André Rouleau, Courtney Solomon
Freigabe: FSK 12
Verleih: Walt Disney Germany
Start: 23.07.2015

 

Im Marvel Cinematic Universe spielt Größe eine entscheidende Rolle. Es geht um weltumspannende Terrororganisationen, außerweltliche Zivilisationen, mächtige Helden und noch mächtigere Gegner, nicht zuletzt aber fast immer um die Rettung der gesamten Menschheit. Ein wichtiger Schlüssel zum finanziellen Kinoerfolg ist dabei stets die große Bekanntheit der Comicfiguren: Iron Man, Captain America, Thor, Hulk. Schon im Kinosommer des letzten Jahres wagte sich Marvel an die Einführung neuer Charaktere, die dem breiten Mainstream bis dato nicht sonderlich geläufig waren. Dennoch wurde GUARDIANS OF THE GALAXY zu einem großen Erfolg. So soll nun 2015 ein weiteres Puzzlestück im MCU etabliert werden: ANT-MAN.

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Ein Mann, der mithilfe eines Anzugs schrumpft, an Stärke hinzugewinnt und im Team mit Ameisen kämpft. Diese Prämisse klingt für jeden comicunerfahrenen Kinogänger sicherlich komplett bescheuert, weshalb es für Marvel durchaus ein riskantes Unterfangen gewesen sein dürfte, diesen Film zu inszenieren. Zugegeben, ANT-MAN hätte schnell ein Reinfall werden können. Doch mit Edgar Wright (SHAUN OF THE DEAD) hatte das Studio von Anfang an einen Mann an Bord, der im Comedyfach schon viel Exzellentes abgeliefert hat, und wie auch anders sollte dieser irrwitzige Superheld etabliert werden, wenn nicht mit einer großen Portion Humor.

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Neben einem charmanten Drehbuch als eine der beiden wichtigsten Säulen des Films präsentiert sich Hauptdarsteller Paul Rudd als perfekte Wahl. Rudd spielt den geläuterten Meisterdieb Scott Lang, der sich nach einem Aufenthalt im Gefängnis nur noch dafür interessiert, wie er das Verhältnis zu seiner Tochter wieder verbessern kann. Doch die Resozialisierung gestaltet sich schwieriger als gedacht, sodass sich Scott zu einem letzten Coup überreden lässt, bei welchem er schließlich dem Biochemiker Dr. Hank Pym (Michael Douglas) in die Hände fällt. Zusammen mit Pym, dem Erfinder des Ant-Man-Anzugs, planen sie einen Einbruch in das alte Labor des Doktors, bei dem natürlich das vermeintliche Schicksal der Erde auf dem Spiel steht.

 

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Die brisante Bedeutung der Substanz, die Scott und Pym versuchen zu stehlen, wird zwar von Anfang an verdeutlicht, im Vergleich zu anderen Marvel-Produktionen ist das greifbare Ausmaß an Gefahr für den Zuschauer jedoch trotzdem um ein Vielfaches geringer. Was sehr erfrischend ist. Der Stellenwert von ANT-MAN im MCU scheint wirklich klein, was sich schon zu Beginn des Films im Bildschirmformat manifestiert. Anders als bei allen anderen Marvel-Verfilmungen wurde hier kein CinemaScope (2,35:1) gewählt, sondern schnödes Widescreen (1,85:1). Scott Lang ist kein muskelbepackter Schönling wie Thor oder Captain America. Selbst die Agenda ist kurz und knapp: Raub. Hier gibt es keine Aliens, keinen übernatürlichen Tesserakt, und es werden auch nicht ganze Städte in die Luft gehievt. Hier gibt es Ameisen, einen Pro- und einen Antagonisten, und selbst der Showdown findet „nur“ im Kinderzimmer statt.

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Das alles ist sehr wohltuend, da sich der Zuschauer eben nicht auf mehrere Handlungsstränge konzentrieren muss und schlussendlich auch nicht das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel steht. Marvel hat sich bei ANT-MAN einzig und allein auf die Figur fokussiert – woher kommt sie, wohin geht sie, und was passiert dazwischen. Die Balance zwischen Action und Comedy ist nahezu perfekt, das Pacing stimmt, und die Laufzeit ist mit unter zwei Stunden angenehm kurz. Trotzdem ist Marvel seiner Linie treu geblieben, denn ANT-MAN bietet originelle Easter Eggs, Mid- sowie Post-Credit-Scene und den so typischen Humor, welcher der Figur des Iron Man sicherlich am ähnlichsten ist. Das ist vielleicht sogar gewollt, denn Robert Downey Jr. hat mittlerweile bekannt gegeben, dass er den Comicadaptionen nicht auf ewig treu bleiben will. Mit Paul Rudd wäre hier für adäquaten Ersatz gesorgt.

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Schlussendlich hat es Marvel wieder geschafft, einen neuen und belebenden Superhelden in die Nähe der Avengers zu rücken. Retrospektiv bleibt ANT-MAN als Film zwar genauso klein wie sein Namensgeber, aber er hat eine große Portion an Charme und Herz. Vielleicht vergisst man diesen Kinobesuch schnell wieder, aber als Sommerblockbuster ist er kurzweilig und unterhaltsam. Und im Hinblick auf die finale Phase 3 ist ANT-MAN vermutlich ein ganz großer Beitrag. (Daniel Tubies)

 

AMEISEN-ASSEMBLE: klein, aber oho!