10/10/2017

AMERICAN ASSASSIN-PRODUZENT LORENZO DI BONAVENTURA IM INTERVIEW

Lorenzo di Bonaventura am Set (c) Christian Black
Lorenzo di Bonaventura am Set (c) Christian Black

Mit AMERICAN ASSASSIN hat Produzent Lorenzo di Bonaventura das Spionagethrillergenre für eine neue Generation von Kinogängern weiterentwickelt. Im neuen Film, der auf dem Buch von Bestsellerautor Vince Flynn basiert, spielt Dylan O’Brien (THE MAZE RUNNER) Mitch Rapp, einen jungen Black-Ops-Trainee bei der CIA unter der Anleitung des (von Michael Keaton gespielten) kompromisslosen CIA-Veteranen Stan Hurley – der zu einem Antiterror-Meisterspion ausgebildet wird, der in einer Welt mit neuen Regeln das Spionage-Spiel neu definiert. Der neueste Film von di Bonaventura, der in Rom, Istanbul, Malta, den USA, Großbritannien und Thailand verfilmt wurde – mit Taylor Kitsch (FRIDAY NIGHT LIGHTS), Sanaa Lathan (NOW YOU SEE ME TOO) und Neuling Shiva Negar (BECOMING BURLESQUE) als Nebendarsteller –, stellt auch die Weichen für ein größeres neues Franchise. Lorenzo di Bonaventura, ein ehemaliger Produktionsvorstand bei Warner Bros., war während seiner Karriere an über 130 Produktionen beteiligt, darunter THE MATRIX, OCEAN’S ELEVEN und HARRY POTTER AND THE SORCERER’S STONE. Seine neuesten Filme sind u. a. die TRANSFORMERS-Filmreihe, DEEPWATER HORIZON und der anstehende ONLY THE BRAVE. Wir haben mit di Bonaventura über die Verfilmung von AMERICAN ASSASSIN in Los Angeles gesprochen.

 

Was an dieser Welt von Mitch Rapp hat Sie zuerst gereizt?

 

Ich war Fan von Vince Flynns Büchern, und ich glaube, Mitch ist eine Figur, von der viele sich wünschen würden, sie existiere auch in der realen Welt – ein Typ, der eine moralische Entscheidung zwischen Richtig und Falsch treffen kann, der weiß, wer der Gute, und vor allem, wer nicht der Gute ist. Actionfilme sind im Grunde moralische Stücke. Und in dieser unruhigen Welt, in der wir leben, ist der Gedanke, dass da draußen Leute in unserem Sinne arbeiten, eine beruhigende Idee.

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Wie unterscheidet sich Mitch von Vorgängern wie Jack Ryan?

 

Der größte Unterschied besteht darin, dass Mitch ein Nach-9/11-Held ist, und ich glaube, es kommen noch viele Dinge dazu, die so eine Figur beeinflussen. Es ist eine Welt, in der unsere Unschuld verloren gegangen ist, und ich meine, das hat eine Wirkung auf den Charakter, der daraus entsteht. Jack Ryan hat keine Angst. Er ist ein wahrer Gläubiger. Das ist Mitch zwar auch, aber auf andere Art und Weise. Er ist ein Ängstlicher, der die Welt vorwiegend schwarz-weiß sieht. Sie ist aber auch grau. Die Welt ist für uns viel grauer – wer ist jetzt gut und wer böse? Wir erhoffen uns von der Idee, dass wir im Film gute und böse Iraner sowie auch gute und böse Amerikaner haben, dass sie das Publikum eher anspricht. Wissen Sie, Jack Ryan stammt aus der Zeit, in der die Russen die Bösen und die Amerikaner die Guten waren …

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Erzählen Sie uns, wie das Projekt zustande gekommen ist.

 

 

Ich habe mich vor ungefähr 10 ½ Jahren zum ersten Mal damit beschäftigt. Ja, es hat wirklich so lange gedauert! Da fing ich an mit einem Buch von Vince, Consent to Kill. Vier oder fünf Jahre später schrieb er American Assassin. Und als wir das Buch gelesen haben, sind wir sofort darauf angesprungen. Einem Actionhelden in die Psyche zu schauen ist eine der schwersten Sachen überhaupt. AMERICAN ASSASSIN gab uns dazu den Schlüssel. Normalerweise sind die Helden in solchen Filmen um die 40, so zwischen 35 und 50. Das ist der Typ von Held, dem wir normalerweise moralische Autorität zugestehen. Die Herausforderung, dem Publikum einen Mittzwanziger in dieser Entscheiderrolle zu präsentieren, war für uns sehr interessant.

 

Warum war Dylan O’Brien der Richtige?

 

 

Ich hatte Maze Runner gesehen und fand ihn wirklich toll. Er war faszinierend. Und ehrlich gesagt gibt es nicht viele Typen in seiner Altersgruppe, die überhaupt irgendeine Präsenz haben. Die Liste ist wirklich ganz schön klein. Wir haben ihm zuerst eine Rolle in Deepwater Horizon gegeben. Und obwohl das nicht gerade die größte Rolle war, fand ich es interessant, dass er sich trotz des Beiseins von Mark Wahlberg, Kurt Russell und John Malkovich nicht wie ein kleiner Bengel fühlte. Er fühlte sich eben wie ein junger Mann. Als ich das gesehen habe, habe ich meinen Produktionspartner, Nick Wechsler, angerufen: “Ich glaube, Dylan könnte den Rapp spielen …”

 

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War er anfangs erschöpft, nachdem er gerade vom Unfall kam, den er auf dem Maze Runner-Set erlitten hatte?

 

Sehr sogar.

 

Wie haben Sie ihm zurück in die Spur geholfen?

 

Als Erstes haben wir einen großartigen Fitnesstrainer, einen tollen Kampftrainer und einen sehr Zen-mäßigen Typen in einer Person angeheuert: den legendären Roger Yuan, der bereits mit Actionlegenden wie Jackie Chan und Chow Yun-Fat gearbeitet und Daniel Craig für SKYFALL  trainiert hat. Wir haben Dylan mit Roger zusammengebracht, weil wir wussten, dass er Dylan anspornen würde und auch wissen würde, wann er Dylan nicht anspornen sollte … Wie sich herausstellte, hat diese Körperlichkeit, dieses Zen-mäßige, Dylan dabei geholfen, sein Selbstvertrauen zurückzugewinnen, als er das Training aufgenommen hat.

 

Wie war er auf dem Set?

 

Großartig. Also das einzige Mal, wo er keinen Stunt gemacht hat, war dann, als wir ihm das nicht erlaubt haben, weil wir Angst hatten, dass er sich verletzen könnte. Alles, was man da sieht, ist Dylan selbst. Er machte so gut wie alles. Er und Taylor Kitsch hatten beide überall blaue Flecken vom gegenseitigen Prügeln. Und sie haben sich gegenseitig verarscht und gelacht wie alte Kameraden …

 

 

 

 




WEITER

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 Sie haben gerade Taylor Kitsch erwähnt. Neulich hat er mir gesagt, Sie hätten ihn für diese Rolle besetzt, während Sie Ihren nächsten Film, ONLY THE BRAVE, verfilmten.

 

Stimmt genau.

 

 

Lorenzo di Bonaventura am Set (c) Christian Black
Lorenzo di Bonaventura am Set (c) Christian Black

Sie haben Taylor beim Verfilmen von ONLY THE BRAVE und Dylan

Dylan bei DEEPWATER HORIZON gefunden.

 

Also Ihre anderen Filme waren in Wirklichkeit nur Casting Sessions für diesen Film?

 

(lacht) Testgelände sozusagen (lacht) … Aber dabei lernt man auch, ob man mit jemandem gern zusammenarbeitet. Und bei diesen beiden Kerlen ist das hundertprozentig der Fall.

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Es ist aber diesmal eine ganz andere Rolle für Taylor.

 

Meine Anforderung an ihn lief nach dem Motto: Du hast noch nie einen Bösewicht gespielt. Und dieser Bösewicht hier ist noch viel nuancierter als bei den üblichen Rollen. Ehrlich, wir mussten das beim Schnitt in diesem Film herunterspielen, dass der Typ so empathisch ist. Wir mussten diese Empathie herunterspielen und das Verrückte aufdrehen. Er war wirklich in der Lage, dieser Charakter zu werden, und das ist eine Sonderleistung als Schauspieler. Man versteht, was ihn antreibt, auf eine Art und Weise, die sonst bei einem Bösewicht sehr selten ist.

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Sie haben Michael Keaton auch dabei. Ich glaube auch nicht, dass er jemals so eine Rolle gespielt hat.

 

Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum er die Rolle unbedingt spielen wollte. Es ist auch der Grund, warum wir ihm diese Rolle angeboten haben. Wir hätten es traditioneller machen können, also mit einem grauhaarigen Veteranen, der sich eher zum Genre hingezogen fühlt, aber das fühlte sich für uns nicht so frisch an. Mit Keaton hatten wir das Gefühl, es würden ein paar Überraschungen auf uns – und auf die Zuschauer – zukommen. Man würde nicht unbedingt sehen, wo alles hinführen sollte, und ich glaube, das hat sich bewahrheitet.

 

Wie stark bringen Sie sich als Produzent ein? Wie viel Kontrolle überlassen Sie Ihren Regisseuren im Allgemeinen und hier konkret Michael Cuesta?

 

Regisseure und Produzenten fokussieren sich auf unterschiedliche Dinge. Michael hatte noch nie etwas in dieser Größe umgesetzt. Er macht sehr interessante, spannende Action bei Homeland, was auch einer der Gründe ist, warum wir ihn haben wollten. Das unterscheidet sich aber sehr stark davon, Kämpfe und Autojagden zu inszenieren. Ich habe inzwischen einige Actionfilme gedreht und weiß, wie ich einem Regisseur dabei helfen kann, die Zügel in die Hand zu nehmen, was die Actionelemente betrifft. Meine Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass die Größe des Films, die Intensität der Action, die visuellen Effekte zum Tragen kommen – das sind die Sachen, mit denen ich Erfahrung habe und bei denen ich helfen konnte.

 

Wie war der Dreh? Es kommt einem so vor, als hätten Sie überall auf der Welt gedreht.

 

(lacht) Haben wir auch. Das war der Trick oder zumindest ein Teil davon: Das Gefühl zu vermitteln, dass der Film budgetmäßig größer ist, als er es tatsächlich ist. Wir haben in London, Rom, Malta, Istanbul und Thailand gedreht. Wir wollten keinen Reisebericht machen, wollten aber, dass das Publikum das Gefühl bekommt, dass es die Welt, so wie sie ist, sieht.

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Was war die größte Herausforderung beim Filmen?

 

Unsere Ideen in das knappe Budget zu pressen. Wenn man so einen „ersten Film“ herausbringt, hat man nicht das Geld zur Verfügung wie zum Beispiel für ein Sequel. Das war auf jeden Fall eine der Herausforderungen. Dazu kam noch, das Andenken an Vince Flynn zu ehren – wir wollten dem Geist von Mitch Rapp, seiner Person treu sein sowie der Welt, in der er lebt. Wir haben viel Zeit damit verbracht, sicherzustellen, dass wir beim Film der Vorlage treu bleiben.

 

Was braucht man, damit ein Filmfranchise funktioniert? Und was für ein Franchise sehen Sie fürAssassinvor?

 

Es mag sich vielleicht neckisch anhören, aber ich denke selten ans Franchise. Meiner Erfahrung nach … Wenn man schon anfängt, sich über diesen zweiten Film Gedanken zu machen, steckt man nicht genug in den ersten hinein. Man muss sich voll und ganz darauf konzentrieren. Wir wären naiv, wenn wir nicht denken würden: Hör mal, da sind 16 Bücher … Und natürlich können wir in Zukunft darüber nachdenken. Wir verbringen aber momentan keine Zeit damit. Alle Franchises, an denen ich beteiligt war, von Matrix über Harry Potter bis Transformers, und hoffentlich dieses jetzt auch, haben eines gemeinsam, nämlich: Der erste Film muss gut genug sein, damit sich das Publikum auf die Hauptfigur bzw. die Hauptfiguren einlässt. Das ist wirklich der Punkt. Willst du mit denen noch eine Reise unternehmen? Da liegt wirklich der Schlüssel zum Ganzen.

 

Haben Sie Lust auf mehr Filme?

 

Solche Filme wie dieser gefallen mir sehr, und hier haben wir auch noch den Vorteil, dass Vince Flynn viele großartige Bücher geschrieben hat. Da sind viele dabei, die ich sehr interessant finde. Und gewisse Aspekte dieser Welt … Nun ja, eines seiner Bücher, das nächste Buch in dieser Reihe sogar, heißt KILL SHOT. Da geht es darum, wie eine Bürokratie ihre eigenen Leute verraten kann. Das wäre für mich das Buch, das ich gerne zum Film machen würde. Wir haben mal so locker darüber gesprochen, vermeiden es aber, zu viel darüber nachzudenken.

 

AMERICAN ASSASSIN startet am 12. Oktober in den deutschen Kinos.