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28/04/2018

5. /SLASH EINHALB FILMFESTIVAL IN WIEN

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Die Frühjahrsausgabe des wichtigsten österreichischen Festivals für den fantastischen Film, das SLASH ½, geht in die 5. Runde. Wer nach dem langen Erster-Mai-Wochenende noch etwas Erholung der besonderen Art sucht, ist vom 3. bis 5. Mai im Wiener Filmcasino genau richtig.

 

Eröffnet wird das Programm am 3. Mai um 18:00 Uhr mit THE WILD BOYS (der nichts mit dem gleichnamigen Hit der Fönfrisur-Popper Duran Duran von 1985 zu tun hat), in dem Anfang des 20. Jahrhunderts adoleszente Jünglinge auf eine ferne Insel geschippert werden, um diese zu domestizieren. Das erzählt Regisseur Betrand Mandico einerseits im Film-noir-Stil und dann wieder in buntesten LSD-Farben, sodass der Film für den Zuschauer zu einem ähnlichen Rausch wird wie die Reise der Protagonisten darin.

 

Danach geht es um 20:30 Uhr mit dem hochgelobten IT COMES AT NIGHT weiter, in dem sich Hollywood-Star Joel Edgerton in der Zeit der untergehenden Welt mit mehreren anderen Leute in einem einsamen Haus im Wald verschanzt, um vor dem Grauen draußen in Sicherheit zu sein. Doch je länger die Geflüchteten sich isolieren, desto größer wird die Gefahr, die von ihnen selbst ausgeht. Trey Edward Shults (KRISHA) erschafft damit eine clevere Allegorie unserer Gegenwart, in der Angst immer wieder zum zentralen Thema gemacht wird.

IT COMES AT NIGHT

 

Den cineastischen Abend beschließt um 23:00 Uhr der Indonesier Joko Anwar mit seinem Film SATAN’S SLAVES, einem losen Remake eines 80er-Jahre-Krachers aus dem Heimatland des Regisseurs. Der in der Tradition klassischer Gruselfilme gehaltene Inhalt dreht sich um eine verarmte Sängerin, die an einer schweren Krankheit dahinsiecht und deren einzige Kommunikationsmöglichkeit ein Glöckchen ist. Wenn dessen Klingeln auch nach dem Ableben der Frau weiterläutet, sind Gänsehautmomente auf dem Vormarsch.

 

SATAN´S SLAVES
SATAN´S SLAVES

Der Festivalfreitag beginnt um 18:00 Uhr mit der brasilianisch-französischen Koproduktion GOOD MANNERS, in der die farbige Clara aus den Favelas von São Paulo zur reichen und hochschwangeren Ana zieht, um dort als Kindermädchen für ihr Ungeborenes bereit zu sein. Doch der Schein trügt, Ana wandert bei Vollmond durch die Stadt, und daheim verzehrt sie nur rohes Fleisch. Das Ungewöhnliche an GOOD MANNERS: Das Regisseurduo Marco Dutra und Juliana Rojas inszenierte seinen Film im Stil klassischer Hollywood-Filme inklusive Musicaleinlagen und einem schnuckligen Werwolf-Baby.

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GOOD MANNERS

 Das Hauptabendprogramm am Freitag um 20:30 Uhr gehört dem Rape-and-Revenge-Subgenre: REVENGE, so auch der Titel von Coralie Fargeats Regiedebüt, erzählt von einer jungen Frau, Jen, die von den Freunden ihres Liebhabers vergewaltigt und dann von einer Klippe geworfen wird. Sie überlebt und kehrt zurück, um an ihren Peinigern brutal Rache zu nehmen.

 Um 23:00 Uhr folgt darauf HOUSEWIFE des türkischen Regisseurs Can Evrenol (BASKIN), der uns aus dem sonst als Genrewüste bekannten Land eine gelungene Huldigung italienischer Genremeister der Siebziger- und Achtzigerjahre präsentiert. HOUSEWIFE erzählt dabei von einer wohlhabenden Frau, die von einer alten (und verschwunden geglaubten) Bekannten in eine Sekte eingeführt wird, deren Guru alle Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit einzureißen gedenkt.

Für einen gelungenen Abschluss sorgt um 01:00 Uhr DOWNRANGE. Ein blutiges Highway-Drama der Sonderklasse, das uns von dem großartigen japanischen Regisseur Ryûhei Kitamura serviert wird. Nach dem altbewährten Prinzip eines Kinderliedes wird eine Gruppe von Collegestudenten, die nach einer Autopanne auf einer einsamen Landstraße gestrandet sind, von einem unbekannten Scharfschützen minimiert.

 

 

 

Nachdem Kitamura sich bereits für die genresprengenden Slasherfilme NO ONE LIVES und MIDNIGHT MEAT TRAIN verantwortlich gezeigt hat, darf man von diesem Sahneschnittchen einiges erwarten.

DOWNRANGE
DOWNRANGE

 

 

Mit eher leichter Kost wird der nächste Tag um 15:30 Uhr von MONSTER HUNT 2 eröffnet. Dabei muss man den ersten Teil nicht gesehen haben, um von dieser spaßigen und herzerwärmenden Mischung aus chinesischer Kampfkunst und animierten Monsterchen erobert zu werden. Raman Hui, der bei allen SHREK-Teilen in verschiedenen Departments seine Hände im Spiel hatte, erzählt die Geschichte des rettichförmigen Monster-Kindes Wuba weiter, das nun von sämtlichen Monsterjägern des Landes gehetzt wird, die nur ein Ziel verfolgen: die entzückende Kreatur ein für alle Mal in die Monsterwelt zu verbannen.

 

Es folgt um 18:00 Uhr die Österreichpremiere von TIGERS ARE NOT AFRAID. Ein außergewöhnlicher Film der mexikanischen Regisseurin Issa Lopez, der nicht nur auf einer Ebene Horror erzeugt. Nach dem plötzlichen Verschwinden ihrer Mutter ist die 10-jährige Estrella auf sich alleine gestellt. Inmitten der feindlichen Linien des mexikanischen Drogenkriegs schließt sie sich einer Gang von Straßenjungen an. Als ihr jüngstes Mitglied ebenfalls spurlos verschwindet, startet die Bande eine ungewöhnliche Rettungsaktion. Da kann selbst der Altmeister Stephen King nicht umhin, seine Begeisterung für diesen zu gleichen Teilen schrecklichen wie berührenden Film in die Welt zu twittern.

 

Um 20:30 Uhr geht es weiter mit David Freynes ungewöhnlichen Angriff auf das Zombiegenre. Wie der Titel THE CURED schon vermuten lässt, kann der Virus, welcher zuvor bereits den Großteil der irischen Bevölkerung in Zombies verwandelt hatte, geheilt werden. Doch nicht alle sprechen auf die Behandlung an, und so leben Menschen neben geheilten Zombies und einigen Tausend Internierten, die noch immer von ihren kannibalischen Instinkten getrieben werden, während eine radikale Terrorzelle aus militanten Ex-Zombies zum vernichtenden Schlag ausholt. Nach einer Reihe von Kurzfilmen, die alle auf die eine oder andere Weise ein apokalyptisches Szenario etablieren, kann man sich nun auf handliche 95 Minuten feinsten irischen Horror freuen.

 

THE CURED
THE CURED

Very British geht es um 23:00 Uhr mit DOUBLE DATE in die vorletzte Runde. Auch der Regisseur, der den klangvollen Namen Benjamin Barfoot trägt, hat sich zuvor ausschließlich an Kurzfilmen erprobt, um nun mit diesem Frauenpower-Slasher die klassische Verteilung der Geschlechterrollen auszuhebeln. Man ist sich nicht sicher, ob man Mitleid oder Genugtuung verspüren soll, wenn man Jim, der an seinem dreißigsten Geburtstag immer noch Jungfrau ist, dabei beobachtet, wie er von seinem selbstbewussten Buddy Alex dazu überredet wird, die beiden Schwestern Kitty und Lulu für einer Partynacht nach London zu verführen. Beide Paare haben natürlich nur eines im Sinn, doch denken dabei nicht alle an das eine.

 

Den krönenden Abschluss liefert um 01:00 Uhr der Albtraum eines jeden Karaoke-Phobikers: PREMIKA. Tripping und quirlig werden die Partygäste bei der Eröffnung eines neuen Luxushotels mit ausgefallenen Methoden bestraft, wenn sie schiefe Töne treffen. Erbarmungslos geht dabei die Erfindung des thailändischen Regisseurs Siwakorn Charupongsa mit seinen aberwitzigen Charakteren ins Gericht: Schlechte Sänger verlieren ihren Verstand und im schlechtesten Fall auch ihren Kopf. Basierend auf einem Konzept von Wisit Sasanatieng (TEARS OF THE BLACK TIGER) und bis zum Bersten vollgestopft mit unfassbar bunten Musicaleinlagen, ist PREMIKA der womöglich erste, jedenfalls aber beste Karaoke-Slasher aller Zeiten.

PREMIKA
PREMIKA

 Von 3. bis 5. Mai darf man sich also auf Abartiges und Außergewöhnliches, Bildgewaltiges und Blutrünstiges, Schmerzhaftes und Schreckliches beim SLASH 1/2 im Wiener Filmcasino freuen.

Programm und Tickets gibt es hier

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(Raffaela Schöbitz und Patrick Winkler)